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Warum eine Warener Schülerin ihre Identität verschwieg

19. Mai 2015

In der Aula des Richard-Wossidlo-Gymnasiums in Waren wird heute ein ganz besonderer Film präsentiert: „Gerdas Geheimnis“. Gleichzeitig eröffnet eine Ausstellung, die am Beispiel sechs jüdischer und nicht jüdischer Familien aus Waren einen Rückblick auf das einst selbstverständlich zu unserer Stadt gehörende jüdische Leben und dessen sukzessive Zerstörung seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten gewährt.

Seit 2014 haben sich Schüler der 11. Klassen des Richard-Wossidlo-Gymnasiums in dem Projekt „LIFE BELONGS TO THE LIVING“ unter Leitung von Dr. Dorothea Rother und in Zusammenarbeit mit der Medienpädagogin und Filmemacherin Anja Schmidt (Medienwerkstatt RAAbatz) mit der Geschichte der jüdischen Schüler des Wossidlo-Gymnasiums und deren Schicksal während des Nationalsozialismus beschäftigt. Dabei wurde der Fokus jedoch nicht mehr nur auf die Vergangenheit, sondern im Besonderen auf die Zeit über das Ende des 2. Weltkrieges hinaus und vor allem auf unsere Gegenwart gerichtet.

Die Ergebnisse der Arbeit präsentieren die Jugendlichen mit dem Film „Gerdas Geheimnis“ und einer umfangreichen Ausstellung. Anhand von elf Lebenswegen werden exemplarisch die Folgen der Nazi-Diktatur gezeigt und nach dem gefragt, was geblieben ist, und wie heutiges Erinnern gelingen kann.

Der Film thematisiert das Schicksal der einstigen Warener jüdischen Schülerin Gerda Löwenberg, die ihre jüdische Identität und die wahre Geschichte ihrer Familie ihrer einzigen Tochter Susan Rhyne gegenüber verschwieg. In ihn eingebettet ist Susan‘s Besuch am Warener Gymnasium 2014. Bei der Uraufführung und Ausstellungseröffnung werden Susan Rhyne aus den USA und weitere Kinder der Familien aus Israel und Deutschland anwesend sein.

Susan Rhyne ist mit ihrem Mann bereits am Sonntag in Waren angekommen und von Dorothea Rother herzlich empfangen worden.

Der Zeitpunkt der Filmpräsentation ist auch so gewählt worden, weil die Schüler damit an die 70. Wiederkehr des Endes des 2. Weltkrieges erinnern wollen, eines Krieges, der am Ende allen im Projekt untersuchten Familien tiefe Verwundungen zugefügt hat.
„Die Projektpräsentation in Gegenwart der Kinder der ‚Kinder von damals‘ ist für uns auch ein starkes Zeichen für Frieden, Aussöhnung und unser unbedingtes Bekenntnis zu Toleranz und unserer historischen Verantwortung“, so Dorothea Rother.

Foto unten: Dorothea Rother begrüßt Susan Rhyne und ihren Mann am Warener Bahnhof.

Ro


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