Von der Kinder- und Jugendpsychiatrie in die Tagesklinik

9. August 2023

Wenn ein Kind nach einer mehrwöchigen stationären Behandlung wieder nach Hause darf, sind viele Eltern zunächst unsicher: Kann mein Kind ohne Einschränkungen in sein gewohntes Umfeld zurückkehren? Eine teilstationäre Behandlung in einer Tagesklinik vereint Alltag und Therapie und unterstützt Kinder und Jugendliche bei der Wiedereingliederung. Dr. Arne Schmidt ist Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik im MediClin Müritz-Klinikum in Röbel. Mit seinen Kollegen bereitet er am Ende einer Behandlung auch die Entlassung der jungen Patienten vor und entscheidet gemeinsam mit ihnen, welche Weiterbehandlungsmaßnahme sinnvoll ist. Welche Rolle eine Tagesklinik beim Übergang von stationärer Behandlung zum Alltag spielen kann, erzählt er im Interview.

Wann ist eine Tagesklinik sinnvoll?

Nach einer langen stationären Behandlung kann bei jungen Patienten noch Bedarf für unterstützende Therapien bestehen. Welche Maßnahmen geeignet sind, entscheiden die Behandelnden während des stationären Aufenthalts. Schmidt erklärt: „Diese Entscheidung wird bei uns im Team gefällt. Wir treffen uns mit den Therapeuten, mit den Spezialtherapeuten, mit den Schwestern oder Pflegern, die mit dem Kind zu tun hatten. Alle fügen dann zusammen, wie die Entwicklung des Kindes bei uns in der Station war und wie gut es hier zum Beispiel die Aufgabe erfüllt hat, seine Ängste zu besiegen.“ Wird keine stationäre Behandlung mehr benötigt, legen die Behandelnden ein Entlassungsdatum fest. Ob das Kind direkt bereit ist, wieder vollständig am Unterricht teilzunehmen und in seinen Alltag zurückzukehren, wird mit den Eltern oder – wenn das Kind alt genug ist – mit dem oder der Jugendlichen selbst besprochen. „So finden wir eine Lösung, die für alle zufriedenstellend ist“, sagt Schmidt.

Tagsüber Therapie, abends zuhause

Der Übergang vom Klinikalltag zum gewohnten Alltag zuhause kann bei schwerwiegenden psychischen Erkrankungen wie Angststörungen, Essstörungen oder Depressionen durch eine Therapie in einer Tagesklinik unterstützt werden. Die Kinder und Jugendlichen besuchen dann von der Tagesklinik aus die Schule. „Wie viele Schulstunden pro Tag ein Kind schaffen kann, das wägen die Therapeuten gemeinsam ab. Nach und nach wird das gesteigert, je nachdem wie gut es das Kind hinbekommt und davon ist natürlich auch abhängig, wie lange es noch in der Tagesklinik sein wird“, erklärt Schmidt. Im Durchschnitt werden die jungen Patienten vier bis sechs Wochen in einer Tagesklinik behandelt. Letztendlich ist hier die Entwicklung der Patienten entscheidend.

Kinderpodcast zum Thema psychische Erkrankungen

Das Interview mit Dr. Arne Schmidt können Sie sich in der aktuellen Folge „Max wird entlassen“ des MEediClin Kinderpodcasts „Max schreibt“ anhören. Der Podcast richtet sich an Kinder und Familien und informiert in wöchentlich erscheinenden Folgen zu psychischen Erkrankungen. Sie sind zu hören auf Podcast-Plattformen wie Apple, Spotify, Google Podcasts, Deezer und Amazon Music. Die zehnte und letzte Folge der Staffel finden Sie auch auf der Übersichtsseite https://www.mediclin.de/kinderpodcast-max-schreibt/

Fotos: MediClin


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