Die Aussage der Staatsanwaltschaft zum Tod des acht Jahre alten Fabian aus Güstrow hat gestern erneut für sehr viel Betroffenheit und Wut gesorgt. Erstmals gaben die Ermittler bekannt, wie der Junge im Oktober vergangenen Jahres gestorben ist – mindestens sechs Messerstiche trafen ihn im Bereich des Oberkörpers. Anschließend soll er mit Brandbeschleuniger übergossen und angezündet worden sein. Angeklagt wird die 29 Jahre alte Gina H., die Ex-Freundin von Fabian Vater und selbst Mutter eines Kindes. Sie sitzt seit Anfang November in Untersuchungshaft.
Dorina, die Mutter von Fabian, hat gestern ebenfalls zum ersten Mal gehört, was ihrem Sohn angetan wurde, wie die Tat abgelaufen sein soll – nach all den Wochen voller Trauer ein erneuter Schock, wie uns Raffaela als Freundin der Mutter berichtet. Doch die Mama muss seit dem Tod ihres Jungen noch viel mehr ertragen, denn in den sozialen Medien wird seither übelst spekuliert. So schlimm, wie wohl noch zu keinem anderen Fall. Die Tiktoker gehen dabei äußerst rücksichtslos vor, nur, um Profit aus der schrecklichen Tat zu schlagen.
Einer, der weder die Mutter noch ihre Freundinnen in Ruhe lässt, ist Markus Rahmsdorf – Möchtegern-Sheriff aus Neubrandenburg. Das Ganze hat inzwischen unvorstellbare Ausmaße angenommen. So sehr, dass Fabians Mama sogar schon verzweifelt an den selbst ernannten Ermittler geschrieben hat. Doch den juckt das alles nicht.
Nicht zum ersten Mal fällt Rahmsdorf derart unangenehm auf, um es mal vorsichtig auszudrücken. Er versucht, sich in viele Fälle einzumischen, stellt sich als Ermittler und selbstloser Helfer dar, behindert dabei zum Teil die Polizeiarbeit, belästigt Angehörige und versucht, mit ihrem Leid Geld zu machen. Einer geregelten Arbeit geht er nach Informationen von „Wir sind Müritzer“ nicht nach. Stattdessen diskutiert er lieber live auf Tiktok, spekuliert wie im Fall Fabian, hetzt gegen Angehörige und Freunde. Wenn er dann zwischendurch merkt, dass die Luft für ihn dünn wird, weil ihn beispielsweise viele Leute auffordern, endlich aufzuhören, geht’s in die andere Richtung. Schon mehrfach kündigte Rahmsdorf zwischen den Zeilen in den sozialen Medien in den vergangenen Wochen an, sich das Leben zu nehmen. Natürlich auch wieder groß in Szene gesetzt. Außerdem zeigt er Leute, die ihn stoppen wollen, immer wieder an, aber auch gegen ihn gibt es nach WsM-Informationen einige Anzeigen.
„Weiteres unerträgliches Leid“
Schon als Fabian vermisst war, setzte er sich – ausgestattet mit Rettungsklamotten und Rucksack – in den Zug und wollte die Suche unterstützen. Er nahm Kontakt zu den Angehörigen und ihren Freunden auf. Doch die wollten irgendwann nichts mehr mit ihm zu tun haben. Davon lässt sich ein Markus Rahmsdorf aber nicht beeindrucken. Er versuchte immer wieder, die Mama von Fabian zu kontaktieren, bis sie ihn schließlich blockierte und ihn schriftlich aufgefordert hat, jegliche Kontaktaufnahme zu unterlassen. Interessiert ihn nicht, er diskutiert auf TikTok weiterhin live mit Menschen über den Fall, die ebenfalls mehr als fragwürdig daher kommen. Er spekuliert zum Tathergang und möglichen Tätern, zieht über die Mama und ihre Freundinnen her und wirft den Ermittlern indirekt Fehler vor.
„Ich fühle mich von Ihnen bedrängt, belästigt und benutzt. Rufen Sie mich nicht weiter an Ich möchte mit Ihnen keinen Kontakt“, schreibt Fabians Mama schon fast flehend an Rahmsdorf .
Und weiter: „Die wenigen Dinge, die wir persönlich kurz nach dem Verschwinden meines Sohnes besprochen haben, schlachten Sie im Internet aus, um mit meinem Leid und dem Verlust meines Kindes, Aufmerksamkeit zu gewinnen und mit anderen Streamern zusammen Profit daraus zu schlagen… Sie verbreiten wissentlich Unwahrheiten und fügen mir, meiner Familie und meinen Freunden weiteres unerträgliches Leid zu.“
Das Auftreten des Neubrandenburgers im Internet habe zu zahlreichen Beschimpfungen, Unterstellungen, Beschuldigungen geführt. „Sie haben keinen Anstand. Sie haben keinen Respekt. Sie haben keine Achtung vor mir, meinem toten Kind, meinen Freunden und meiner Familie. Sie sind ein Selbstdarsteller und Lügner.“
Doch auch diese Worte der trauernden Mama haben ihn nicht zum Umdenken gebracht, er macht weiter, vor allem auf Tiktok, und findet dort leider Gleichgesinnte, die genauso konfus und abscheulich über das Verbrechen sprechen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Markus Rahmsdorf trauernde Angehörige noch mehr aufwühlt. „Wir sind Müritzer“ berichtete unter anderem über den Fall der verschwundenen Gerda Wiese aus Priborn. Auch hier wollte er plötzlich nach zehn Jahren „ermitteln“, bedrängte Angehörige und wollte mal so richtig loslegen, selbst, als man ihn freundlich bat, bitte Ruhe zu geben.
Die Polizei hat bereits mehrfach ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es keinerlei Zusammenarbeit mit Markus Rahmsdorf gibt, nicht gegeben hat und auch nicht geben wird. Sollte sich jemand bedrängt oder belästigt fühlen, bittet die Polizei um umgehende Nachricht. Auch angebliche Partner, mit denen er einst prahlte, haben sich inzwischen öffentlich von ihm distanziert.
Leider hat ihm auch die regionale Zeitung „Nordkurier“ häufig eine Plattform gegeben, um sich selbst zu inszenieren – mit den bekannten Folgen.
Marko Rahmsdorf selbst bezeichnet sich als „Aussteiger aus der Nazi-Szene“, war eigenen Angaben zufolge unter anderem bei der Neuen Stärke Partei aktiv und habe angeblich ein „starkes Netzwerk“ und „Erfahrungen“.











