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„Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben” – Aus einem Nebenjob in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

14. November 2018

Nichts ist unmöglich. Herr K. ist 48 Jahre alt und lebt in Neustrelitz. In den Umbruchzeiten der Wende schloss er erfolgreich seine Ausbildung als Klempner und Installateur ab. In diesem Beruf und später als Dachklempner hatte er bis 2002 sein geregeltes Einkommen.
Die familiäre Situation erforderte von ihm, dass er seinen Sohn alleine großzog. Die Kindererziehung kostete ihn viel Zeit, sodass er nicht mehr voll berufstätig sein konnte. Es stellten sich zudem gesundheitliche Einschränkungen ein und Facharzttermine prägten seinen täglichen Lebensablauf. Zusätzlich kümmerte er sich noch um seinen pflegebe-dürftigen Vater.
Ab 2002 ging Herr K. Nebentätigkeiten nach – zuletzt als Hausmeister auf Abruf. Er schien beruflich nicht so recht Fuß fassen zu können. Eine Tätigkeit in Vollzeit konnte er sich nicht mehr vorstellen. Was sollte dies auch sein?

Ab Februar 2018 wurde Herr K. in das „Projekt 450“ des Jobcenters Mecklenburgische Seenplatte-Süd aufgenommen. Ziel dieses Projektes ist der Ausbau von Nebentätigkeiten zu sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen.

Bei seinem aktuellen Arbeitgeber war ein solcher Ausbau der Nebentätigkeit auf Nachfrage nicht möglich. Aber wie konnte er wieder unabhängig vom Jobcenter leben? Welche Tätigkeiten konnte er ohne Einschränkungen erfüllen? Welche beruf-lichen Möglichkeiten gab es hier in der Region für ihn?

Bei all diesen Fragen war es für die Integrationsfachkräfte des Jobcenters die größte Herausforderung Herrn K. wieder Hoffnung zu geben, dass es auch für Ihn eine berufliche Zukunft gibt.
Mit seiner Integrationsfachkraft wurde die Stellensuche als Fahrer vereinbart, denn hier spielten seine gesundheitlichen Einschränkungen kaum eine Rolle und einen Führerschein besaß er seit längerem. Das Jobcenter fand eine Stelle bei einem Fahrdienst für Patienten-, Schüler- und Behindertentransporte – hier würde er auch seine langjährigen Erfahrungen bei der Erziehung seines Sohnes und der Pflege seines Vaters mit einbringen
können.

Die Vorbereitung

Jetzt musste er schnellstmöglich die Bewerbung überarbeiten, ausdrucken und an den Arbeitgeber senden. Er selbst hatte keinen PC, jedoch wusste er sich zu helfen und nutzte die Technik des Arbeitslosenverbandes.
Durch mehrmaliges höfliches Nachfragen beim Arbeitgeber erhielt Herr K. dann tatsächlich einen Termin für ein Gespräch. Sein letztes Vorstellungsgespräch lag allerdings Jahre zurück und so galt es, sich auf diese Situation vorzubereiten.

Die Chance

Das Gespräch mit dem Arbeitgeber verlief sehr gut. Herr K. hatte sich extra Fragen aufgeschrieben, die er stellen wollte, hatte sich über den Arbeitgeber und die Tätigkeit selbst ausführlich informiert.
„Nach dem Gespräch hatte ich ein gutes Gefühl. Er hätte mich sofort eingestellt.” sagte er und sollte sich nicht getäuscht haben.
Der Arbeitgeber – Fahrdienst Sudau – gab ihm eine Einstellungszusage für eine Tätigkeit als Fahrer in Vollzeit. Nun galt es noch die letzte Hürde zu nehmen.

Die Lösung

Herr Sudau verlangte neben einem Führungszeugnis auch einen Personenbeförderungsschein. Die Kosten dafür übernahm das Jobcenter Mecklenburgische Seenplatte-Süd und Herr K. kümmerte sich um die Dokumente. Dazu war
eine arbeitsmedizinische Untersuchung, die Umschreibung seines alten DDR-Führerscheins und die Anerkennung des Personenbeförderungsscheins notwendig.

Neue Hoffnung

Am 1. Juli war es dann soweit. Für Herrn K. begann ein neuer Lebensabschnitt – sein erster Arbeitstag beim neuen Arbeitgeber.
Zunächst fuhr er bei einem erfahrenen Kollegen mit, um die Tätigkeit, den Umgang mit den Kunden und die Strecken kennenzulernen. Zwischenzeitlich hat auch Herr K. sein eigenes Betriebsauto. Seine Touren werden in der Firma zentral zusammengestellt und ihm auf sein Diensttablet gesendet, sodass er abends weiß, was am nächsten Tag auf ihn wartet. Unabhängig und selbständig arbeitet er dann am nächsten Tag diese Touren ab.
Mit dem Betriebsauto darf er inzwischen sogar nach Hause fahren und kann von dort aus gleich starten.
Die Arbeit gefällt ihm und Urlaub hat er noch keinen genommen – „Ich hab‘ lang genug Urlaub gehabt.“ sagt er mit einem Augen-zwinkern.
Herausforderungen sind für ihn immer noch die Arbeitszeiten und der geteilte Dienst. Die Fahrzeiten können vormittags und nachmittags liegen, wodurch er zwischenzeitlich frei hat.
Sein Chef kann sich nicht beklagen – „Ich habe auf jeden Fall noch nichts Negatives gehört.“

Auch mit seinen Kunden kommt er sehr gut klar, erklärt er noch bevor er sich ins Auto schwingt und sich mit den Worten verabschiedet – „So ich muss jetzt los. Viertel fünf muss ich in Neubrandenburg sein und einen Dialyse-Patienten abholen.“


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