Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern waren im vergangenen Jahr etwas seltener krankgeschrieben als 2024. Das geht aus Daten der Barmer hervor. Dennoch hat Mecklenburg-Vorpommern bundesweit weiterhin die meisten Krankheitstage und den höchsten Krankenstand. Im Jahr 2024 wurden im Schnitt 26,8 Krankheitstage je Versicherten erfasst. Im vergangenen Jahr waren es 26,6. Der Krankenstand sank leicht von 7,34 auf 7,29 Prozent. Damit waren von 1.000 Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern täglich etwa 73 krankgeschrieben. „Wir gehen davon aus, dass sich der Nachholeffekt nach der Coronapandemie weiter abgeschwächt hat. Nachdem das Kontaktverbot aufgehoben wurde, trafen die Krankheitserreger zunächst auf ein untrainiertes Immunsystem. Deshalb gab es in den letzten Jahren deutlich mehr Fälle von Atemwegserkrankungen. Dieser Effekt scheint nun nachzulassen“, erklärt Henning Kutzbach, Landesgeschäftsführer der Barmer in Mecklenburg-Vorpommern.
Die Fehltage wegen Atemwegsinfekten seien in Mecklenburg-Vorpommern von 2024 auf 2025 um 8,3 Prozent zurückgegangen. Bei klassischen Erkältungskrankheiten wie Bronchitis, Halsentzündung oder Schnupfen seien sogar 10,5 Prozent weniger Krankheitstage verzeichnet worden.
Warum der Krankenstand in Mecklenburg-Vorpommern trotz Rückgang deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 6,03 Prozent liege, könne verschiedene Ursachen haben. Neben soziodemographischen Faktoren spiele möglicherweise auch die geringere Tarifbindung in Ostdeutschland eine Rolle. Beschäftigte mit Tarifvertrag könnten in der Regel krankheitsbedingt drei Tage ,ohne gelben Schein‘ zu Hause bleiben. Diese Krankentage würden statistisch nicht erfasst.
Fragen und Antworten:
Welche Daten wurden ausgewertet?
Analysiert wurden die Daten von Erwerbspersonen, die im Jahr 2025 bei der Barmer versichert waren. Zu den Erwerbspersonen zählen versicherungspflichtig Beschäftigte und Arbeitslosengeld-1-Empfänger. Im Jahr 2025 hatte die Barmer in Mecklenburg-Vorpommern rund 216.000 Mitglieder (ohne Familienversicherte).
Warum werden keine Daten von Kindern und Versicherten ausgewertet, die nicht berufstätig und familienversichert sind?
Diese Daten können nicht ausgewertet werden, da sie uns grundsätzlich nicht vorliegen. Nur Erwerbspersonen müssen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einreichen, da sie Anspruch auf Krankengeld haben, das nach der 6. Krankheitswoche von der Kasse gezahlt wird. Deshalb wird nur dieser Personenkreis krankgeschrieben und deshalb liegen auch nur Daten von diesen Versicherten vor.
Beziehen sich die Daten zu Krankenstand und Krankheitstagen nur auf Barmer-Versicherte?
Nein, die Daten wurden standardisiert, basierend auf Angaben des Statistischen Bundesamtes zu Erwerbstätigen nach Geschlecht und Altersgruppen, und dann auf die Bevölkerung Mecklenburg-Vorpommerns hochgerechnet.
Warum gab es nach der Pandemie einen Nachholeffekt?
Während der Pandemie haben sich Krankheitserreger aufgrund der Kontaktverbote und Hygienemaßnahmen nicht ausbreiten können. Das hatte zur Folge, dass die Menschen weniger Abwehrkräfte aufbauen konnten. Als die Maßnahmen aufgehoben wurden, steckten sich deshalb deutlich mehr Menschen an, weil Viren und Bakterien auf ein untrainiertes Immunsystem trafen. Dadurch stieg vor allem die Zahl der Atemwegserkrankungen deutlich an.
Welche Krankheiten fallen unter die Atemwegserkrankungen?
Zu den Atemwegserkrankungen zählen unter anderem akute Infekte der oberen und unteren Atemwege (z. B. Nasennebenhöhlenentzündung, Bronchitis, Mandelentzündung), Grippe, Lungenentzündung, chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma und chronische Bronchitis.
Warum könnte die Tarifbindung den Krankenstand beeinflussen?
In der Regel ist bei tariflich Beschäftigten eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Krankmeldung) erst ab dem vierten Kalendertag erforderlich. Diese Regelung wird umgangssprachlich auch als ,drei Tage ohne gelben Schein‘ bezeichnet. Da für diese drei Tagen keine Meldung bei der Krankenkasse erfolgt, werden diese Krankentage statistisch auch nicht erfasst. In Westdeutschland haben 50 Prozent der Beschäftigten eine Tarifbindung, in Ostdeutschland 42 Prozent.











