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Bundespolitiker zieht Müritzer Zuhörer in seinen Bann

9. November 2017

Er kam, sprach und siegte: Der CDU-Mann Wolfgang Bosbach gehört zu den beliebtesten Politikern in Deutschland überhaupt, ist gern gesehener Gast in Talkshows, in seiner eigenen Partei aber teilweise auch gefürchtet. Aus einem einzigen Grund: Bosbach ist ein Freund klarer Worte, ohne Schnörkel, ohne Drumherum-Gerede und leere Worthülsen. Und: Ohne dabei aggressiv zu wirken. Diese klaren Worte haben ihm in dieser Woche auch in Waren ganz viel Sympathie eingebracht.
Auf Einladung der Müritz-Sparkasse sprach der 65-Jährige vor Kunden und Geschäftspartnern über die aktuelle Politik in Deutschland und in der Welt. Dabei hatte er eine ganz klare Botschaft, die zu beherzigen jedem gut tun würde.

„Warum schätzen wir nicht jeden Tag, dass wir in Freiheit leben können, dass es uns viel besser geht als den meisten Menschen auf dieser Welt. Warum feiern wir den 3. Oktober nicht fröhlicher? Es ist leider nicht die Kernkompetenz der Deutschen, sich über das eigene Land zu freuen. Wir finden immer irgendwo irgendwelche Probleme. Wenn Sie gefragt werden nach den von Helmut Kohl angekündigten blühenden Landschaften, dann zeigen Sie Ihnen ihre Heimat. Wir können doch stolz sein, was wir in 27 Jahren geschaffen haben“, sagte Bosbach und erntete dafür den ersten dicken Applaus.

Bis vor wenigen Tagen arbeitete der CDU-Poliker im Bundestag – insgesamt 23 Jahre lang. Der Jurist gilt als Frohnatur, wird dem rechten Flügel der CDU zugeordnet und ist bekennender Kritiker des Kurses von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und natürlich hatte er auch während seiner Warener Rede den einen oder anderen Seitenhieb auf die CDU-Chefin dabei, insbesondere, als es um die Flüchtlingspolitik in Deutschland ging.

Dabei machte er auch Mut, seine Meinung zu diesem Thema offen und ehrlich zu sagen und vor allem nicht aus Angst, als „rechts“ abgestempelt zu werden, das eigene Land nicht zu lieben. „Wenn jemand Lokalpatriot ist, also beispielsweise sagt, dass er stolz ist, Müritzer zu sein, ist das völlig okay, sagt er aber, dass er stolz auf Deutschland ist, zucken wir gleich zusammen. Warum?“, fragt Wolfgang Bosbach.

Jeder, der sein Land liebe, sei auch bereit, mehr als seine Pflicht zu tun, sich beispielsweise ehrenamtlich zu engagieren. Und ohne Ehrenamt wäre auch ein modernes Land wie Deutschland längst zusammengebrochen.

Apropos modern: Was die digitale Welt angeht, so der prominente Redner, hinkt Deutschland inzwischen hinterher. Und zwar nicht nur großen Nationen, sondern Ländern, die eigentlich nicht zu den Top-Adressen zählen. „Das müssen wir ändern, sonst werden wir irgendwann ganz abgehängt“, meint Wolfgang Bosbach und erzählt von Reisen in entfernte Länder, die besser mit Internet-Verbindungen ausgestattet seien als er in seinem heimischen Bergisch-Gladbach. Um einigermaßen gut telefonieren zu können, müsse er nämlich nach wie vor nach draußen gehen und sein Handy umständlich in die Luft halten.

Das Smartphone spielte dann wenig später noch einmal eine Rolle in den Ausführungen des braun gebrannten Politikers. Denn, so habe er gelesen: Jeder Deutsche schaue durchschnittlich gesehen 88 Mal am Tag auf das Smartphone. Meistens ganz ohne Grund. „Also auch, wenn es nicht klingelt oder pupst. Einfach so. Wer hat das früher beim Festnetz gemacht?“, meint der 65-Jährige, um dann nach dem Ende seines Vortrages ganz fix zu gucken, ob sein Smartphone in der Zwischenzeit auch gepupst hat.

Ein kurzweiliger Abend mit einem Redner, der zwar kritisiert, aber auch unglaublich viel Optimismus versprüht und gegen die Jammer-Mentalität vieler Deutscher angeht: „Es ist immer noch ein Glück, in Deutschland geboren zu sein, hier zu arbeiten und zu leben“, beendete er seinen Vortrag und stand den Gästen im Anschluss auch noch für persönliche Gespräche zur Verfügung.

 


4 Antworten zu “Bundespolitiker zieht Müritzer Zuhörer in seinen Bann”

  1. HaPe sagt:

    Wolfgang Bosbach ist ein Vollblutpolitiker der guten „alten Schule“. Politiker dieses Formates gehören einer aussterbenden Spezies an …. leider. Es ist die vollmundige neue Politgeneration, die vor dem Urnengang der Wähler das „blaue vom Himmel“ verspricht und davon nach der Wahl nichts mehr weiß….. so auch wieder Anno 2017. Ein bemerkenswert kurzes Gedächtnis…. ! Ein Grund mit, der bei den Menschen – je nach Stimmung- mitleidiges Gelächter oder Verärgerung sowie Verdruß auslösen.ein Grund mit, der die Menschen von den Wahlurnen fernhält oder in erschreckenden Zahlen der AfD zutreibt.
    Der Rheinländer und Jurist Bosbach fühlte sich stets der Wahrheit verpflichtet…. auch, wenn sie manchmal unbequem war. Damit tat er sich gerade in der jüngeren Zeit immer schwerer und das hat ihn letztlich zum Rückzug aus der Parteipolitik bewegt…schade!

    • Harald sagt:

      Naja, aber so zu tun als wäre Herr Bosbach der beste Politiker und hätte nie das „Blaue vom Himmel“ versprochen, ist falsch.

      Und zu seinen Ansichten kann man auch anderer Meinung sein.

      Recht hat er allerdings mit den Sätzen: „„Warum schätzen wir nicht jeden Tag, dass wir in Freiheit leben können, dass es uns viel besser geht als den meisten Menschen auf dieser Welt…“ und
      „Es ist immer noch ein Glück, in Deutschland geboren zu sein, hier zu arbeiten und zu leben.“

    • w sagt:

      HaPe,
      nur müssen die Politiker weder jung noch neu sein, um ihr Fähnchen in den Wind zu hängen. Unser Bürgermeister hingegen ist ein echtes politisches Schwergewicht. Unbeirrt hält er an richtigen Entscheidungen fest, weil Festhalten Kommunalräson ist. Dass die SPD einen Wahlslogan hatte, Bildung darf nichts kosten, hält ihn von den richtigen Entscheidungen nicht ab. Diese richtigen Entscheidungen sind so richtig, dass er und die verwaltungsgetreuen Mannen im Stadtrat standhaft an unpopulären Bauvorhaben und West-Investoren festhalten, bis zum Untergang in der West-Tasche. Zu den Wahlen kriechen dann dieselben und ein paar neu fotogeshopte Grinsegesichter derselben Sozialisation wie Phönix aus der Tasche die Lampenmasten wie im März die Apfelwickler empor. Genügend standhafte Richtigkeiten werden also mit der Wahl des geringeren Übels belohnt. Mitunter ist die Wut dann auch dafür zu groß. So gibt es zuweilen Kurzschlussrekationen, wie Kreuze neben dem Kürzel AfD. Diese hellblaubraune Truppe macht, falls sie dann mal was zu sagen haben wird, alles noch richtiger. Bis dahin trinken wir alle Glühwein bei Benno, aber mit Schuss. Nur so ist das auszuhalten.

      https://mueritzwaran.jimdo.com/

  2. Anja sagt:

    Als Altbundesrepublikaner kenne ich Wolfgang Bosbach schon sehr lange als einen aufrichtigen und deswegen für seine Parteifreunde sicherlich nicht immer bequemen Politiker. Auch ich bedaure, daß der, über alle Parteirichtungen hinweg, geachtete Ausnahmepolitiker dem neuen Bundestag nicht mehr angehören will.

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