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Klinikum statt Döner: Geständnis im Prozess um Messer-Angriffe  

10. Oktober 2018

Es sollte nur ein angenehmer Freitagabend mit Döner, Billard und Dartspiel in Neubrandenburg werden – endete aber sehr blutig. Am 18. Mai hat ein 29 Jahre alter Türke am Rathaus in der Kreisstadt seine frühere deutsche Freundin und einen ihrer Begleiter niedergestochen. Das gab der Angeklagte am Dienstag am Landgericht Neubrandenburg zu. Er sei sehr eifersüchtig gewesen, sagte er zu seiner Motivation. Nun muss er sich wegen zweifachen versuchten Mordes verantworten und sogar mit „Lebenslänglich“ als Strafe rechnen.

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Der 29-Jährige kam Ende 2016 per Visum nach Deutschland. Er jobbte bei Döner-Betreibern unter anderem in Neubrandenburg. Dort lernte er die heute 38-jährige Deutsche kennen. Seit September 2017 war man „in einer Beziehung“. Anfangs habe er sie heiraten wollen, damit er in Deutschland bleiben kann, sagte der Angeklagte.

Die Frau habe von seinem Aufenthaltsstatus – er hatte in Brandenburg einen Asylantrag gestellt – gewusst. „Später habe ich mich aber in sie verliebt“, sagte er, sogar „abgöttisch geliebt.“

Doch auch dort gab es Streit. Im Dezember 2017 – er nannte es „kleiner Zwischenfall“ – schlug er der Freundin eine Bierflasche gegen den Kopf. Danach sei er aus der gemeinsamen Wohnung in einem Dorf bei Neubrandenburg ausgezogen, habe sie aber weiter getroffen. Das Problem begann im Februar 2018, als ein Neffe eines türkischen Döner-Betreibers aus Neubrandenburg kam, der spätere Geschädigte.

Dieser konnte sehr gut Deutsch und sollte den 29-Jährigen mit dem Übersetzen im Gespräch mit seiner Ex-Freundin helfen. Dann habe er die beiden aber immer öfter zusammen gesehen und wurde eifersüchtig. Sogar die Onkel und Verwandten in der Türkei wurden per Telefon zum Schlichten eingeschaltet.

Das war eigentlich nicht nötig. Denn der 31-jährige Geschädigte kam am Tatabend im Mai mit seiner 22 Jahre alten Freundin, einer Serbin, mit der Ex-Freundin des Angeklagten und einem weiteren Mann an den Döner-Stand. Doch der 29-Jährige sah „Rot“: Er holte sich ein Messer mit einer 19,5 Zentimeter langen Klinge aus dem Döner-Imbiss, wo er sich auskannte. „Ich habe dort gearbeitet.“

Erst stach er im Dunklen den 31-Jährigen von hinten nieder, der später bewusstlos zusammenbrach. Dann lief er sofort zu seiner Ex-Freundin, stach ihr das Messer in die Schulter, wo es steckenblieb, und flüchtete. Später stellte er sich, die Beamten waren schon auf seiner Spur.

Die Opfer überlebten die schweren Verletzungen. Im Prozess kam heraus, dass sich die „Rivalen“ vorher schon Droh-Nachrichten per Handy geschickt hatten.
Dem Angeklagten droht wie bei Mord, eine lebenslängliche Haftstrafe. Er bestreitet aber, dass er die Opfer töten wollte: „Dann hätte ich öfter zugestochen.“ Ausschlaggebend könnte ein psychiatrisches Gutachten sein. Das Urteil wird am 15. Oktober erwartet.

Fotos: Felix Gadewolz


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