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Lange Reden, viele Ehrungen und kleine Schüler als Hauptpersonen

10. Januar 2016

IMG_0611Die Stars des Warener Neujahrsempfangs waren gestern nicht die Politiker und ihre mehr oder weniger langatmigen Reden, sondern zweifelsohne die Mädchen und Jungen der Grundschule auf dem Papenberg, die Schwung in die Runde der etwa 150 Besucher brachten.
Sie präsentierten ein beeindruckendes Programm und holten sich sogar einige Politiker zum Tanzen auf die Bühne. Davon ziemlich überrascht, zeigten die Herren, dass sie mitunter nicht den richtigen Takt finden.

Die Reden von Warens Bürgermeister Norbert Möller und Stadtpräsident René Drühl (CDU) lassen sich so zusammenfassen: Friede, Freude, Eierkuchen, Waren ist schön, dicke Probleme blenden wir aus.
Zwar gab es auch ein paar kritische Worte, doch die richteten sich an andere. Norbert Möller schimpfte auf die regionale Zeitung und René Drühl auf die bösen Kommentatoren in sozialen Netzwerken.

Beide verloren beispielsweise kein Wort über die bedrohlichen rechten Tendenzen in Waren, obwohl sie zweifellos in den Jahresrückblick der Müritzstadt 2015 gehören. Denn mehr als einmal machte der Kurort über die Kreisgrenzen hinaus mit rechten Aufmärschen sowie Störungen Schlagzeilen. Unter anderem, als die Neonazis mitten in der Hochsaison durch die Altstadt marschierten und dem Urlauberort damit unwahrscheinlich schadeten.
Das haben sowohl Möller als auch Drühl ausgeblendet und reihen sich damit in die Nicht-Hören-, Nicht-Sehen-, Nicht-Sagen Politiker-Riege in Deutschland ein.

Dank an ehrenamtliche Helfer

IMG_0601Als große Herausforderung bezeichnete Norbert Möller in seinem Rückblick die Unterbringung von Asylbewerbern, da es in der Stadt bekanntlich an Wohnungen mangele. Mittlerweile seien Unterkünfte gefunden, viele ehrenamtliche Helfer unterstützen bei der Integration der Flüchtlinge. Insbesondere dankte Möller der Initiative „Müritz hilft“ und überreichte stellvertretend Blumen an die Sprecherin der ehrenamtlichen Vereinigung, Carola Paetz.

Zu den Highlights 2015 zählten, so der Verwaltungschef, die Eröffnung des „JOO!“ sowie der Um- und Ausbau des Stadthafens, der Waren auch weiterhin zu Recht den Namen als „Perle an der Müritz“ tragen lasse.

In diesem Jahr stehen die Sanierung des alten Bahnhofgebäudes durch private Investoren sowie der Bau des Hortzentrums und Jugendtreffs auf dem Papenberg in der Liste der wichtigsten Vorhaben ganz oben. Aber auch der geplante Aqua-Regia-Park auf dem Nesselberg soll Waren weiter nach vorne bringen.

Und jetzt zu den Auszeichnungen:

Nachdem zwei Jahre kein Sanierungspreis mehr vergeben wurde, ist er in diesem Jahr wieder verliehen worden, und zwar an André Simon, der 2010 das völlig zerfallene Katzenhaus in der Fischerstraße erworben und es trotz viele Hürden und Hindernisse zu einem Schmuckstück neu- und umgebaut hat.

Außerdem erhielt Jutta Granzow für die Sanierung des Hauses Papenbergstraße 53 eine Anerkennungsplakette. Das Haus ist in den vergangenen Jahren schrittweise modernisiert worden, 2015 erhielt die Fassade ein neues Gesicht.

Mit dem Kulturpreis sind die Lehrerin Dr. Dorothea Rother und ihre Schülergruppe vom Richard-Wossidlo-Gymnasium, die mehr als ein Jahr lang gemeinsam das Leben von Juden in Waren erforschten, geehrt worden. Die Jugendlichen und ihre Lehrerin interessierten sich vor allem für das Schicksal jüdischer Schüler am Gymnasium und stellten es anhand von verschiedenen Schicksalen in einer beeindruckenden Ausstellung dar.

Darüber hinaus setzten sie sich mit der Familie von Gerda Löwenberg in Verbindung, die den Holocaust überlebte, nach Amerika ging und dort ein Leben lang über die schlimme Kriegszeit schwieg. Angehörige von Gerda besuchten die Warener Schüler und erlebten im vergangenen Jahr auch die Uraufführung des Films „Gerdas Geheimnis“, in dem das Schicksal der Familie sehr eindrucksvoll dargestellt wird.

Viel Geld für laufende Müritzer

Der Wirtschaftspreis der Stadt Waren ging an ein Unternehmen, das seinen Sitz gar nicht an der Müritz hat, aber das sich seit vielen Jahren unwahrscheinlich für die Region engagiert: Ausgezeichnet wurde die ALD Auto Leasing D GmbH aus Hamburg, die seit nunmehr acht Jahren den „Run für Charity“ organisiert und damit sehr viel Geld für Kinder- und Jugendprojekte erlaufen lassen hat.
Der „Run für Charity“ ist mittlerweile die größte Laufveranstaltung an der Region, mehr als 1600 Frauen, Männer und Kinder gingen 2015 an den Start und erliefen eine Spendensumme in Höhe von 167 175 Euro. Seit dem ersten Lauf sind somit mehr als 900 000 Euro zusammengekommen.
Die Teilnehmer bestimmen das Spendenziel selbst, hauptsächlich kommt das Geld Sportvereinen, Kindereinrichtungen, Schulen und Sozialverbänden in der Müritz-Region zugute.
Darüber hinaus entstanden bereits drei Fitnessparcours, ein vierter auf dem Papenberg ist in Planung.

Der Umweltpreis ging an den Landwirt und Imker Norbert Jarchow. Er gilt als Vorreiter und Befürworter des abwechslungsreichen Anbaus und sichert so über das gewöhnliche Maß hinaus den Anbau von Zwischenfrüchten und Blühflächen. Das wiederum trage zum Erhalt der Honigbienen, Hummeln, Tagfalter sowie anderen Insekten bei.
Als Imker und Landwirt ist Norbert Jarchow über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und berät in Sachen Insektenschutz und Artenvielfalt.

Ausgezeichnet wurde heute zudem der langjährige Stadtführer Klaus Lambrecht, der mit seiner ehrenamtlichen Arbeit auch dafür sorgt, Waren weiter bekannt zu machen.

Für ihre aufopferungsvolle ehrenamtliche Arbeit würdigte die Stadt Waren zudem die Vorsitzende des Sozial- und Seniorenbeirates, Irmtraud Kampe, die sich seit vielen Jahren sehr aktiv um die Belange der älteren Warener kümmert. Außerdem ist sie ehrenamtlich in der Volkssolidarität tätig, Mitglied des Fördervereins Müritz-Nationalpark und engagiert sich in der Rheumaliga. Ein Leben also für das Ehrenamt.


3 Antworten zu “Lange Reden, viele Ehrungen und kleine Schüler als Hauptpersonen”

  1. Charly sagt:

    Die Auszeichnung der Schülerinnen und Schüler erfolgte sicher zu Recht und ist ein positives Zeichen. Eine heranwachsende Generation, die Freude macht und auf die Waren in Zukunft bauen kann……. Gratulation. Das steht im Vordergrund.

    Das die Warener „Oberhäupter“ bei ihren „Fessttagsreden“ die braunen Erscheinungen im Warener Stadtbild auslassen, ist bemerkenswert. Nur kein Schmutzfleck und keine Probleme in Waren. Ignoranz ist auch ein Mittel, den unangenehmen Erscheinungen in unserer Stadt aus dem Wege zu gehen. Ebenso bemerkenswert ist allerdings auch die „Presseschelte“ des „Stadtoberhauptes“. Kritik üben ist das Eine, Kritik ertragen das Andere. …. ein ziemlich schwacher Zug. Das Pressefreiheit ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Grundrechte ist, scheint noch immer nicht so richtig verinnerlicht. Und man darf gespannt sein, wohin das noch führt……. beängstigend!

  2. wolle sagt:

    Stolz auf das Joo?
    Symptomatisch für das Selbstverständnis der Stadtoberen. Getrieben vom Ultimatum der Privatfinanzierung wurde fix Haus gebaut. Im Verwaltungskomplex – gut fürs Image. Ein Konzept gibt es bis heute nicht. Dafür kostet es mit drei hauptamtlich beschäftigten Aufsichtspersonen und der Gebäudeunterhaltung satt Steuergeld. Es funktioniert bestens: Tägliches Remmidemmi, Abhängen in „Mehrzweckräumen“, extrem laute Hiphop-Musik, Spielekonsolen mit gewaltigen Flachbidschirmen, Ende. Dies wird zuweilen garniert mit immergleichen Angeboten, die, aus Steuergeld finanziert, Privaten Konkurrenz machen: Tonkneten, Billard, Falo, Kampfsport, Tanz. Fehlen noch Yogakurse. Geraucht wird vor der Tür. Reichlich. Zwar gab es ein rein ehrenamtliches, wöchentliches Angebot an Kinder, zu basteln. Offenbar, nicht aus dem Dunstkreis der Oberen stammend, unerwünscht. Mit der Begründung, keine Terminlage zu finden, ohne eine auch nur abstimmen zu wollen, wurde ihm vom Personal die Tür gewiesen.

    Weiter so, zu neuen Erfolgen.

  3. Müritzer Musketier sagt:

    Von den Herren Drühl und Möller, die seit ihren Amtsantritten der Stadt Waren mehr geschadet als genützt haben, hat wohl niemand etwas anderes erwartet als Sonntagsreden und gegenseitiges auf die Schulter klopfen. Ernst nimmt die Beiden schon lange niemand mehr, zum Neujahrsempfang geht nur, wer muss, weil es ja sonst Nachteile geben könnte.
    Die Warener sollten sich endlich auf die Hinterbeine stellen und dafür sorgen, daß dieses elende Geklüngel endlich ein Ende hat. Es ist nur noch unerträglich.

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