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Jeder Fünfte in Mecklenburg-Vorpommern nimmt fünf Medikamente und mehr

3. November 2018

Hilft viel wirklich viel? Rund 80.000 Mecklenburger und Vorpommern haben im Jahr 2016 fünf oder mehr Medikamente pro Jahr verordnet bekommen. Das geht aus dem aktuellen BARMER Arzneimittelreport 2018 hervor.

Wenn ein Patient jeden Tag fünf verschiedene Arzneimittel einnimmt, sprechen Experten von Polypharmazie. Davon war im vorletzten Jahr hochgerechnet jeder Fünfte in Mecklenburg-Vorpommern betroffen.

„Wer viele Medikamente einnimmt, der hat ein höheres Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen“, erklärt Henning Kutzbach, Landesgeschäftsführer der BARMER in Mecklenburg-Vorpommern. BARMER-Versicherte wurden im Jahr 2016 mit 1.860 verschiedenen Arzneimittelwirkstoffen behandelt. Insgesamt wurden 454.012 unterschiedliche Kombinationen von zwei Wirkstoffen bei den Versicherten verordnet. „Hier zeigt sich die Komplexität des Verordnungsprozesses, wenn Ärzte alle auftretenden Kombinationen bezüglich möglicher Risiken bewerten müssen“, so Kutzbach.

Fast ein Drittel der über 65-Jährigen bekommt nicht empfehlenswerte Mittel

Vor allem ältere Menschen haben oftmals verschiedene Erkrankungen und müssen deshalb mehrere Tabletten einnehmen, dazu werden manchmal noch Salben, Tropfen oder Sprays verordnet. Trotz Bemühen gelingt der Schutz vor vermeidbaren Risiken in der Arzneimitteltherapie den Reportergebnissen zufolge nicht immer. In Mecklenburg-Vorpommern erhielten 27,3 Prozent der über 65-Jährigen ein Medikament, das Experten nicht für diese Altersgruppe empfehlen. „Das bedeutet, dass hierzulande beinahe ein Drittel der über 65-Jährigen Arzneimittel bekam, die nicht nur helfen, sondern auch Schaden anrichten können“, streicht Henning Kutzbach heraus.

Wie gefährlich es sein kann, wenn ein Patient inadäquate Medikamente bekommt, oder Einnahmefehler gemacht werden, belegen verschiedene Studien. So erleiden jedes Jahr sieben von 100 ambulant behandelten Patienten eine unerwünschte Arzneimittelwirkung. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte werden jährlich eine halbe Millionen Bundesbürger aufgrund von eigentlich vermeidbaren Medikationsfehlern ins Krankenhaus eingewiesen. Außerdem lassen sich ca. 6,5 Prozent aller unerwünschten Krankenhauseinweisungen auf die falsche Einnahme von Arzneimitteln zurückführen. Zehn Prozent der Fälle bei diesen Einweisungen werden als sehr gefährlich eingestuft.

Mehr Sicherheit bei der Therapie

„Die Landeszahlen hinsichtlich Arzneimitteltherapie zeigen, dass Patient, Arzt und Apotheker Hand in Hand arbeiten müssen, um Risiken zu vermindern“, so Henning Kutzbach. Durch den im Jahr 2016 eingeführten bundeseinheitlichen Medikationsplan haben Versicherte und Ärzte ein Instrument, das einen Überblick über die verordneten Mittel ermöglicht. „Wichtig ist die Kommunikation zwischen Arzt und Behandelndem. Alle Medikamente, auch die selbstgekauften, sollten dem Hausarzt regelmäßig vorgelegt werden. Wer beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt neue Tabletten bekommt, sollte den Medikationsplan erneut mit dem Hausarzt absprechen“, rät der BARMER-Landeschef.


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