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Müritz-Region: Größter Handy-Fachhändler meldet Insolvenz an

27. Juli 2019

Diese Nachricht hat viele Malchower und Müritzer überrascht: Die handy-mv GmbH mit Sitz in Malchow und einst elf Filialen musste Insolvenz anmelden. Zwei Filialen – in Glinde und Fürstenberg – sind bereits geschlossen worden, die neun anderen bleiben möglicherweise unverändert. Vorausgesetzt, die Pläne der Gründer – Andrè Zimmermann und Mario Rätzke – und des Warener Insolvenzverwalters gehen auf. Denn es gibt, so bestätigte Zimmermann gestern auf Nachfrage von „Wir sind Müritzer“, momentan drei Interessenten, die handy mv übernehmen möchten, mit zwei Bewerbern werde derzeit verhandelt. Doch wie konnte es zur Insolvenz des nach eigenen Angaben größten Handy-Fachhändlers der Region kommen?

„Das aktuelle Problem ist eigentlich ganz einfach zu erklären: Die Spanne im stationären Handel sinkt und die Anforderungen an die Händler vor Ort wachsen. Es wird in den kommenden Jahren eine extreme Bereinigung in der Handelsoberfläche geben. Ich persönlich rechne nur maximal mit rund 50 Prozent im Vergleich zur jetzigen Anzahl von Shops deutschlandweit. Wir haben uns daher entschieden, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen“, erklärt André Zimmermann, den viele auch durch sein Engagement für die CDU im Malchower Stadtparlament kennen.

Alle Löhne seien immer bezahlt worden, doch sechs Mitarbeiter hätten jetzt betriebsbedingte Kündigungen erhalten, momentan arbeiten noch 22 Frauen und Männer, drei Aushilfen sowie vier Azubis für das Unternehmen. Den jungen Leuten, die ihre Ausbildung in Kürze beginnen wollten, habe man abgesagt.

„Aufgrund der veränderten Situation mussten wir schnell und angemessen reagieren. Die Netzbetreiber fokussieren zunehmend den Kontakt zum Kunden über Ihre eigenen Kanäle wie Hotline und Internet. Vor allem über die Kunden-Apps erhält der Kunde immer mehr, genau auf ihn zugeschnittene Angebote. Der stationäre Handel vor Ort muss also punkten, wenn er überhaupt Kunden in den Shop locken will. Top ausgebildete und motivierte Mitarbeiter, ein modernes Ambiente und immer genug Vorführware im Shop. Ein ‚Handyverkäufer‘ ist heute Fachmann für SportApps, Bootsnavigation, vernetzte Heizungsanlagen, Ortungsdienste für Mensch und Tier usw. usw. Auf der anderen Seite kosten die Verträge immer weniger und haben immer mehr Inhalt. Was für den Kunden natürlich super ist“, sagt André Zimmermann.

Und weiter: „Eigentlich müssten wir unsere Arbeitsleistung genau wie ein Handwerker abrechnen. Mit 5 Euro Trinkgeld für 30 Minuten Hilfe beim Einrichten des neuen Smartphones bekommt der Handel die eigenen Kosten nicht gedeckt. Ein weiteres Problem ist die fehlende junge Kundschaft. Weniger als 10 Prozent der unter 25-Jährigen kauft ihr neues Handy im stationären Handel.“

Wie sehr die Branche im Umbruch sei, zeige die Telekom, die in diesen Tagen 1200 Verkäufer entlassen habe.

Für die Kunden von handy-mv bedeute die Insolvenz aber keine Einschränkungen. Selbst wenn ein Shop schließe, sei die Garantie seines Handys durch den Hersteller gewährleistet.

Wenn alles klappt, werde einer der Interessenten – dabei handelt es sich um Lieferanten, die andere Bedingungen haben – zum Oktober die neun Filialen von handy mv in Waren (2), Malchow, Röbel, Neustrelitz, Malchin, Wittstock, Rheinsberg und Schwedt übernehmen und geöffnet lassen. Eine Garantie gebe es dafür aber nicht.

Und der Malchower André Zimmermann? Er will bis zum letzten Tag arbeiten und das Unternehmen dann ordentlich übergeben. „Nach 13 Jahren handy mv und mit jetzt Mitte 30 werde ich diesen Wendepunkt nutzen, um mich beruflich neu zu orientieren.“


3 Antworten zu “Müritz-Region: Größter Handy-Fachhändler meldet Insolvenz an”

  1. Carina sagt:

    „rechtzeitig die Notbremse zu ziehen“
    Also wenn man Insolvenz anmelden muss, dann wurde da nichts „rechtzeitig“ gezogen!
    Ich will das Unternehmen und den Chef da gar nicht angreifen. Ist bestimmt nicht einfach in dem Marktumfeld, aber dann muss man auch nicht drum herumreden.

  2. Liebe Carina,sauber und ordentlich geht es nur mit einer Insolvenz und die kommt manchmal schneller als man denkt. Als Unternehmer versuchst du bis zum Schluss, neue Wege zu finden. Immer gibt es sie dann einfach nicht oder sie werden nicht gesehen.
    Die Unternehmer haben was aufgebaut, was jetzt nicht mehr zeitgemäß war. Deshalb sollten sie auf alle Fälle nicht an den Pranger gestellt werden. Die beiden haben wahrscheinlich zusammen weniger geschlafen als ich alleine, jedenfalls in den letzten Monaten. Ich weiß von was ich spreche.
    Heiko Knüppel

  3. Ich sagt:

    Mir tun die Azubis leid. Haben sich gefreut ne Ausbildung zu bekommen und wahrscheinlich woanders dafür abgesagt. Und jetzt stehen sie ohne Ausbildung da. Ich denke, dass man Insolvenz irgendwann beantragen muss hat man zu dem Zeitpunkt der Azubi-einstellung schon gewusst. Schade.

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