Fünfeichen: Gedenken an Schicksal vieler Menschen

25. September 2023

Rund 400 Menschen, darunter Schüler aus der Mecklenburgischen Seenplatte, haben am Wochenende in Fünfeichen bei Neubrandenburg an die schlimmen Schicksale tausender Menschen erinnert, die im Zweiten Weltkrieg und auch danach dort eingesperrt waren. Sie waren alle Opfer von Diktaturen, wie der ehemalige Pastor und frühere Bundespräsident Joachim Gauck, der als Festredner auftrat, erklärte. Und vor allem den Wehrmachtsgefangenen von 1939 bis 1945 aus der Sowjetunion und den tausenden Deutschen, die nach 1945 dort eingesperrt waren, wurde das gleiche Schicksal zuteil. Ihre Geschichten wurden über Jahrzehnte vergessen – in beiden Teilen Deutschlands übrigens, wie Gauck betonte.

Besonders eindrucksvoll erinnerten am Samstag junge Gymnasiasten daran. Sie verlasen die Erinnerungen von einstigen Häftlingen. Dazu gehörten Soldaten aus Polen, Russland, aber auch aus Frankreich und den USA, die berichteten, wie sie tagelang in Viehwaggons  nach Neubrandenburg gefahren wurden, wie sie hungerten und zur Zwangsarbeit ausgewählt wurden. Auch wie sie sahen, dass neben ihnen Kameraden erfroren, der Cholera oder anderen Krankheiten zum Opfer fielen oder verhungerten, „Manche hatten sogar noch ein Stück Brot in der Hand, das sie nicht mal mehr essen konnten“, berichtete ein gefangener US-Soldat. Er kam mit  80 Kilogramm Gewicht ins Lager, am Ende wog er noch 35 Kilogramm.

Daran erinnerte auch Gauck. Denn die Sowjetsoldaten galten bei den Deutschen – wie von der Propaganda instruiert – als „Untermenschen“, deren Leben als weniger wertvoll galt. Entsprechend grausam wurde sie behandelt. Von 5,3 Millionen Rotarmisten, die aus ganz verschiedenen Völkern der SU stammten, starb die Hälfte in deutscher Kriegsgefangenschaft. Eine unrühmlich hohe Quote. Bei den Gefangenen aus den Reihen der westlichen Armeen kamen drei Prozent bei den Deutschen ums Leben.

Danach wurden am Samstag Briefe von meist jungen Deutschen verlesen, die am Kriegsende von 16 bis 19 Jahren alt waren, nach 1945 dann meist willkürlich verhaftet und ins NKWD-Lager gesteckt worden waren – wie auch die sogenannte Werwolf-Gruppe aus Malchow. Mit ihnen wurden damals ehemalige Funktionsträger und Polizisten aus der NS-Zeit inhaftiert. Ziel war aber nicht die Entnazifizierung, wie sie im Westen ablief, sondern pure Bestrafung eben im Stil der stalinistischen Arbeitslager – ohne rechtsstaatliche Prozesse. Nach 1990, als die Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen sich um die Schicksale der 15 000 Menschen zu kümmern begann, wurden viele rehabilitiert. Ein Drittel überlebte die Zeit aber nicht. Das ist für Fünfeichen nun 75 Jahre her – die letzten Überlebenden sind deutlich älter als 90 Jahre.

Dass jemand wie der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck einmal zu diesen beiden Opfergruppen nach Fünfeichen kommt, wurde von allen Anwesenden gewürdigt. Denn Gauck hat auch eigene Erfahrungen dazu gesammelt: Als Pastor aus Rostock weiß er, dass viele Betroffene in der DDR darüber schweigen mussten, was sie in Fünfeichen oder Stalins Lager in Sibirien erlebt hatten. Und Gaucks Vater war 1951 ebenfalls noch nach Sibirien verschleppt worden und von dort zurückgekommen.


Eine Antwort zu “Fünfeichen: Gedenken an Schicksal vieler Menschen”

  1. egma sagt:

    an den Autor von“FÜNF EICHEN….“
    Im obigen Beitrag, im zweitletzten Absatz ist auch folgendes zu lesen:
    „“Ziel war aber nicht die Entnazifizierung, wie sie im Westen ablief, sondern pure Bestrafung eben im Stil der stalinistischen Arbeitslager – ohne rechtsstaatliche Prozesse.““
    Der Autor dieses obigen Beitrags sollte sich mal die westdeutsche sogenannte „Entnazifizierung“ an Hand der Geschichte des BND (Bundesnachrichtendienstes) zu Gemüte führen!!! Zu finden, aber nur, wenn man es denn auch wirklich will, auf You Tube!
    Nein, der Beitrag ist nicht von der Stasi oder gar von der AFD gesponsert. Selbst Putin hatte mal ausnahmsweise keine Zeit für so einen sehr interessanten Bericht mit sehr vielen Fakten und Hintergründen! Selbst die sogenannten „Regelbasierten“ (die aus vom Völkerrecht „kommen“), haben dort mal Ausnahmsweise ihre Finger NOCH nicht im Spiel.
    Was den juristischen Apparat in Westdeutschland angeht, dort ging es nicht viel anders zu.
    Nur hatten die das Pech, das der Herr Freisler zum „Wiederaufbau“ leider nicht mehr zur Verfügung stand. Aber es gab ja eine ganze Menge von Juristen und ihren Handlangern aus dem 3. Reich, die auf einmal auf wundersamer Weise Entnazifiziert (sie hatten auch damals schon riesige Gedächnislücken…) und wieder in Amt und Würden gehievt wurden. Auch darüber läßt sich auf You Tube so einiges finden- aber wie schon „gesagt“, wenn man denn will!

    egma