Trotz Krise: Mecklenburger Backstuben investieren weiter

28. September 2022

Fast eine Million Euro mehr Energiekosten, Rohstoffe, deren Preise sich mindestens verdoppelt haben und fehlende Arbeitskräfte: Die Mecklenburger Backstuben GmbH in Waren muss sich – wie derzeit viele Firmen – in schwerer See behaupten. Dennoch investiert das Familienunternehmen mit seinen fast 500 Mitarbeitern weiter. So ist vor kurzem eine neue Verpackungsanlage installiert worden, die zum einen effektiver arbeitet, zum anderen die Mitarbeiter enorm entlastet und darüber hinaus auch nachhaltiger ist. Wie diese Maschine funktioniert konnten sich gestern Landrat Heiko Kärger und Bürgermeister Norbert Möller anschauen. Aber nicht nur das: Die beiden Politiker mussten auch selbst mit anpacken. Darüber hinaus informierten sie sich über die aktuelle Situation im Unternehmen und versprachen an der einen oder anderen Stelle sogar Unterstützung. Vor allem, was das Thema Arbeitskräftemangel angeht.

Hilfe bei der Einstellung von Ukrainern

„Wir haben keinen Wettbewerbe mehr, es ist ein Hürdenlauf im Dunkeln“, beschreibt Senior-Geschäftsführer Günther Neumann den derzeitigen Geschäfts-Alltag. Schon die Corona-Pandemie habe für tiefe Einschnitte gesorgt, denn das Filial-Geschäft mache rund 50 Prozent des Backstuben-Umsatzes auf. Glücklicherweise gebe es aber noch andere Standbeine. So beliefert das Warener Traditionsunternehmen fast alle großen Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern, darüber hinaus gebe es die Produkte des Hauses bei Penny und Netto, und auch das Geschäft mit der Tiefkühlware laufe sehr gut. Die liefere man nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern weit darüber hinaus. Die Auftragslage sei gut, was fehle, seien Arbeitskräfte – in der Produktion genauso wie im Verkauf. Und so forderte Günther Neumann Landrat und Bürgermeister auf, die Bedingungen für das Einstellen beispielsweise ukrainischer Flüchtlinge zu erleichtern. „Wenn der Bürgermeister für die Unterbringung in Waren sorgt, kümmere ich mich um alles weitere“, versprach Heiko Kärger. Doch viel Hoffnung konnte Norbert Möller nicht machen. Die Wohnungssituation in Waren sei schwierig, eine Entspannung derzeit nicht in Sicht.

Den Personalmangel hat Landrat Kärger sogar schon selbst zu spüren bekommen: Er wollte in einer Filiale der Backstuben herzhaft frühstücken, musste sich aber mit einem belegten Brötchen begnügen. Denn weil Mitarbeiter fehlten, konnte zeitweise nicht mehr in jeder Filiale alles angeboten werden. Sogar Schließzeiten musste es nach Auskunft von Christina Kohn geben. „Wir müssen auch darauf achten, dass unsere Mitarbeiter nicht kaputt gespielt werden. Deshalb mussten wir hier und da die Notbremse ziehen.“

17 500 Brötchen in einer Stunde

Die neue Brötchenverpackungsmaschine, die gestern eingeweiht wurde, ersetzt ein älteres Modell, das den heutigen Anforderungen nicht mehr entsprochen hat. „Wir sind mit dieser Anlage 50 Prozent schneller, verbrauchen deutlich weniger Verpackungsmaterial, weil beispielsweise die Beutellänge individuell einstellbar ist, und entlasten zudem unsere Mitarbeiter, unter anderem durch den so genannten Kartonaufrichter, der die körperliche Arbeit unserer Beschäftigten erleichtert. Auch der Energieverbrauch ist geringer“, berichtet Piet Lottermoser als Produktionsleiter der Mecklenburger Backstuben GmbH (Foto rechts).

Die neue Anlage verpackt 17 500 Brötchen in der Stunde für den Tiefkühlbereich und hat rund eine halbe Million Euro gekostet. „Die Anlage ist sehr zuverlässig, störungsfrei, Ausfälle gibt es keine“, so der Produktionsleiter. Inzwischen bilden die Mecklenburger Backstuben auch Maschinen- und Anlagenführer aus.

Nichtstestotrotz ist die klassische Handarbeit des Bäckers nach wie vor ein großer Bestandteil in der Produktion des Traditionsunternehmens. „Wir sind mit unseren rund 500 Mitarbeitern zwar kein kleiner Betrieb, dennoch setzen wir bei der Herstellung unserer Brote, Brötchen, Kuchen und Torten weitgehend auf Handarbeit. Das zahlt sich aus, denn unsere Kunden wissen das sehr zu schätzen“, erklärte Dr. Christina Kohn als eine der Geschäftsführerin.

Weitere Investitionen in Sicht

Und sie verspricht: „Das wirtschaftliche Umfeld ist in den vergangenen Monaten zwar deutlich schwieriger geworden, doch wir setzen alles daran, um unser Familienunternehmen zu sichern und fit für die Zukunft zu machen. Dazu zählen neben weiteren Energiesparmaßnahmen auch weitere Verbesserungen für unsere Mitarbeiter – sowohl in der Produktion als auch in der Verwaltung und in unseren Filialen.“ Ein neuer Spiralfroster für etwa eine Million Euro sei bereits bestellt – bei einem einheimischen Unternehmen. Auch neue Filialen sind in Sicht, und die Zusammenarbeit mit regionalen Erzeugern soll weiter ausgebaut werden. Schon heute kommen beispielsweise Erdbeeren, Äpfel und Pflaumen aus der Umgebung, für den Marienroggen bestellt die Mecklenburger Backstuben GmbH sogar ein eigenes Feld.

Und solange Personal noch Mangelware ist, könnten ja Heiko Kärger und Norbert Möller in der Backstube aushelfen. Ihr erster Einsatz war nach Einschätzung von Seniorchef Günther Neumann jedenfalls „gar nicht so übel.“


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