Wer wird Stadtpräsident in Waren? Eine Betrachtung

25. Juni 2024

Gut zwei Wochen nach der Kommunalwahl wird in den Parteien intern bereits intensiv über ein wichtiges Amt diskutiert: Wer soll Stadtpräsident oder vielleicht sogar Stadtpräsidentin werden? Es handelt sich zwar um ein Ehrenamt, aber ein Stadtpräsident ist immerhin der höchste Repräsentant einer Kommune. In Waren dürfte es bei dieser Personalfrage spannend werden. Soviel vorab: Eine Präsidentin steht derzeit nicht zur Disposition, dafür aber zwei Männer, die „alte Hasen“ im Politik-Geschäft sind. Und – beide sind streitbar, jeder auf seine Art.
Nach Informationen von „Wir sind Müritzer“ stellt sich zum einen FDP-Mann Toralf Schnur zur Wahl – zum ersten Mal in seiner langjährigen Laufbahn als Stadtvertreter. Zum anderen will René Drühl von der CDU wieder an die Spitze – zum dritten Mal. Drühl war bereits einmal Stadtpräsident und ließ seinerzeit kaum ein Fettnäpfchen aus, bei der letzten Präsidenten-Wahl im Jahr 2019 unterlag er Rüdiger Prehn von den Linken. Jetzt also ein neuer, dritter Versuch. 

Toralf Schnur, geboren 1975, bestätigte gegenüber „Wir sind Müritzer“ seine Kandidatur, wollte sich aber zunächst nicht umfangreicher äußern. Nur so viel: „Ich bin von sehr vielen Menschen ermutigt worden, anzutreten und empfinde das als Anerkennung. Ich wäre bereit, unsere Stadt in dieser Funktion zu vertreten.“
Schnur ist bekannt als ein Stadtvertreter, der polarisiert – er schaut überaus genau hin, hinterfragt sehr viel, übertreibt hier und da und kann sich richtig festbeißen, wenn er für eine Sache brennt oder auch Bürgeranliegen vertritt. Bei Kritik an seiner Person und seinem Auftreten muss er schlucken, beißt gerne zurück, kann sie aber inzwischen auch ganz gut wegstecken. Nach mehreren Anläufen, Bürgermeister zu werden, scheint er auch öffentliche Kritik besser ver- oder ertragen zu können. Schnur hat auch zahlreiche Fans außerhalb seiner Partei, aber mindestens genauso viele Kritiker. Ein kleiner Skandal im privaten Bereich vor drei Jahren hätte fast das Ende seiner politischen Karriere bedeutet, vor allem, weil er selbst einen Rückzug in Erwägung zog. Doch Schnur berappelte sich wieder, kann sich auf seine Familie im Hintergrund verlassen und machte schließlich da weiter, wo er zuvor unfreiwillig aufgehört hatte.
Sollte er Stadtpräsident werden, muss er sich allerdings mächtig zurücknehmen, denn lange Diskussionen und Redebeiträge wie bisher sind dann nicht mehr möglich. Aber er hat ja eine gute Vertreterin in seiner Fraktion – seine erst 18-Jährige Tochter Klara, die gerade ihr Abitur gemacht hat, wurde ebenfalls gewählt und ist die jüngste Stadtvertreterin in Waren. Möglich, dass sie sich in den letzten Jahren einiges bei ihrem Papa abgeguckt hat und in seine Fußstapfen tritt, während Toralf Schnur als Präsident etwas ruhigere Töne anschlägt.
Auf Schnur entfielen bei der Wahl vor zwei Wochen 1236 Stimmen.

„Das ist meine Stadt“

Kandidat Nummer zwei, René Drühl, geboren 1968, ist ebenfalls streitbar – allerdings auf eine andere Art. Drühl war von 2014 bis 2019 Stadtpräsident in Waren und sorgte in dieser Zeit nicht nur für positive Schlagzeilen. Da gab es die private Nutzung des Vereins- und Jugendbusses der Stadt, da wurde über seine Parkkarte diskutiert, die ihn berechtigte, seinen Wagen kostenlos abzustellen, da stimmte er mit für die Abschaffung des zweiten Wertstoffhofes in Waren und da wurde ein nächtlicher Vorfall im September 2016 bekannt, der vielen Warenern heute noch in Erinnerung ist. Drühl wurde damals vorgeworfen, sich bei der nächtlichen Absperrung des Neuen Marktes wegen eines verdächtigen Rucksack-Fundes vor Polizisten daneben benommen zu haben. Zeugen berichteten, dass er sich mit einem weiteren Mann der Absperrung in angetrunkenem Zustand genähert hat, einer soll die Absperrkegel der Polizei mit dem Fuß weggestoßen haben, einer setzte sich einen Kegel auf den Kopf. Als die Polizei die Männer des Platzes verwies, fielen Sätze wie : „Das ist meine Stadt, ich will wissen, was hier los ist.“

Nach der Veröffentlichung auf „Wir sind Müritzer“ gab’s dann auch eine Stellungnahme des obersten Stadt-Repräsentanten: Er und sein Begleiter seien aus dem „Ritterkeller“ gekommen und hätten ja nicht wissen können, was auf dem Markt los war. Betrunken sei er nicht gewesen. Für die Sache mit den Absperrkegeln hat er folgende Erklärung: Er sei über ein „Absperrhütchen“ gestolpert, weil das auf diesem Weg ja normalerweise nicht stehe.

In der letzten Legislaturperiode blieb Drühl eher blaß, meldete sich nur bei populistischen Themen zu Wort, von denen er wusste, dass man damit Punkte sammeln kann. Unter anderem, als es um mögliche Containerstandorte in Waren für Flüchtlinge ging. Dass er selbst in seiner Partei nur wenig Rückhalt genießt, zeigte eine Abstimmung über mögliche Landtagskandidaten der CDU. Drühl wollte nach Schwerin, unterlag aber deutlich mit den wenigsten Stimmen innerhalb der eigenen Partei. Gewonnen hatte seinerzeit Thomas Diener, der bekanntlich inzwischen für die CDU im Landtag arbeitet.
Auf Drühl entfielen bei der Kommunalwahl vor zwei Wochen 506 Stimmen.

Und so setzt sich die neue Stadtvertretung, die am 17. Juli das erste Mal tagt, zusammen: Die stärkste Fraktion ist die der AfD mit 9 Sitzen die CDU hat 6 Sitze, die SPD 5, die Linken 3, die FDP 3, die MUG 2 und die Grünen 1.


6 Antworten zu “Wer wird Stadtpräsident in Waren? Eine Betrachtung”

  1. Toralf Schnur sagt:

    Ich trete zur Wahl für das Amt des Stadtpräsidenten an, weil ich darauf Lust habe, ich aufgrund meiner langjährigen Erfahrung geeignet bin und es für den richtigen Zeitpunkt halte zu kandidieren.

    Im Gegensatz zu einigen Anderen halte ich den Bewerber der CDU, Rene Drühl, nicht für korrupt oder arrogant. Ich habe ihn gerade in den letzten jahren in den Ausschüssen und in der Stadtvertretung als sehr kooperativen Partner kennen und schätzen gelernt. Vielleicht sollte der Eine oder Andere einfach mal mit Rene Drühl sprechen, um sich ein Urteil bilden zu können.

    Für mich steht eines fest, ich werde mich auch nicht als möglicher Stadtpräsident verbiegen oder in irgendeiner Form Absprachen oder Deals machen, nur um dieses Amt zu bkleiden. Ich habe Lust drauf und wenn es klappt, dann wäre ich stolz und wenn nicht dann ist das so.

    Vielleicht kann der Eine oder Andere es verstehen, aber für mich ist meine Heimatstadt irgendwie zu meiner Leidenschaft geworden und deshalb ist es auch nichts Falsches, wenn man sich für so ein Amt bewirbt. Ich hoffe für die Zukunft unserer Stadt, dass alle Kommentatoren, die hier von einer Wahl zwischen Not und Elend, zwischen Pest und Cholera oder was auch immer schreiben, sich zukünftig selber einringen.

    Ich tue dass, weil ich etwas verändern will!

  2. Suwi sagt:

    Ich finde Herrn Schnur richtig für den Posten! Er hat gute Ideen, nimmt nicht alles hin, hinterfragt! Es würde sicher etwas bewegen in Waren!

  3. Sibylle Schwarz sagt:

    In „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ – wer kennt den Klassiker nicht? wird der Prinz auf dem königlichen Ball gezwungen, aus den anwesenden Damen die erste zu wählen, die seine „königliche Hoheit“ zum Tanz führt. Und alle wissen – es geht um die Zwangsverheiratung des Prinzen.

    Weil es sein Vater – der König – halt will. Warum will es der Vater? „So wird wenigstens leichter mit ihm auszukommen sein.“

    Kandidatinnen gibt es viele, herausgeputzt haben sie sich alle, denn natürlich wollen sie alle ins Königshaus einheiraten… :)

    „Vater, ich bitte Dich, verschieben wir es auf´s nächste Jahr.“ zieht beim König nicht, Empfehlungen seitens seiner Mutter oder seines Vaters: „Nimm die mit der grünen Schleppe…“ oder „Wähl lieber die mit der blauen Schleppe.“ lassen ihn seine Hilflosigkeit und sein Dilemma nur noch stärker spüren, also ergibt er sich in sein Schicksal und meint lakonisch: „Was soll ich da groß wählen? Ich mach einfach die Augen zu.“

    Wir alle wissen, wie die Geschichte weitergeht, weil Aschenbrödels Stiefschwester nicht schnell genug ist schnappt sich „Klein Röschen“ den Prinzen kurzerhand und trägt ihn unterm Arm übers Tanzparkett.

    Wenn die Warener Stadtvertreter der Prinz wären (sie sind gezwungen, zu wählen), die beiden hier oben vorgestellten Herren Aschenbrödels Stiefschwester und „Klein Röschens“ Rolle spielen würden, dann möchte man dem Prinzen ins Ohr flüstern:

    „Mach einfach die Augen zu, es ist egal, wen Du wählst, Du wirst mit beiden tanzen (müssen). Vertraue einfach darauf, dass der Film gut ausgeht, Du nur bis zum glücklichen Ende 3 Fragen beantworten musst, aber vorher erst das Tal der Tränen durchschreiten musst, weil Aschenbrödel noch auf Nikolaus auf dem Weg zum Ball ist. Sie kommt, mach Dir keine Sorgen.“

  4. Nobody sagt:

    keiner von beiden!!!

  5. Petie sagt:

    Der Esel nennt sich immer zuerst.!Wenn ich schon lesen : Ich am Beginn eines Satzes und dann weiter,mir wird übel****

  6. Sorka sagt:

    Ja,@Petie, dieses penetrante „ICH..ICH..ICH.. ist die eine Sache….doch führ dir auch einmal die „Begründungen“ zu Gemüte ..