Anzeige
Anzeige

Schulen in MV erhalten Unterrichtsmaterial zum KZ-Außenlager Retzow-Rechlin

27. Januar 2021

Anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktags am heutigen 27. Januar und des Gedenkjahres 1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland hat die RAA M-V neu entwickeltes Unterrichtsmaterial veröffentlicht und allen weiterführenden Schulen in Mecklenburg-Vorpommern eine kostenfreie Projektmappe zur Verfügung gestellt. Das Unterrichtsmaterial wird darüber hinaus in digitaler Form auf der Website der Landeszentrale für politische Bildung M-V (www.lpb-mv.de) zugänglich gemacht. In dem Material, das zusammen mit Rechliner Schülern erarbeitet wurde,  geht es um das Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück in Retzow-Rechlin. Auch Zeitzeugen kommen zu Wort.

Das Dorf Retzow, heute ein Teil von Rechlin, liegt in der südlichen Müritz-Region. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich dort ein Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück: Zunächst waren hier männliche Häftlinge untergebracht, ab Juli 1944 Frauen und Mädchen – ihre Zahl schwankte zwischen 1.500 und 3.000. Sie stammten aus verschiedenen Nationen, viele von ihnen waren Jüdinnen.

“Das Leben ist einmalig”

Mehr als zwei Jahre haben die RAA M-V und Schüler aus der Regionalen Schule Rechlin in einem historisch-politischen Bildungsprojekt zum KZ-Außenlager Retzow-Rechlin neues Material recherchiert und gemeinsam mit der Gedenkstätte Ravensbrück, der Gemeinde Rechlin und dem Verein Kulturkosmos an der Neugestaltung einer Gedenkstätte mitgewirkt.
Begleitend entstanden in Regie der RAAbatz Medienwerkstatt zwei Dokumentarfilme: „Wenn wir nicht erinnern, wer dann?“ (30 min) begleitet die lokale Spurensuche der Jugendlichen, die mit ihrer Lehrerin die Geschichte des KZ-Außenlagers entdeckt haben. „Und ich war siebzehn“ (38 min) porträtiert eine der letzten Zeitzeuginnen des KZ-Außenlagers Retzow-Rechlin, die ungarische Jüdin Judit Varga-Hoffmann.

Die damals 17-Jährige Judit Hoffmann gelangte Anfang 1945 zusammen mit ihrer Mutter ins Lager Retzow-Rechlin. „Im KZ zu sein, ist so ein Unterschied, als wenn ein Mensch, der auf der Erde lebte, plötzlich auf dem Mond sich wiederfindet“, resümierte sie ihre Zeit in Auschwitz, Gleiwitz, Ravensbrück und Retzow-Rechlin. Dass sie trotz allem betont, wie wichtig Offenheit und Lernbereitschaft gegenüber anderen Menschen ist, berührte die Rechliner Jugendlichen ebenso wie den Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth und seine Gemeinde zutiefst: „Das Leben ist einmalig“, formulierte sie ihre Botschaft an die junge Generation, „Das Leben ist auch dann einmalig, wenn man die Hölle erlebt hat. Dann auch … Nie, nie aufgeben.“

Regionale Spurensuche im Unterricht

Die Projektmappe, welche die Schulen nun erhalten, umfasst neben einer DVD mit den beiden Dokumentarfilmen unter anderem auch ein pädagogisches Materialheft, das sich für verschiedene Unterrichtsfächer eignet. „Damit möchten wir den Lehrkräften Mut machen, sich mit ihren Schüler*innen selbst auf eine spannende Spurensuche vor Ort zu machen“, erklärt Dr. Constanze Jaiser vom RAA-Projekt zeitlupe. „Über die regionale Geschichte lernen die Jugendlichen letztlich auch sehr viel über das große Ganze. Und in unserem Bundesland lassen sich noch einige unbekannte Geschichten entdecken.“

Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung M-V, ergänzt:  „Das Bildungsprojekt der RAA mit der Regionalen Schule Rechlin zeigt, wie spannend eine Spurensuche vor der eigenen Haustür ist, und hat Vorbildcharakter. Mithilfe der Handreichung bieten die Filme darüber hinaus eine Anregung, sich mit dem Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg und der Zwangsarbeit nicht nur in der Re­gion zu beschäftigen und die Stimmen der Überle­benden hörbar zu machen. Wir hoffen, dass viele Lehrer das Unterrichtsmaterial nutzen und dadurch weitere Projekte dieser Art entstehen.“


Eine Antwort zu “Schulen in MV erhalten Unterrichtsmaterial zum KZ-Außenlager Retzow-Rechlin”

  1. TH sagt:

    Zu diesem Themenkreis hat der Kulturkosmos Lärz vor einigen Jahren ein Buch erarbeitet. Man kann es für einen Unkostenbeitrag von 5 € kaufen (https://kulturkosmos.de/order-book.php) oder aber auch online lesen:

    https://kulturkosmos.de/bonusmaterial/texte/buch/index.php?lang=de