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Müritz mit niedrigstem Wasserstand seit 30 Jahren

23. August 2019

Mit Sorge blickt Axel Kumm auf den Müritzarm bei Vipperow. Wo einst der Pegel der Müritz noch mindestens 60 Zentimeter höher stand, ragen heute dicke Steine aus dem Wasser. Die Uferzonen samt Schilfgürtel liegen trocken. Noch nie habe der 52-Jährige einen so niedrigen Wasserstand gesehen. „Uns faulen die Pfähle weg. Überall, wo jetzt kein Wasser mehr ankommt, wird das Holz morsch“, sagte Kumm.

An diesem Wochenende erreichte der Pegel des größten deutschen Binnensees einen Stand von 1,51 Meter. Im Jahr 2003 lag der Pegel bei 1,55 Metern. Tendenz weiter fallend. Wir wollen uns selbst ein Bild vor Ort machen und begleiten Axel Kumm auf seinem Boot.

Etwa fünf Kilometer weiter nördlich, am Westufer der Müritz, ist die Situation noch dramatischer. Viele Sportbootbesitzer mussten in diesem Sommer auf Ausfahrten verzichten. Der Grund: Der Pegel der Müritz ist so niedrig, dass viele Bootsbesitzer ihre Yachten nicht mehr zu Wasser lassen konnten. „In Vipperow, Zielow und auch an der Wünnow in Röbel ist an Bootfahren nicht mehr zu denken“, so Kumm.

Bombenfunde und festgefahrene Boote – Wasserschutzpolizei mahnt zur Vorsicht

Ein weitaus schlimmeres Problem macht sich am Ostufer der Müritz bemerkbar. Vor Rechlin und Boek liegt noch tonnenweise Munition auf dem Grund der Müritz. Immer wieder finden Angler und Skipper Fliegerbomben am Grund. „Bei Sonneneinstrahlung kann man mit bloßem Auge die alten Kampfmittel sehen“, sagte Volker Trost von der Wasserschutzpolizei in Waren. „Der niedrige Pegel macht uns insbesondere am Ostufer große Probleme. Hier fahren sich immer wieder Urlauber mit Charterbooten fest. Andere finden Munition auf dem Grund der Müritz“, so Trost. Wer Munition findet, sollte diese auf keinen Fall selbst bergen. Viel wichtiger sei es, umgehend den Notruf zu wählen und wenn möglich, die genaue Position des Fundortes mittels GPS zu speichern. „Wir alarmieren dann den Munitionsbergungsdienst und sperren die Fundstelle weiträumig ab“, so Trost.

Bootsbergungen am laufenden Band – Marina Eldenburg im Dauereinsatz

Am frühen Abend erreichen wir den kleinen Hafen in Eldenburg. Hier kommt man mit dem Boot innerhalb weniger Minuten sowohl auf die Müritz als auch auf den Kölpinsee. In der Marina Eldenburg ist es noch voll. Dutzende Urlauber halten sich im Hafen auf, lassen sich vom Fachpersonal die Charterboote erklären. Immer wieder hören wir den Satz: „Bitte passen Sie auf, wenn sie am Ufer entlangfahren. Die Müritz ist sehr flach geworden.“ Eine Warnung, die nicht immer ankommt.

Seit mehr als zehn Jahren betreibt Steffen Schulz die Marina in Eldenburg. An einen derart niedrigen Pegel kann auch er sich nicht erinnern. „Die Situation ist schon wirklich extrem. Wir fahren mehrmals die Woche zu Bootsbergungen raus, weil sich Skipper mit ihren Booten im flachen Wasser festfahren“, so Schulz. Meist bleibt es bei geringen Schäden, hin und wieder aber werden die Boote auch schwer beschädigt. Der 44-jährige Warener rät allen Bootsführern, sich an den Betonnungen auf den Seen zu orientieren, hier sei immer eine Tiefe von mindestens 1,40 Meter garantiert.

Urlauber sitzen im Warener Hafen fest – Elde, Elbe und Spree nicht erreichbar

Wir setzen unsere Fahrt fort und erreichen im Sonnenuntergang den Warener Hafen. Hier treffen wir auf Familie Senftleben. Bianca verbringt, zusammen mit ihrem Mann, seit 1991 die gesamte Saison auf der Müritz. Seit Wochen haben sie den Warener Hafen aber nicht mehr verlassen. Ihr Boot hat einen Tiefgang von 1,50 Meter, zu viel für die engen und mittlerweile flachen Kanäle. „Wir wollten neulich nach Jabel fahren, mussten dann aber umdrehen, weil der Pegel zu niedrig war“, so Bianca Senftleben. Mit diesem Problem ist Familie Senftleben nicht alleine. Viele große Yachten liegen in Waren fest. Einige Urlauber bemühen sich jetzt schon, um einen der begehrten Winterlagerplätze zu bekommen. „Wir kommen ja nicht mehr nach Berlin. Normalerweise haben wir an der Spree einen Liegeplatz, dort kommen wir aber nicht hin“, sagte eine Urlauberin. Jetzt müssen sie sich einen Liegeplatz an der Müritz organisieren.

Dürre im Osten des Landes: Flutung des Cottbuser Ostsees auf unbestimmte Zeit gestoppt

Nicht nur an der Seenplatte macht sich die Dürre der vergangenen Monate bemerkbar, auch im Osten des Landes fehlen Unmengen Wasser. Am 12. April begann die medienwirksame Flutung des Ostsees nahe Cottbus. Auf einer Fläche von 1900 Hektar soll bis 2030 der flächenmäßig größte See des Lausitzer Tagebauseengebietes entstehen. Doch die Flutung wurde schon wenige Tage nach der Eröffnung wieder gestoppt. Es fehlt Wasser, viel Wasser. Das meiste Wasser für die Flutung des Sees kommt aus der Spree. Da die Spree, ähnlich wie viele andere Flüsse, gerade Niedrigwasser führt wurde die Flutung gestoppt und soll nun im Herbst wieder anlaufen. Wie ein Sprecher der LEAG mitteilte, könne die Flutung aber erst wieder fortgesetzt werden, wenn reichlich Niederschläge fallen. Es ist also auch möglich, dass die Flutung erst im Jahr 2020 weitergehen könnte.

Quelle: Nonstopnews Müritz
Foto oben: Mandy Pollack

Den aktuellen Pegelstand gibt’s unter: https://pegelportal-mv.de/pegel_mv.html

 


2 Antworten zu “Müritz mit niedrigstem Wasserstand seit 30 Jahren”

  1. meckerkopp sagt:

    Hallo, wer einen Job mit Zukunft haben will, sollte sich darauf Spezialisieren, die dicken Boote mit Achsen und Rädern auszurüsten.
    So könnte man in Zukunft bei zu erwartenden „Negativ Wasserstand“ trotzdem die Müritz befahren.
    Auch ich gehöre zu dern Betroffenen Bürgern, die keine Boote mehr zu Wasser bringen kann.

  2. Simon Simson sagt:

    Eigentlich müsste es hier in der Region genug geregnet haben, aber das große Wasserreservoir Müritz weckt Begehrlichkeiten und so wird mal einfach entnommen, was anderswo gebraucht wird, z.B. für die Schifffahrt auf den Kanälen. Liebe Bootsfreunde (speziell die mit dem großen Tiefgang), klagt bitte nicht, dass Euch etwas Wohlstand entgeht. Es macht nie einen guten Eindruck, Jammern auf höchstem Niveau. Es braucht keinen geistigen Tiefgang, festzustellen, dass jeglicher Luxus (und was sonst ist eine Yacht?) und das Benutzen von Verbrennungsmotoren nur so zum Spaß zum Klimawandel beitragen, völlig ohne wirtschaftliche bzw. gesellschaftliche Sinnhaftigkeit. Und nun bitte kein Relativieren. Das ist nichts Anderes, als ein ablenkender Fingerzeig auf andere. Die Zeit, in der Eure Yachten nicht für Entspannung und Juchhu sorgen, könnt ihr mit Nachdenken über Zusammenhänge verbringen. Langeweile ist, philosophisch gesehen, eine optimale Voraussetzung für Kreativität. Vielleicht kommt ja was für uns alle dabei raus. Hoffentlich regnet es bald, damit die Natur nicht allzusehr leidet. Wenn nicht, könnt ihr, statt Bootfahren, am 20. September der Kindergeneration beim Demonstrieren zusehen, deren Welt ihr mit kaputt gemacht habt und manche, unverbesserlich, weiter kaputt machen wollen.

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