Deutlich höhere Kosten für Warener Kleingärtner – Unternehmen zahlen aber weiter Mini-Pachten

19. Juni 2024

„Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, eine Schande für die Stadt Waren, ein Skandal.“ Dieser Satz fällt immer wieder im Gespräch mit Warenern, die von der Stadt einen Garten gepachtet haben und jetzt richtig kräftig zur Kasse gebeten werden sollen. Grundlage ist eine neue Richtlinie – vor einem Jahr von den Stadtvertretern einstimmig beschlossen. Die jährlichen Pachten steigen demnach teilweise um ein Vielfaches. Zudem sollen die Gartenpächter die Kosten, die jetzt durch Notar und Neuvermessung entstehen, tragen. Aber nicht nur diese enorme Steigerung der Pachten empfinden die Betroffenen – zumeist ältere Menschen – als ungerecht, sondern auch die Tatsache, dass Unternehmen, die mit ihren gepachteten Flächen Geld verdienen, teilweise weniger an die Stadt zahlen als sie für ihre Erholungsgärten. Unter anderem der Kletterwald für das Areal Kamerun und die Müritz-Saga für die Freilichtbühne.

Wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage mitteilt, hat sie derzeit 24 Gärten mit Wasserzugang am Tiefwarensee und am Melzer See. Außerdem 162 Gärten ohne Wasserzugang, 215 Uferstreifen sowie 92 Vor- und Hintergärten. Alle Pächter, so die Auskunft, sind von der neuen Richtlinie betroffen. Dabei wurden die Gärten in unterschiedliche Kategorien eingeteilt.

Mussten die Pächter von Wassergärten bislang im Schnitt 90 Cent je Quadratmeter Fläche im Jahr überweisen, sind es jetzt 2,50 Euro pro Quadratmeter. Der Preis richtet sich nach dem aktuellen Bodenrichtwert, der bei 100 Euro liegt und beträgt 2,5 Prozent davon. Bei 800 Quadratmetern Grundstück sind nun also 2000 Euro im Jahr fällig.

Werden Einheimische verdrängt?

Bei Gärten ohne Wasserzugang ist der Sprung in der Kategorie A noch größer. Hier steigt die Pacht von durchschnittlich 68 Cent je Quadratmeter auf 2,59 Euro je Quadratmeter, liegt also sogar höher als bei Wassergrundstücken. In der Kategorie B sollen’s nach der neuen Richtlinie 2 Euro je Quadratmeter sein und in der Kategorie C ein Euro.
Neu: Die Gärten werden nicht mehr verpachtet. Stattdessen erhalten die Nutzer ein Erbbaurecht mit einer Laufzeit von 30 Jahren, bei kompletten Neuvergaben von 50 Jahren. Eine Sicherheit für die Nutzer, die vielleicht investieren möchten. Die Gärten können in der Zeit auch vererbt oder veräußert werden.

Gibt ein Pächter seinen Garten zurück, wie unlängst geschehen, schreibt die Stadt das Erbbaurecht für 50 Jahre zum Höchstgebot aus. Für die Stadt durchaus lohnend, wie das Beispiel eines jetzt vergebenen Gartens am Tiefwarensee zeigt. Der langjährige Pächter hat das Grundstück mit einer Größe von 580 Quadratmetern zurückgegeben. Die Stadt setzte den Grundstückswert auf 58 000 Euro fest und wollte als Mindestgebot 2,5 Prozent davon, also 1450 Euro Pacht im Jahr.
Eingegangen sind nach Informationen von „Wir sind Müritzer“ acht Gebote – zwei Bewerber haben das selbe Angebot abgegeben, also musste das Los entscheiden. Letztendlich zahlt der neue Pächter jetzt stolze 3000 Euro im Jahr an die Stadt und damit rund 2500 Euro mehr als die Vorgänger. Macht bei 50 Jahren, wenn das Erbbaurrecht ausläuft, 150 000 Euro für die Stadt, die dann aber weiterhin im Besitz des Areals ist.

Der „glückliche Bieter“ kommt nach WsM-Informationen übrigens nicht aus Waren. „So wird es jetzt überall laufen, die Einheimischen werden aus ihren kleinen Paradiesen verdrängt und die Geldleute von sonstwo her machen es sich in den Jahrzehnte lang liebevoll gepflegten Gärten gemütlich“, so die verärgerten Pächter, die über die Neuregelungen unlängst von der Stadt in einem Schreiben informiert wurden.

Freilichtbühne und Kletterwald für’n Appel und ’n Ei

Unabhängig davon, dass sich einige der heutigen Pächter, die zum Teil von kleinen Renten leben, den neuen Erbbauzins gar nicht mehr leisten können, verstehen sie diese Richtlinie auch aus einem anderen Grund nicht: Unternehmen, die mit städtischen Flächen Geld verdienen, zahlen seit mehr als 15 Jahren eine Mini-Pacht, die jetzt sogar niedriger ist als das, was die Rentner, die sich in ihrem Garten erholen möchten. „blechen“  müssen.
Beispiel Müritz-Saga: Die jährliche Pacht für die 3500 Quadratmeter große Freilichtbühne, die mehr als 1000 Besuchern Platz bietet und auch für andere Veranstaltungen vermietet wird, beträgt nach Auskunft der Stadt lediglich 1920 Euro – im Jahr.
Noch krasser: Die Betreiber des Kletterwaldes in Kamerun zahlen für gut 14 000 Quadratmeter lächerliche 1500 Euro Pacht im Jahr an die Stadt. Also die Hälfte der Summe, die der neue Garten-Nutzer am Tiefwarensee für 580 Quadratmeter abdrücken muss. 

Auf die Warener Gartenpächter kommen mit der Änderung aber weitere Ausgaben zu: Sie sollen die Notar-Rechnungen und die Kosten für Vermessungen übernehmen. „Wir haben unsere Gärten hier seit Jahrzehnten, jetzt mit mal müssen sie neu vermessen werden. Wer hat sich das ausgedacht?“, fragen die Betroffenen. „Ausgedacht“ haben sich das – wie die gesamte neue Richtlinie – die Mitglieder einer zeitweiligen Arbeitsgruppe. Denn in der Richtlinie ist auch festgelegt, dass die Kosten von den Nutzern zu tragen sind. „Es ist geplant, die Vermessung von allen betroffenen Gärten als eine Leistung auszuschreiben. Das Ergebnis liegt noch nicht vor. Die Hoffnung bei einer gesammelten Ausschreibung ist, dass die Preise niedriger sind als die üblichen Vermessungskosten“, heißt es aus der Stadt.

Transparenz-Hinweis: Die Autorin dieses Beitrages hat bei der Ausschreibung des Gartens am Tiefwarensee auch ein Gebot abgegeben.


25 Antworten zu “Deutlich höhere Kosten für Warener Kleingärtner – Unternehmen zahlen aber weiter Mini-Pachten”

  1. Beate sagt:

    Ich bin sehr entsetzt. Hier werden einheimische Kleingärtner vertrieben, viele Einheimische können sich die Gärten nicht mehr leisten. Und so was haben unsere Stadtvertreter beschlossen? Warum beschließen sie nicht, daß die Leute von der Saga und vom Kletterwald endlich mehr, viel mehr an die Stadt zahlen? Unser Verein wollte mal die Freilichtbühne mieten wir sollten mehr als 1000 Euro zahlen. Meine Freundin wollte in der Kulturschänke feiern. Die Miete die die verlangen war aber zu hoch. Und dann zahlen sie nicht mal 2000 Euro im Jahr an die Stadt? Das kann doch alles nicht sein. Ein Herr Drühl der selbst Stadtvertreter ist lacht sich doch bei dem Preis für den ganzen Kletterwald ins Fäustchen. Das ist alles unerhört! Ich bedanke mich hier ausdrücklich bei Wir sind Müritzer! Ihr seid die einzigen die viele Dinge aufdecken. Das ist mutig und wichtig!

  2. Micha sagt:

    Warum wird hier mit zweierlei Maß gemessen ? Die einen füllen sich die Taschen zu günstigen Pachtvertägen und die anderen sollen wieder zur Kasse gebeten werden . Das sollte umgehend geändert werden ,denn Gärten dürfen ja auch nicht vermietet werden um die Kasse aufzubessern . Sonst ,könnte man den Garten ja gleich kaufen bei den Preisen. Und kauf nach Bodenrichtwert würde dann glaube ich etwas günstiger werden . Die Kommunen brauchen eben Geld.

  3. Ingolf Gebauer sagt:

    Das ist ja wieder typisch für die Stadt, sie bekommen keine Schule saniert oder neu gebaut aber dem kleinen Gärtner das Geld aus den Taschen ziehen. Es wird so kommen wie an der Ostsee das die einheimischen vertrieben werden und die Berliner alles aufkaufen. Zum kotzen

  4. Berger sagt:

    Wer sind denn die Stadtvertreter? Es sind doch überwiegend Selbstständige , die nur an ihre Firma denken .

  5. Sieglinde Herzog sagt:

    Ich kann mich nur anschließen. Auch in Baden-Württemberg geht es uns so. Wir bezahlten 50.Euro und jetzt bezahlen wir 300.Euro weil das Geld auf der einen Seite zum Fenster rausgeschmissen wird ,der kleine Mann bezahlt es ja .

  6. Kati sagt:

    Betrifft die Erhöhung der Pacht alle Kleingartenvereine in Waren?

  7. sagt:

    Also, wenn diese Leute die die Bürger vertreten sollen solche Dinge beschließen sollte man sie zum Teufel jagen.

  8. PETER sagt:

    Die Bürger hatten die Möglichkeit die Stadtverträter zum Teufel zu jagen.
    Sie haben sich abermals für das Gegenteil entschieden.
    Gott sei Dank nicht alle.

  9. S.O sagt:

    Ich glaube selbst der Teufel mag diese Leute nicht.

  10. Klaus Dettmann sagt:

    Bin 2006 nach warengezogen.war begeistert von Ordnung und Sauberkeit da war auch ein Bürgermeister der zwar der selben Partei angehört hat wie der Heutege .Aber er ear kein Schulmeister wie Möller.wet den ein zweites Mal gewählt hat brauch sich auch nicht zu beschweren. Bestes Beispiel ist derAnleger Ecktannen. Jetzt ist ein Baum draufgefallen besseres Alibi für die faule Verwaltung kann es nicht sein.Also ist keiner Schuld .

  11. Bürger sagt:

    Möller abwählen…der soll mal zu Hause schlafen

  12. ABC sagt:

    Wenn die so weitermachen, wird wohl demnächst etwas gewählt, wogegen die AfD wie ein hellblauer Kindergarten wirkt. Denn wer lange und beharrlich den Wind sät – wird auch irgendwann etwas ernten. Zumindest steht das zu befürchten.
    Mit den Garagen in Waren (Einigungsvertrag) ist es doch genauso. Die enteignen einfach und verpachten mir meine eigene Garage. Die Hälfte meiner Familie ist schon 1945 in Schlesien (umfangreich) enteignet worden und jetzt wieder so eine Sauerei. Für ein Land wie die Bundesrepublik ist das mit den Garagen doch eine Kleinigkeit, aber nein, sie können sich nicht erweichen lassen. Siehe auch die Kleingärten, die zum Einbau eines Miniklärwerkes gezwungen wurden, während 500 Meter weiter der Landwirt mit dem Güllewagen übers Feld fährt, dass es stinkt wie im 7. Kreis der Hölle. Dann neulich das Theater mit den Urnengräbern auf dem Friedhof in Waren. Es sind diese bürgerunfreundlichen Entscheidungen, die das Fass irgendwann zum Überlaufen bringen. Die allgemeine Drangsalierung hat so zugenommen, dass man automatisch an die letzten Jahre der DDR erinnert wird.
    Und ganz oben werfen sie die Milliarden mit vollen Händen raus für einen Krieg, den keiner gewinnen kann. „Toll“.

  13. Maggi sagt:

    Ich bin entsetzt. Bin selber Gartenbesitzer in einem Kleingartenverein und freue mich immer wieder, wenn ich da sein kann. Es ist ein Rückzugsgebiet für uns Rentner und nicht nur für sie. Es ist Erholung und Beschäftigung zu gleich. Warum macht man uns das kaputt. Da schreibt jemand, dass erinnert an die DDR, aber ehrlich, so eine Gemeinheit hätten selbst die sich nicht ausgedacht. So ist es, die Zahlungkräftigen aus den Großstädten nehmen diese Gartengrundstücke, die mit viel Herzblut über viele Jahre beackert und gepflegt wurden mit Kusshand. Warum? Weil die es nicht mehr dort aushalten wegen der kaotischen Zustände. Viele Warener können und wollen das nicht bezahlen. Es ist einfach eine Schande wie man mit uns umgeht und für was oder für wen soll das eingenommen Geld genutzt werden? Die sowas beschließen kann man nicht wählen.

  14. Suse sagt:

    Pfui Warener Stadtvertreter. Schämt euch was.
    Mich würde mal interessieren ob jetzt die Rausekelphase beginnt, um den sogenannten Reichen und Schönen diese Gärten zuzuschieben??? Es hat ja alles seinen Grund oder?
    Meinungsfreiheit steht mir auch zu, falls sich jemand aufregen sollte.

  15. Maggi sagt:

    Auch wenn es die Gartenvereine nicht betrifft, finde ich das unmöglich, ungerecht und gemein für alle, die es betrifft.

  16. toberg sagt:

    Das mit der Erbbaupacht ist aktuell in ganz Deutschland ein Thema, auch für Bauherren für Eigenheime auf Ebbaupacht. Der Pachtzins (hier lt. Artikel 2,5%) berechnet sich nach dem aktuellen Grundstückswert. Der war vor vielleicht 30 Jahren ein anderer. Im Zuge der aktuellen neu zu ermittelnden Grundsteuer der Finanzämer kommen auch aktuelle Grundstückswerte und damit Grundsteuern in die Rechnung, die die Grundstückseigentümer tragen müssen. Der neue Grundstückswsert ist mit der Feststellung zur neuen Grundsteuer ermittelt. Kommunen sind angehalten, den Pachtzins entsprechend dem aktuellen Zinsniveau anzupassen. Das ist derzeit mit dem höheren EU-Leitzins so. Theoretisch also alles ein ganz normaler Vorgang.
    ABER! Die Kommune muss den aktuellen Durschnittszins nicht nehmen. Sie kann auch sagen… OK, wir nehmen derzeit nur 1,5% Pachtzins für Naherholungsgebiete, das Kleingartenflächen laut Flächennutzungsplan ja sind. Es gibt in der Kommunalverfassung des Landes keine Vorschrift, den höchst möglichen Zins zu nehmen. Nur die Anregung, die Einnahmenseite der Kommune möglichst günstig zu gestalten – mal so vorsichtig ausgedrückt.
    Was Gewerbeflächen wie die Freilichtbühne anbetrifft, ist dies keine Erbbaupacht mit Pachtzins, sondern eine normale Pacht. Hier wird ein fester Pachtpreis je qm ausgemacht und nicht ein Pachtzins für das gesamte Grundstück. Das ist schon was anderes. Normale Pacht hat aber eben nicht solch lange Laufzeiten wie z.B. Erbbaupacht. Dass langfristige Pachten wie Ebbaupacht auf Pachtzins derzeit so teuer ist, liegt eben an den neu erhobenen Grundstückswerten und dem gestiegenen EU-Leitzins.

  17. toberg sagt:

    Nachtrag zu meinem vorherigem Kommentar:
    Zitat Atikel hier: „Zudem sollen die Gartenpächter die Kosten, die jetzt durch Notar und Neuvermessung entstehen, tragen.“
    Das geht gar nicht. Der Verpächter bzw. auch Verkäufer ist für die Eigenschaft seiner vertraglich angebotenen Ware (hier Grundstück) zuständig und trägt die Kosten der Vermessung. Bei einem Grundstückskauf kann nach vertraglich vereinbart auch der Käufer die Vermessung tragen. Aber hier geht es um Pacht. Der Eigentümer des Grundstücks ist die Stadt Waren. Die müsste schon rein kommunalrechtlich vor Jahren ihre Grundstücke akkurat vermessen lassen haben zur Wertermittlung. Schon seit der Einführung der kommunale Kameralistik vor paar Jahren mit der Trennung zwischen reinen Kommunalaufgaben mit Gebührenordnung und Geschäftstätigkeiten durch Vermietung und Verpachtung oder Eigenbetriebe. Das bezieht auch die Wertermittlung der kommunalen Grundstücke und Immobilien ein.

  18. ILONA sagt:

    nur so kann man einfache Leute Aus den Gärten ekeln. warum sollte Waren an die denken, die wenig Geld haben oder gar an Rentner, wovon immer mehr, immer schlechter zurecht kommen. es ist auch eine Selbstversorgung und oft das einzige Hobby genau wie bei den Garagen. Aber es passt ins Bild, das die Stadt Waren vermittelt. Für „wichtige“Leute immer mehr möglich, für die Normalbürger nichts übrig. so war es vor der Wende und so ist es jetzt wieder und dazu noch ein schulternzuckender Bürgermeister…

  19. Rainer Espig sagt:

    Sehr geehrte Mitbürger, ich bin einer der nach der Wahl davon gejagt wurde, einer der sich seid über 30 Jahren für die Garagen einsetzt und über 20 Jahre für die Gärten. Mit dem Ergebnis leben wir jetzt halt, wer soll sich noch für diese Gruppen einsetzen?

    • Ihr Engagement in Allen Ehren, Herr Espig, und das kann Ihnen wirklich niemand absprechen. Aber die neue Richtlinie, die für die enorme Erhöhung der Kosten für von der Stadt verpachtete Gärten verantwortlich ist, wurde vor einem Jahr einstimmig beschlossen. Wenn Sie bei besagter Sitzung also nicht gerade abwesend waren müssen Sie wohl auch zugestimmt haben.

  20. Rainer Espig sagt:

    Sehr geehrte Frau Rußbüldt-Gest, leider unterlag ich dem Mitwirkungsverbot, da ich als Vereinsvorsitzender direkt betroffen bin.
    Ich hatte zu den Preisen auch schon ein Gespräch mit dem Bürgermeister geführt, es ging da insbesondere um den Verein neben dem Kletterwald. Raten Sie mal was ich bis jetzt aus der Verwaltung dazu gehört habe, null Komma nix, wie üblich halt.

  21. ABC sagt:

    Wenn Herr Espig nicht gewesen wäre, dann wäre über die Jahre vieles sehr viel schlimmer für die Leute gekommen. Ich wäre erfreut, seinen Namen wieder auf einem Stimmzettel lesen zu können.