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Masern-Alarm – Kein „Herdenschutz“ in MV

17. Oktober 2019

Die Impflücken bei Masern sind in Meck­lenburg-Vorpommern größer als gedacht. Von den Schulanfän­gern im Land sind höchstens 90,5 Prozent vollständig gegen Masern ge­impft, wie Auswer­tungen im aktuellen BARMER Arzneimittelreport zeigen. Damit liegt die Durchimpfungsrate um fünf Prozent niedriger als bisher ange­nommen. „Die Differenz erscheint auf den ersten Blick nicht groß, sie macht aber einen we­sentlichen Unterschied. Denn bei Masern gilt ,Herdenschutz‘ erst ab einer Impfquote von 95 Prozent. Nur dann sind auch diejenigen geschützt, die sich nicht impfen lassen können“, erklärt Henning Kutzbach, Lan­desge­schäftsfüh­rer der BARMER in Mecklenburg-Vorpommern. Wird dieser Wert nicht er­reicht, kann sich die Krankheit nach wie vor ausbreiten.

Um den vollständigen Masernschutz zu bekommen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) zwei Impfungen bis zum Ende des zwei­ten Le­bensjahres. Den Auswertungen im BARMER Arzneimittelreport zu­folge, ha­ben hochgerechnet 12.700 Erstklässler in Mecklenburg-Vorpom­mern die vollständige Grundimmunisierung. Demgegenüber stehen knapp 1.350 Kin­der dieser Altersgruppe ohne ausreichenden Schutz.
Immerhin 1,3 Prozent der Sechsjährigen sind komplett ungeimpft (Bund: 5,2 Prozent). „Un­bestrit­ten hat Mecklenburg-Vorpommern eine der höchsten Masernimpfquo­ten bundesweit. Erschreckend ist jedoch, dass die Zahl derjenigen, die nicht o­der nicht vollständig geimpft sind, nach unserer Studie sehr viel höher ist, als bisher angenommen. Man darf nicht vergessen, dass Masern keine harm­lose Kinderkrankheit sind, sondern es bei jedem zehn­ten Erkranktem zu ernsten Komplikationen kommen kann“, warnt der BARMER-Landeschef.

Ausrottung derzeit unwahrscheinlich

Unter den Zweijährigen im Nordosten ist ebenfalls nur ein geringer Teil über­haupt nicht geimpft. Lediglich 2,5 Prozent haben keine der beiden notwendi­gen Masernimpfungen bekommen. Vollständig immunisiert sind allerdings auch nur 76 Prozent dieser Altersgruppe. „Das ist ein alarmierendes Ergeb­nis. Gerade Kinder bis zu zwei Jahren erkranken statistisch gesehen am häufigsten an Masern. Diese Zahlen zeigen, wie unwahrscheinlich die Aus­rottung der Krankheit derzeit ist“, macht Henning Kutzbach deutlich.
Es brau­che deshalb mehr zielgruppenspezifische Impf­kampagnen, um die Skepsis und mög­liche Ängste vor Impfungen abzu­bauen. Diesbezüglich begrüßt der BARMER-Landeschef die Landesinitiative „MV-impft“ sowie die breite Unter­stützung aus dem Landtag hinsichtlich der Ein­führung einer bundes­weiten Impfpflicht. „Unsere Auswertungen zeigen den dringlichen Handlungsbe­darf.“

Die BARMER-Studie wurde auf Basis von Routinedaten von Versicherten und unabhängig von der Existenz eines Impfpasses durchgeführt. Darin un­terscheidet sie sich beispielweise von den regelmäßig vom Robert-Koch-Institut veröffentlichen Impfquoten, die auf Daten der Schuleingangsuntersu­chungen basieren. „Unsere Vorgehensweise hat den Vorteil, dass wir auch diejenigen Kin­der und Jugendlichen erfassen konnten, die überhaupt nicht geimpft sind. Dadurch können wir ein realistischeres Bild der Impfquote ab­bilden“, erklärt Henning Kutz­bach. Aktuell sind bei der BARMER in Mecklen­burg-Vorpom­mern mit knapp 269.000 Menschen fast 17 Prozent im Land versichert.

Warum nicht geimpft wird

Anhand der BARMER-Daten ist auch untersucht worden, welche Faktoren Einfluss auf den Impfschutz bei Kindern haben. Dabei hat sich unter ande­rem ein Zusammenhang zwischen der Präferenz für Homöopathie und der Ablehnung von Impfungen offenbart. Auch bei Kindern mit besonders jungen oder älteren Müttern ist die Wahrscheinlichkeit höher, nicht vollständig ge­impft zu sein. Gleiches gilt den Auswertungen zufolge auch für Kinder von Eltern ohne anerkannte Berufsausbildung. Das Geschlecht des Kindes hat hingegen keinen Einfluss auf den Impfstatus. Und jene, die am Kinder- und Jugendprogramm der BARMER teilnehmen, haben statistisch gesehen eine höhere Wahrscheinlichkeit, vollständig geimpft zu sein.

Einen Schritt hin zu mehr Impfbereitschaft geht die BARMER mit dem digita­len Impfplaner. Dieser gibt Auskunft über den Impfstatus und erinnert an feh­lende oder aufzufrischende Impfungen. Versicherte können den Impfplaner kostenlos nutzen. „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, den Schutz gegen Infektionskrankhei­ten zu etablieren und diese bestenfalls auszurot­ten“, sagt Henning Kutzbach, weshalb die BARMER auf allen Kommunikati­onswegen für Impfungen wirbt.


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