In Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Zahl der Frauen mit der Diagnose Endometriose in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Gab es im Jahr 2005 noch rund 3.500 Betroffene, waren es im Jahr 2024 bereits mehr als 8.800, wie der aktuelle Barmer Arztreport zeigt. Bei Endometriose handelt es sich um eine chronische, meist schmerzhafte Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle wächst. Laut Arztreport sank auch das Durchschnittsalter der erstmals von einer Diagnose betroffenen Frauen bundesweit: Im Jahr 2015 waren Frauen bei Erstdiagnose im Schnitt 41,2 Jahre alt, im Jahr 2024 mit 37,4 Jahren deutlich jünger. „Die Entwicklungen zeigen, dass Endometriose stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen ist. Die Erkrankung wird heute früher diagnostiziert und betroffene Frauen erhalten schneller Klarheit über ihre Beschwerden“, sagt Henning Kutzbach, Landesgeschäftsführer der Barmer in Mecklenburg-Vorpommern. Trotz des positiven Trends wünsche er sich anlässlich des Internationalen Tags der Endometriose am 14. März mehr Sichtbarkeit für die Krankheit.
Denn Endometriose beeinträchtigt die Betroffenen nicht selten in vielerlei Hinsicht. „Endometriose kann viele Bereiche des Lebens beeinflussen – Familienplanung, Mobilität und psychische Gesundheit. Ziel ist es, die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern“, so Kutzbach weiter. Das sehe auch die seit dem vergangenen Jahr aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Endometriose so vor.
Begleiterkrankungen stark verbreitet
Als ein weiteres Ergebnis zeigt der Arztreport, dass Frauen mit Endometriose deutlich häufiger unter Begleiterkrankungen leiden, als es ihrem Alter entsprechend zu erwarten wäre. Besonders ausgeprägt sind Schmerzdiagnosen. Bauch- und Beckenschmerzen wurden mehr als doppelt so häufig dokumentiert. Auch Migräne und Muskel-Skelett-Erkrankungen sind überdurchschnittlich häufig. Zudem leiden die Betroffenen öfter an depressiven Episoden und Angststörungen. „Die Ergebnisse des Arztreports belegen zwar, dass mit Endometriose keine erhöhte Sterblichkeit einhergeht. Allerdings leiden die betroffenen Frauen unter einer hohen Krankheitslast. Deshalb ist eine ganzheitliche Therapie erforderlich“, sagt Kutzbach. Eine passgenaue Therapie könne dazu beitragen, dass sich die Erkrankung nicht unnötig verschlimmere und die Folgen besser bewältigt werden könnten.
Regionale Unterschiede zeigen Bedarf an weiterer Aufklärung
Der Report belegt außerdem deutliche regionale Unterschiede. Bundesweit liegt das Saarland bei den Erstdiagnosen rund 20 Prozent über dem Durchschnitt, während Thüringen etwa 20 Prozent darunter liegt. Auch in Mecklenburg-Vorpommern wird Endometriose als Erstdiagnose fast zehn Prozent seltener gestellt. Insgesamt wird die Erkrankung häufiger in dicht besiedelten als in ländlichen Regionen diagnostiziert. „Wir gehen davon aus, dass viele Frauen ihre Beschwerden für starke Regelschmerzen halten und deshalb nicht frühzeitig ärztliche Hilfe suchen. Die regionalen Unterschiede zeigen, dass noch weitere Aufklärungsarbeit erforderlich ist“, so Kutzbach.
Fragen und Antworten:
Was ist Endometriose?
Bei einer Endometriose findet sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut sehr ähnlich ist, außerhalb der Gebärmutterhöhle. Häufig lassen sich derartige Herde am Bauchfell nachweisen, aber auch an den Eierstöcken oder dem Darm.
Warum entsteht Endometriose?
Bis heute ist nicht vollständig geklärt, weshalb es außerhalb der Gebärmutterhöhle zum oftmals schmerzhaften Gewebewachstum kommt. Verschiedene medizinische Erhebungen benennen unter anderem eine Störung des Immunsystems, genetische Faktoren und hormonelle Einflüsse als mögliche Ursachen, die im Zusammenspiel zur Erkrankung führen.
Welche Symptome verursacht Endometriose?
Diese chronische Erkrankung entwickelt sich typischerweise erst ab oder nach der ersten Regelblutung. Das Hauptsymptom einer Endometriose sind Unterleibsschmerzen. Sie treten oft zusammen mit der Regelblutung auf, aber auch während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Die Schmerzen können mal stärker, mal schwächer sein und in den Unterbauch, den Rücken und die Beine ausstrahlen. Sie werden oft als krampfartig erlebt und können von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleitet sein. Über längere Zeiträume können sich die Schmerzen chronifizieren. Endometriose kann sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken.
Wie wird Endometriose behandelt?
Die Behandlung hängt stark von Beschwerden, Alter, Kinderwunsch und Ausbreitung ab. Eine Möglichkeit ist die medikamentöse, symptomorientierte Schmerztherapie, um die Symptome zu lindern. Zudem kann eine Hormontherapie erfolgen, um den Zyklus oder Eisprung zu unterdrücken und auf diesem Wege auch Endometriose-Herde einzudämmen. Möglich ist auch eine meist minimal-invasive Operation, um diese Herde zu entfernen oder zu veröden und Verwachsungen zu lösen. Das kann bei starken Schmerzen und Kinderwunsch sinnvoll sein, oder auch wenn Organe wie zum Beispiel der Darm befallen sind.
Wie wurden die Daten erhoben und ausgewertet?
Die Analyse basiert auf den anonymen Abrechnungsdaten von BARMER-Versicherten. Für die Jahre von 2005 bis 2024 konnten bei der Analyse rund zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland berücksichtigt werden. Die Ergebnisse wurden standardisiert und auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern hochgerechnet.








