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Weniger Nandus, aber weitere Beobachtungen nötig

16. April 2019

Die Nandu-Population im UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee-Elbe ist zurückgegangen. Das hat die aktuelle Frühjahrszählung ergeben. Insgesamt wurden 362 Tiere gezählt, darunter 107 Altvögel, 190 Jährlinge (aus dem letzten Jahr) und 65 Tiere, deren Alter und Geschlecht nicht differenziert werden konnte. (2018: 566 Nandus, 144 Altvögel, 294 Jungvögel, 128 nicht bestimmbare Tiere) Der Populationsrückgang werfe gerade mit Blick auf den milden und niederschlagsarmen Winter sei der Populationsrückgang Fragen auf, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus.

„Grundsätzlich betrachtet lässt das Nandu-Monitoring der vergangenen Jahre den Schluss zu, dass die freilebende Nandupopulation im Landkreis Nordwestmecklenburg allein durch klimatische Faktoren nicht zusammenbrechen und verschwinden wird, deshalb müssen wir dringend zu nachhaltigen Lösungen kommen. Selbst wenn der Bruterfolg in manchen Jahren gering ausfällt, so steigt der Anteil der Alttiere und damit der geschlechtsreifen Exemplare merklich an. Wie auch bei anderen Populationsmodellen stieg der Bestand zunächst langsam, nun aber beständig sowie schnell an und breitet sich nun auch in angrenzende Bereiche, nördlich der A 20, östlich bis Groß Rünz und westlich bis nach Schleswig-Holstein aus“, fasste Backhaus zusammen.

„Wir werden die Populationsentwicklung weiterhin intensiv beobachten und in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz prüfen, inwieweit die Art Nandu möglicherweise doch invasiv ist. Das heißt, inwieweit die Ausbreitung der Tiere negative Auswirkungen auf heimische Lebensräume, Arten oder Ökosysteme hat“, so der Minister.

Sichtbeobachtungen hätten ergeben, dass die Nandus in der Zeit zwischen etwa November und Mai bevorzugt pflanzliche Kost, insbesondere die eiweißreichen Rapsblätter aufnehmen, begründete Backhaus das weitere Vorgehen. Im Winterhalbjahr kommen noch Reste von Ackerfrüchten, wie Maiskörner und Druschabfälle hinzu, aber auch Beeren und Nüsse und Samen von Heckenpflanzen. Im Sommer nehme der Anteil an tierischer Kost zu, darunter Insekten, Spinnen und kleinere Wirbeltieren zu.

Ein Ärgernis stellen die Tiere deshalb insbesondere für die Landwirte in der Region dar: „Nandus fressen bevorzugt die Blätter und die Haupttriebe mit den Knospenanlagen von Raps und verursachen erhebliche Trittschäden. Dadurch kann sich der Raps auf einigen Rapsschlägen nicht mehr gleichmäßig entwickeln. Darüber hinaus wird Weizen insbesondere während der Milchreife gefressen, was die Erträge reduziert.

Da die Vergrämungsversuche der Landwirte bislang keine Erfolge zeigten, wurden weitere Maßnahmen ergriffen, um den Populationsanstieg einzudämmen: So seien in 2018 von den 238 gefundenen Eiern 190 durch Landwirte und Mitarbeiter des Biosphärenreservatsamtes Schaalsee-Elbe manipuliert worden, erinnerte Backhaus. Dazu seien die frisch gelegten noch gelben Eier teilweise mit Paraffin überzogen oder angebohrt worden. Der Zeitraum der Manipulation sei aus Tierschutzgründen begrenzt worden.

Darüber hinaus sei eine Abschussgenehmigung für jeweils zehn Nanduhähne an zwei betroffene Landwirte erteilt, informierte der Minister. Dabei wurden neun und acht Alttiere bis Ende März geschossen.

Zu den Zählungen: Neben zahlreichen Zufallsbeobachtungen, die in einer Datenbank im BRASCHELB sowie bei der Arbeitsgruppe Nandu-Monitoring eingepflegt werden, finden jährlich zwei Synchronzählungen mit etwa 20 Personen (bestehend aus der Facharbeitsgruppe Nandu-Monitoring, Mitarbeitern des Biosphärenreservatsamtes Schaalsee-Elbe und seit 2018 dem Kreisbauernverband Nordwestmecklenburg und der lokalen Landwirte) statt.

Die Frühjahrszählung gibt Aufschluss, wie viele Tiere den Winter überlebt haben. In den Wintern 2009/10 sowie 2010/11 überlebte von 82 bzw. 30 Jungvögeln jeweils nur einer. Die Untersuchungen zeigten aber auch, dass der Anteil der Altvögel im Winter nicht merklich abnimmt. Demnach bestimmen zwei Zeiträume die Mortalität der Jungvögel; zum einen ein langer Winter mit verharschter Schneedecke (Nahrungsknappheit) sowie eine nasse und kühle Brutzeit (April-Mai), in der die Küken verklammen und auskühlen.

Die Herbstzählung hat den Hintergrund, dass, sobald die Felder abgeerntet sind und die Landschaft wieder „einsehbar“ geworden ist, man sowohl Alttiere, als auch die Jungtiere, also den „Jahreszuwachs“, bzw. den Bruterfolg des Jahres ablesen kann.

Der Nandu besitzt einen weltweiten Schutzstatus nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen (Anhang II). In der Europäischen Union spiegelt sich dieses im Anhang B der EG-Artenschutzverordnung 338/97 wider. In Deutschland erhält der Nandu auf Grundlage des § 7 Abs. 2, Nr. 13 Buchstabe a Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) den Status einer „besonders geschützten Art“. Gemäß § 44 Abs. 1 BNatSchG ist es verboten, „wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.“

Darüber hinaus darf diese Art nicht bejagt werden, da sie im Jagdgesetz nicht als jagdbares Wild aufgelistet ist und somit nicht dem Jagdrecht unterliegt.


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