
Eigentlich hatte er am Freitagabend gar keine Zeit, denn Alexander Börst war mit dem Aufbau für das Musikantentreffen am Sonnabend im „Seehotel Ecktannen“ mehr als genug beschäftigt. Dennoch brach er seinen Einsatz dort ab und eilte ins Kurzentrum auf den Nesselberg. Das war auch gut so, denn er ist mit dem Richard-Wossidlo-Kulturpreis der Stadt Waren (Müritz) für das Jahr 2025 ausgezeichnet worden. Und zwar für sein Engagement in der Musikszene der Müritzstadt. Seit mehr als 15 Jahren organisiert er das Musikantentreffen am ersten Wochenende im Januar, bei dem sich die Szene trifft, gemeinsam musiziert, Spaß hat, und bei dem auch vielen jungen Talenten eine Chance geboten wird.
„Alex“, wie man ihn in Waren einfach nur ruft, ist halt ein Macher, wie Ronald Schützler in seiner Laudatio erzählte. Schützler, selbst auch passionierter Musiker, schloss in seiner Rede einen Kreis, der sehr emotional war. Denn genau vor 30 Jahren, also 1996, erhielt sein Vater Herbert Schützler gemeinsam mit Christian Heuschkel den Kulturpreis der Stadt Waren. Und Herbert Schützler war ein Lehrer von Alexander Börst.
„Was Wirbel um Deine Person betrifft, da läufst Du eher unter dem Radar, siehst dich mehr als Teamplayer, magst auch nicht unbedingt gelobt werden und dann hier das, eine Lobrede. Ertrage es einfach.Wie sehe ich dich? Familienmensch, aktiv, nicht immer diplomatisch, was zu Lasten von Kompromissen gehen kann, umtriebig, auch manchmal stur, neugierig, immer in Bewegung. Du wirkst optimistisch. Und Du bewegst viel, im Beruf, in Deiner Band Irremurxx, als Musikmanager und als Übungsleiter der Kindergruppe im Tischtennis. Du hast Humor, strahlst Lebensfreude aus, die ansteckend ist. Und Du hast Durchsetzungsvermögen, kannst führen, vorzugsweise mit klaren Ansagen. Aber nur so läuft’s eben rund, vor und während des Musikantentreffens“, sagte Ronald Schützler.
Beim Musikantentreffen treten Jahr für Jahr um die 15 Bands auf, andere Musiker gesellen sich hinzu, spielen oder singen spontan – die Atmosphäre ist wirklich einmalig. „Die Einmaligkeit wird unter anderem auch dadurch deutlich, dass die Veranstaltung ohne jegliches kommerzielles Interesse seitens dir, Alex, deiner Unterstützer und der teilnehmenden Musiker auf die Beine gestellt wird.“ Nicht Geld, sondern Spaß treibe die Organisatoren an. Nichtsdestotrotz stecke hinter dem Treffen ein immenser organisatorischer Aufwand.
„Das Engagement von Alexander Börst trägt maßgeblich dazu bei, dass unsere vielschichtige regionale Musikerwelt sichtbar wird, Talente gefördert und Menschen über Musik verbunden werden. Musik verbindet eben. Sie verbindet Menschen verschiedenen Alters, unterschiedlicher Ansichten, Meinungen und unterschiedlicher Herkunft. Mein Wunsch: Mögen wir das doch noch mehr auch in unsere Gesellschaft, unser Miteinander, übertragen“, so Ronald Schützler, der dafür viel Beifall erntete.
Alexander Börst selbst brachte in den Jahresempfang mit seiner bekannt lockeren Art ebenfalls etwas Leichtigkeit hinein, in dem er – wie die Hollywood-Größen – erklärte: Ich nehme den Preis an. Für ihn gab es sogar noch eine Überraschung: Die Band „Herb“, eigentlich auch involviert in die Vorbereitungen des Musikantentreffens, stand plötzlich auf der Bühne.
Preise für Klinik Amsee und Schokoladen-Profis
Andere Preisträger an diesem Abend taten es ihm gleich. Denn es gab zwei weitere Auszeichnungen. Wirtschaftspreise.
Einer ging an die Klinik Amsee gGmbH, und zwar in der Kategorie Gesundheitswirtschaft, Digitalisierung und Innovation. Das Haus, im Volksmund einfach Lungenklinik genannt, hat eine lange Geschichte, die 1922 beginnt, als es als Heilstätte zur Behandlung für Tuberkulose eröffnet wurde. „Später, ab 1977, Wandlung zum Bezirksfachkrankenhaus für Lungenkrankheiten und Tuberkulose. Heute, als Teil der Johannesstift Diakonie, ein modernes innovatives Spezialklinikum für die Behandlung von Lungen- und Bronchialerkrankungen, Lungenkarzinomen, Tuberkulose, Schlafapnoe, schweren Allergien und weiteren Atemwegsinfektionen“, fasst CDU-Stadtvertreter Christian Holz zusammen. Rund 4000 Patienten aus der gesamten Republik werden jährlich im Klinikum betreut.
„Im Rahmen der Gesundheitswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern ist die Klinik ein Leuchtturm. Sie ist eines von zwei zertifizierten Weaningzentren neben der Universitätsmedizin Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Was ist Weaning. Hier werden Patienten von einem Beatmungsgerät entwöhnt. Quasi wird der Patient vom Dauerlieger, gebunden an Beatmungsgeräte, wieder mobil, kann ohne Unterstützung atmen und gewinnt ein deutliches Plus an persönlicher Lebensqualität zurück“, erklärte Holz, der den Stadtentwicklungsausschuss leitet.
Mit der Gründung des Netzwerkes Lungenzentrum Mecklenburgische Seenplatte, ein gemeinsames Projekt des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums, des MediClin Müritz-Klinikums, der Evangelischen Lungenklinik Berlin und der Klinik Amsee unter Führung von Dr. Schäper und Dr. Klemm, wurde eine Vernetzung der Region geschaffen. Sie erfüllt einen überregionalen Versorgungsauftrag für die Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Zudem verwies Christian Holz auf die interdisziplinäre Palliativstation. Dort werden Menschen mit einer befristeten Lebensperspektive betreut. Die Behandlung soll den Patienten eine Rückkehr in den selbstbestimmten Alltag für den Rest ihres Lebens ermöglichen.
Aber es gab noch einen weiteren Wirtschaftspreis, einen sehr leckeren sogar: In der Kategorie „Engagement, Nachhaltigkeit und soziales Unternehmen“ wurde die Schokoladenmanufaktur Kilian und Close geehrt. Dahinter verbergen sich Iveta Kilianova, gebürtige Tschechin, und Ciaren Sean Close, gebürtiger Ire. Sie fanden sich und hatten eine Vorliebe für Schokolade. Zunächst gab’s vor mehr als zehn Jahren fünf verschiedene Sorten, inzwischen gewachsen auf 14. Auch Warens Thermalsole wird für eine Variante verwendet und wurde sogar ausgezeichnet. Wie auch andere Tafeln. Wo Schokolade als Genuss und Gourmet angeboten wird, ist Kilian & Close aus Waren nicht weit.
Und hier ein Video der Preisverleihungen:











