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Hohe Transfusionsrate in Mecklenburg-Vorpommern

22. Februar 2020

In Mecklenburg-Vorpommern erhalten knapp acht Prozent der Patienten bei einer Operation eine Blut­transfusion. In keinem anderen Bundesland ist die Transfusionsrate so hoch wie im Nordosten. Das ist ein Ergebnis des aktuellen Barmer Kranken­hausreports. „Bluttransfusionen retten Leben, jedoch wird die Ressource Blut knapp“, sagt Henning Kutzbach, Landesgeschäftsführer der Barmer. Da es in Mecklenburg-Vorpommern immer weni­ger junge Men­schen gibt, gibt es auch weniger potenzielle Blutspender. Auf der anderen Seite steigt der Blutbedarf aufgrund der älter werdenden Gesell­schaft weiter an. „Es ist ein Missverhältnis zwischen Blutangebot und Blutbe­darf ent­stan­den“, so Kutzbach. Er plädiert daher für einen bewussten und ressour­cen­schonenden Umgang mit Eigen- und Fremdblut. Das ist die Grundidee des so­ge­nannten Patient Blood Managements (PBM).

Ziel dieses Behandlungskonzeptes ist es, Blutver­luste und Bluttransfusionen bei Operationen zu reduzieren. Das kann durch die Anwen­dung blutsparen­der Operationstechniken, durch einen restriktiven Umgang mit Blutkonserven sowie der Diagnose und Behandlung einer Blutarmut (Anämie) vor einem geplanten Eingriff gelingen.

Im Vordergrund stehen dabei das Wohl und die Si­cherheit des Patienten. „Blutkonserven können Leben retten. Es darf nicht vergessen werden, dass eine Transfu­sion bei all ihren Vorteilen im­mer mit Risiken für den Empfänger verbunden ist“, so der Bamrer-Landeschef. Im ak­tuellen Barmer Krankenhausreport konnte gezeigt werden, dass in Häu­sern nach Einführung von PBM die Transfusionsraten bei gleichbleibenden Behandlungsergebnissen und Fall­kosten gesunken sind. „Dieses Ergebnis spricht dafür, dass PBM-Maßnahmen in allen Krankenhäusern des Landes umgesetzt werden soll­ten“, fordert Henning Kutzbach.

Hilfe für Menschen mit Blutarmut

Patient Blood Management kann vor allem Menschen mit Blutarmut helfen. Anämien sind ein (relativ häufig auftretender) Risikofaktor bei Operationen. In Mecklenburg-Vorpommern ist bei mehr als 35.000 Menschen eine Eisen­mangelanämie ärztlich dokumentiert. Die tatsächliche Betroffenenzahl dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Wie der Krankenhausreport auf­zeigt, wirkt sich eine im Vorfeld einer planbaren Operation erkannte und be­handelte (Eisenmangel-)Anämie positiv aus: Die Folge sind bessere Be­handlungsergebnisse, kürzere Krankenhausaufenthalte, eine niedrigere Sterblichkeitsrate, gerin­gere Kosten und ein geringerer Verbrauch an Blut­konserven. „Wenn möglich, sollten Anämien präoperativ behandelt werden, um Transfusionen zu vermeiden und mehr Patientensicherheit zu gewähr­leisten“, schlussfolgert Henning Kutz­bach aus den Ergebnissen.

PBM-Maßnahmen an den Helios Kliniken Schwerin

An den Helios Kliniken Schwerin werden blutsparende Maßnahmen bereits seit einigen Jahren erfolgreich umgesetzt. Prof. Dr. Jochen Renner, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, erklärt: „Vor den geplanten Operationen wird frühzeitig, meist zwei Wochen vorher, eine Blutanalyse durchgeführt. Dabei überprüfen wir unter anderem, ob eine Blutarmut vorliegt und welche Ursa­chen dafür in Frage kommen.“ Etwa 80 Prozent aller Anämien beruhen laut Prof. Renner auf einem Eisenmangel und sind gut zu behandeln. „Insbeson­dere mit der intravenösen Eisentherapie kann die Blutbildung angeregt und die Blutarmut somit vor der geplanten Operation gezielt reguliert werden“, so der Mediziner.

„Der rationale Einsatz von Blutkonserven steht beim Patient Blood Manage­ment an erster Stelle. Nicht nur, weil das Blutangebot sinkt, sondern weil durch mehr Bluttransfusionen auch das Risiko für Folge­erkrankungen wie Nierenversagen oder Lungenentzündungen steigt“, ergänzt Prof. Dr. Jörg Peter Ritz aus der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Besonders bei seltenen Krankheiten und schwerstkranken Krebspatienten, die Helios Schwerin als Maximalversorger vermehrt behandelt, ist PBM angeraten. „Ein dezidiertes Blut­bild ist für diese Patienten lebenswichtig“, so Prof. Ritz.

Deutschland ist Weltmeister im Verbrauch von Blutkonserven

Im Ausland wird PBM bereits flächendeckend erfolgreich angewendet, etwa in Australien und in den Niederlanden. Bei unseren europäischen Nachbarn liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Blutkonserven laut Kranken­hausreport bei 24 Transfusionseinheiten je 1000 Einwohner. Deutschland kommt auf rund 39 Einheiten. Auch wenn der Blutverbrauch in den letzten Jahren deutschlandweit gesunken ist – am stärksten sogar in Mecklenburg-Vorpommern um minus 25 Prozent – wird das nicht ausrei­chen, um den (künftigen) Blutbedarf zu decken. „Wir fordern deshalb die Ausweitung und Umsetzung von PBM-Maßnahmen in Mecklenburg-Vorpommern und auf Bundesebene“, so Kutzbach. Wichtig sei hier vor allem Transparenz. Bisher wisse man nicht, welche Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern PBM-Maßnahmen durchführen. „Ein erster Schritt wäre der Aufbau eines zentra­len Landesregisters, über das sich Patienten informieren können“, so Kutz­bach.


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