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Wie kam der Schwan auf die Warener Kirche und der Neanderthaler zu seinem Namen?

11. Februar 2019

Da sag noch einer, Sonntagsgottesdienst lohnt nicht ? In der Warener St. Marienkirche wurde am Sonntag das Gegenteil bewiesen. So kam unter anderem zur Sprache, warum auf dem die Ansicht des Heilbades prägenden Gotteshauses ein Schwan „sitzt“ und warum der „Neanderthaler“ – den als Urmenschentyp eigentlich jeder Schüler kennt – nach einem Kirchenmusiker benannt wurde. Doch der Reihe nach.

In der evangelisch-lutherischen St. Marienkirche fand nach langer Zeit wieder einmal ein Singe-Gottesdienst zum Thema „Licht“ statt. Hauptorganisator war Martin Vogel von Frommannshausen-Schubart, ein pensionierter Pastor aus Thüringen und Hessen und Vater eines der Mitglieder der Warener Kirchengemeinde. Inzwischen auch Opa.

Der 63-Jährige ist auch Kirchenmusiker durch und durch und lud deshalb zu einer Art Lieder-Reise durch das Kirchenjahr ein, begleitet vom bekannten Posaunenchor, einer Gitarre und einer Oboistin, seiner Frau. So kam der gebürtige Jenaer schnell auf kirchliche Symbole zu sprechen. Genau dieses Thema dürfte und sollte wohl manche Schifffahrtskapitäne an der Müritz interessieren.

Wie zahlreiche Urlauber berichteten, konnten etliche Schiffsführer Touristen zuletzt nicht einmal erklären, welche der Kirchen in Waren evangelische und welche katholische Gotteshäuser sind, geschweige denn, welche Symbole dort oben zu sehen sind.

So sind Schwäne vor allem im den lutherischen Kirchen im Norden zu finden, weil der Schwan als Symbol des Reformators Martin Luther gilt. Luther wählte den Vogel, weil er eine Prophezeiung aus dem Jahr 1415 auf sich bezog. Vor Luther hatte sich nämlich schon der tschechische Reformator Jan Hus mit den Kirchenoberen angelegt. Als Hus deshalb auf dem Scheiterhaufen stand, wo er verbrannt wurde, soll er gerufen haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen.“ Sein Name „Hus“ bedeutete auf Tschechisch „Gans“.

Auch Luther drohte ja der Tod, was aber bekanntlich nicht passierte. So zeichneten Künstler, die dies aufgriffen, den inzwischen weltweit bekannten Martin Luther oft mit einem Schwan – so dass dieser heute viele Kirchen ziert. «In Hessen sind dagegen Sterne – als Morgensterne – auf evangelischen Kirchen“, erzählte der Pastor.

Und wie kam das mit dem Neandertaler? Der 1650 in Bremen geborene Joachim Neander war Kirchenmusiker und zu seiner Zeit sehr bekannt.
Er kam in die Nähe von Mettmann (heute Nordrhein-Westfalen) und komponierte dort gern in einer Schlucht des Flüsschens Düssel viele Lieder und hielt dort Gottesdienste ab.

Da Neander nur 30 Jahre alt wurde und schon 1680 starb, aber sehr bekannt und beliebt war, wurde die Gegend erst Neandershöhle und ab dem 19. Jahrhundert Neandertal genannt. Danach wurden später die ersten Skelettteile von dort gefundenen urzeitlichen Menschen „Neandertaler“ genannt. Ein Glück – sonst wäre man vielleicht auf die Idee gekommen, diese frühen Menschen nach dem Fluss Düssel „Düsselthaler“ zu nennen, wie zum Beispiel Düsseldorf.

Neander schrieb übrigens eines der bekanntesten Kirchenlieder, das am Sonntag in Waren aus rund 80 Kehlen auch erklang: „Lobe den Herren.“ Zur St- Mariengemeinde gehören hunderte Mitglieder im Ostteil Waren, Federow, Kargow und Speck, zur anderen großen evanglischen Gemeinde St. Georgen die Mitglieder im Westteil Warens sowie inzwischen auch Klink. Der Neue Markt bildete früher die „Grenze“, die inzwischen  aber etwas verschwimmt.


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