Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene in Mecklenburg-Vorpommern leiden unter Schlafstörungen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Barmer Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg). Zwischen 2010 und 2024 hat sich die Zahl der 10- bis 19-Jährigen mit einer ärztlich diagnostizierten Schlafstörung von rund 860 auf über 1.650 nahezu verdoppelt. Die Betroffenheit in der Altersgruppe stieg von 0,8 auf 1,2 Prozent. „Schlafstörungen können langfristig die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen negativ beeinflussen, was sich unter anderem in einem höheren Risiko für psychische Störungen und in schlechteren Schulleistungen niederschlagen kann“, sagt Henning Kutzbach, Landesgeschäftsführer der Barmer in Mecklenburg-Vorpommern.
Die Ursachen für Schlafstörungen bei Jugendlichen ähnelten oft denen von Erwachsenen. Zu den häufigsten Auslösern gehörten Stress, Angst, unregelmäßige Schlafenszeiten oder die Nutzung elektronischer Geräte vor dem Schlafengehen. Auch hormonelle Veränderungen in der Pubertät oder Ereignisse wie die Zeitumstellung könnten das Ein- oder Durchschlafen bei Heranwachsenden zeitweise durcheinanderbringen. Wenn Schlafstörungen wenigstens dreimal die Woche über einem Zeitraum von mehr als vier Wochen aufträten, sei ein Termin in der Kinder- oder Jugendarztpraxis ratsam.
Was löst Schlafstörungen aus?
Ähnlich wie bei Erwachsenen ist auch bei Kindern und Jugendlichen oftmals gedanklicher, emotionaler oder körperliche Stress vor allem in den Abendstunden bzw. vorm Zubettgehen die Ursache. Andere Schlafprobleme sind entwicklungsbedingt und treten nur vorübergehend auf bzw. wachsen sich in der Regel mit der Pubertät wieder aus. Dazu gehören zum Beispiel Schlafwandeln oder der Nachtschreck. Auch hormonelle Umstellungen vor allem in der Pubertät können zu einem veränderten Schlafverhalten führen und Probleme beim Ein- oder Durchschlafen begünstigen. Treten Schlafprobleme regelmäßig und über die Dauer von mindestens vier Wochen auf, sollte ärztlich abgeklärt werden, was die Ursache sein könnte und mögliche Erkrankungen ausgeschlossen werden.
Warum ist es so wichtig, dass Heranwachsende gut schlafen?
Schlaf hat eine bedeutsame Rolle für die körperliche und geistige Entwicklung. So wird beispielsweise im Tiefschlaf das Wachstumshormon ausgeschüttet, welches für die Organreifung und den Muskelaufbau zuständig ist. Dem Traum- oder auch REM-(rapid eye movement)-Schlaf wird eine wichtige Funktion für Lern- und Gedächtnisprozesse, die Reifung des Gehirns und das Erlernen von Bewegungsabläufen zugeschrieben.
Was hilft Kindern und Jugendlichen für einen gesunden Schlaf?
Um gut ein- und durchzuschlafen, helfen einfache Regeln:
Feste Schlafenszeiten: Jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett gehen und aufstehen – auch am Wochenende.
Bildschirmpause einplanen: Mindestens 60 Minuten vor dem Schlafen Handy, Tablet & Co. weglegen, um Blaulicht zu vermeiden.
Rituale etablieren: Entspannende Routine schaffen – z. B. Lesen, warme Dusche, leise Musik.
Schlafumgebung optimieren: Dunkel, ruhig, gut gelüftet und nicht zu warm; eine gute Schlaftemperatur liegt zwischen 16 und 20 °C.
Bewegung im Alltag: Regelmäßige körperliche Aktivität fördert guten Schlaf – aber kein intensiver Sport direkt vorm Zubettgehen.
Wie wurden die Daten erhoben?
Die Analyse basiert auf anonymisierten BARMER-Versichertendaten aus den Jahren 2010 bis 2024 und wurde auf Basis der Bevölkerungszahlen des Statistischen Bundesamts für die Bundesländer hochgerechnet. Für Mecklenburg-Vorpommern flossen Daten von rund 268.000 Versicherten ein, davon sind knapp 43.000 unter 20 Jahren (Stand 2024).







