
„Nicht von einer Tat allein, sollte man einen Menschen beurteilen“, lautet eine Maxime des Franziskanerbruders. Und wie spontan und ideenreich der Preisträger sein kann, spürte der Verein: Bruder Gabriel hatte sich gewünscht, dass die Auszeichnung trotz hoher Sicherheitskriterien dort stattfindet, wo er arbeitet. So mussten auch seine zwei Schwestern, die aus Rüdersdorf bei Berlin angereist waren, einmal hinter Gittern Platz nehmen – im Speisesaal.
Der katholische Geistliche ist 54 Jahre alt und stammt aus Rüdersdorf. Dort lernte er erst den Beruf des Werkstoffprüfers, arbeitete im Zementwerk, bis er 22 Jahre alt war. Dann begann Bruder Gabriels langer Weg, bei dem er erst das Abitur nachholte, dann studierte und schließlich zum Ordensbruder und Theologen wurde.

Das beschränkt sich bei Bruder Gabriel nicht auf Andachten, die aber wie das fast tägliche Glockenläuten der Rahmen sind. Er organisiert Konzerte, Begegnungen, ist Ansprechpartner für Gefangene und Mitarbeiter und nimmt auch schon Mal Häftlinge, die sich im sogenannten offenen Vollzug auf ihre Entlassung vorbereiten, auf Wallfahrten und Pilgerreisen mit – und auch mal zu einem Spiel des FC Hansa Rostock.
Die Gemeinschaft der Franziskaner sei wichtig für ihn, erklärte der Geehrte. Er wolle den Menschen helfen und das Evangelium, also die frohe Botschaft, verkünden. Etwa 15 bis 20 Häftlinge kommen zu seinen Andachten. „Zuwendung kann nicht die Strafe ersetzen“, sagte Innenminister Lorenz Caffier bei der Laudatio. Doch das Motto des Geehrten laute: Jeder Mensch soll auch wie ein Mensch behandelt werden. Und dabei habe Bruder Gabriel auch immer einen Witz auf den Lippen, der ihm manche Türen öffne.
Der Preis ist mit rund 10 000 Euro dotiert, die Bruder Gabriel zum Teil einer Suppenküche spenden will. Im Neustrelitzer Jugendgefängnis gibt es mehr als 290 Plätze, von denen derzeit etwa 112 mit Straftätern zwischen 14 und 26 Jahren belegt sind. Durch den Rückgang soll ein Hafthaus frei werden, in das ab 2019 auch junge Erwachsene, die älter als 26 Jahre sind, separat ihre Haft verbüßen sollen. Das Neubrandenburger Gefängnis soll Ende 2018 geschlossen werden.








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