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Trotz Corona – Azubis geben dualer Ausbildung erneut Bestnoten

19. August 2020

Wie in jedem Jahr haben die Industrie- und Handelskammern der ostdeutschen Bundesländer die Auszubildenden des 1. Ausbildungsjahres, die im Jahr 2019 in die Berufsausbildung gestartet sind und ihre ersten Ausbildungserfahrungen gesammelt haben, befragt. In Mecklenburg-Vorpommern beteiligten sich 501 von 2.535 IHK-Auszubildenden an der Umfrage. Der befragte Jahrgang war wenige Monate nach Ausbildungsbeginn unmittelbar von der Corona-Pandemie betroffen. Im März und April mussten viele Ausbildungspläne durch die behördlichen Betriebs- und Schulschließungen oder die Auswirkungen der Maßnahmen angepasst und kurzfristige Lösungen für eine Fortführung der Ausbildung unter den Pandemiebedingungen gefunden werden.

Die Auszubildenden berichteten den IHKs zu ihren Erfahrungen in der Berufsorientierung und mit dem Bewerbungsverfahren, zum Beginn der Ausbildung und zu ihrer Zufriedenheit in Ausbildung und Betrieb. Schönstes Ergebnis: Trotz Corona-Unbill im 1. Ausbildungsjahr geben die Azubis ihren Betrieben und Ausbildern gute Noten und wertschätzen die notwendigen besonderen Anstrengungen. Wie 2019 so auch 2020 würden 84 Prozent der Azubis ihren Betrieb weiterempfehlen.

„Auch in dieser Situation erweist sich erneut die Krisenfestigkeit des dualen Ausbildungssystems“, so Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg. „Unter wel-chen Bedingungen auch immer – im Interesse des eigenen Fachkräftenachwuchses schaffen die Ausbildungsbetriebe stets die passenden Ausbildungsbedingungen, um gemeinsam erfolgreich zu sein.“

Zu den Ergebnissen im Einzelnen:

  • 84 Prozent der Azubis würden ihren Ausbildungsbetrieb weiterempfehlen. Das machen sie vor allem an einem guten Betriebsklima, einem guten Verhältnis zu den Ausbildern, dem hohen Praxisbezug und auch den Karriere- und Übernahmechancen fest.
  • 78 Prozent der Auszubildenden in IHK-Berufen erlernen nach eigener Aussage ihren Wunschberuf.
  • Was schätzen die Azubis an der dualen Ausbildung? Den Bezug zur Praxis (93 Prozent), berufliche Aufgaben, die den eigenen Interes- sen entsprechen (94 Prozent), einen schnellen Berufseinstieg (90 Prozent) und gute Aufstiegs- und Übernahmechancen (89 Prozent). Duale Ausbildung lässt genügend Um- und Durchstiegsmöglichkeiten.
  • Die beste Berufsorientierung ist praktisch (Praktika in Betrieben), aber eine online-Recherche gehört unabdingbar dazu. Deshalb wichtig – eine gute Website oder ein Social-Media-Kanal der Ausbildungs- betriebe für Erstinformationen. Für jeden 4. Azubi sind Beratungsgespräche wichtig und jeder 5. setzt auf die kompakte Information durch Ausbildungsmessen.
  • Dreiviertel der Auszubildenden haben mit maximal zehn Bewerbun- gen den jetzigen Ausbildungsplatz gefunden.
  • Eine Berufsausbildung in der Nähe zum Heimatort ist für 80 Prozent wichtig für die Berufswahl (neue Bundesländer 73 Prozent). Zu be- wältigende Entfernungen in einem Flächenland wie MV sind durchaus wesentlich für Berufswahlentscheidungen.
  • Mindestens jeder 4. Azubi (28,2 Prozent) ist für seine Berufsausbildung umgezogen; deutlich mehr als im Durchschnitt der neuen Bundesländer (19 Prozent).
  • Die Bewerber signalisieren jedes Jahr aufs Neue, dass der Berufsschulstandort ein wesentlicher Aspekt für die Attraktivität der Ausbildungsstelle ist und sie ungern lange Fahrzeiten in Kauf nehmen. In MV müssen deshalb 30 Prozent für den Berufsschulbesuch einen Wohnheimplatz oder eine Wohnung anmieten. (neue Bundesländer 21 Prozent).
  • Die unterschiedlich langen Fahrzeiten zur Berufsschule zeigen den Konzentrationsprozess der Berufsschulen in MV. Jeder 4. Azubi pen- delt mehr als 90 Minuten. Mindestens jeder zweite Ausbildungsbetrieb ersetzt hier ganz oder teilweise die Kosten oder zahlt Zulagen zur Ausbildungsvergütung. Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland in den neuen Ländern, in dem es noch kein Azubiticket gibt. Das ist überfällig – für alle Azubis und für alle notwendigen Verkehrsmittel.
  • Mitten im Lockdown und danach: Die Berufsausbildung lief für 82 Prozent der Azubis wie geplant weiter. Erstmals ging die Vermittlung betrieblicher Inhalte für jeden 6. Azubi auch im Homeoffice oder durch mobiles Arbeiten weiter. Nur sehr wenige Azubis waren oder befinden sich in Kurzarbeit und nur 2 bzw. 3 Prozent der Azubis machen sich Sorgen, durch die Pandemie den Ausbildungsplatz zu verlieren oder nach der Ausbildung deswegen nicht übernommen zu werden. Ein Beleg dafür, dass die Unternehmen alle Anstrengungen unternehmen, die Auszubildenden trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiterhin zu halten und die Qualität in der Ausbildung zu sichern.

Im Jahr 2020 korrespondiert die Azubiumfrage zeitgleich mit der IHK- Ausbildungsumfrage in den Unternehmen, die sich diesmal vorrangig der Corona-Situation widmete.

Herauszulesen: Die Antworten der Unternehmen bestätigen nahezu deckungsgleich jene der Azubis (Fortführung der Ausbildung, neue Ausbildungsformen).
An ihren Ausbildungsanstrengungen halten sie unvermindert fest und wollen in gleicher Höhe weiter ausbilden.
Der Digitalisierungsschub im Berufsschulbereich muss weiter voran- getrieben werden. Die Ausbildungsbetriebe begrüßen generell die Weiterentwicklung von E-Learning und Blended Learning.

Mit 2.727 neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen beginnt sich die durch den Lockdown entstandene Lücke an abgeschlossenen Verträgen all- mählich zu schließen. Offene Ausbildungsplätze warten über alle Branchen hinweg und in allen Regionen weiter auf die Besetzung.

Alle IHKs werden in den kommenden Wochen auch gemeinsam mit den Arbeitsagenturen das Vermittlungsgeschäft noch kräftig ankurbeln.
Bewerber sollen sich bei den Beratern der IHKs direkt, auf den online-Lehrstellenbörsen über Hotlines usw. über offene Lehrstellen informieren.


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