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Ein Unfall mit Fahrerflucht und seine Folgen für eine junge Müritzerin

4. Februar 2017

Sie gehören schon fast zum Alltag, die Unfälle, bei denen die Verursacher sich aus dem Staub machen. Doch gerade jene Unfälle haben für die Opfer der Flüchtenden sehr häufig schlimme Folgen. Das musste Anfang dieses Jahres eine junge Frau aus Buchholz erfahren, die bei einem solchen Unfall schwer verletzt wurde und jetzt auch noch auf den Kosten sitzen bleibt.

Es schneit an diesen Abend des 11. Januar kräftig. Isabell ist auf dem Weg nach Hause. Sie fährt vorsichtig, die B 198 ist glatt. Doch plötzlich kommt ihr in Höhe Karchow ein Lkw entgegen – leider so weit auf ihrer Spur, dass die junge Frau stark abbremsen muss, um einen Zusammenstoß zu verhindern. Und das wurde ihr bei den winterlichen Straßenverhältnissen zum Verhängnis.

Ihr kleiner Peugeot kommt nach links von der Straße ab, überschlägt sich auf der angrenzenden Weide und kam schließlich auf den Rädern zum Stehen.

Die 26 Jahre alte Fahrerin ist schwer verletzt, kann sich aber alleine aus dem Auto retten. Denn der Lkw-Fahrer hat nicht angehalten und auch weitere Fahrer von Autos und Lkw, die die Unfallstelle passierten, geben Gas. Keiner hält an, niemand hilft.

Isabell läuft unter Schock zu seinem Einfamilienhaus, das zum Glück ganz in der Nähe steht. Die Bewohner verständigen die Rettungskräfte und beruhigen sie, so gut es geht. Isabell muss schließlich für ein paar Tage ins Krankenhaus und leidet gesundheitlich nach wie vor an den Folgen des Unfalls. Noch bis mindestens Mitte des Monats wird sie nicht arbeiten können.

Ob es dann allerdings für sie im Van der Valk Resort Linstow weiter geht, ist momentan mehr als fraglich. Denn das dringend benötigte Auto von Isabell ist Schrott, den Kredit dafür muss sie weiter zahlen und aufgrund der Unfallflucht gibt’s auch von keiner Versicherung Geld.

Da Isabell auch erst vor kurzem mit ihrem Freund Eric nach Buchholz gezogen ist und dort ein Haus finanzieren muss, kann sie nicht mal eben so ein neues Auto kaufen. Dabei hatte sie doch gehofft, dass hier an der Müritz endlich alles anders, alles besser wird, denn die junge Frau hat schon einige Schicksalsschläge hinter sich.

Als sie 12 Jahre alt war und noch in Berlin wohnte, erfuhr die gelernte Einzelhandelskauffrau auf einer Klassenfahrt, dass ihre Mutter einen Tumor im Kopf hat, im Krankenhaus liegt und von ihrer Kleinen nicht besucht werden. Die Mutter schafft es, der Vater trennt sich ein paar Jahre später, doch dann im Frühjahr 2014 der nächste Schlag: Ihre Mama hat Leukämie, die Heilungschancen sind gleich Null.

Von Tag zu Tag geht es ihr schlechter. Isabell ist im Krankenhaus viel an der Seite ihrer Mutter, Ende Mai 2014 stirbt sie. Bis heute hat die 26 Jahre alte Frau den Tod ihrer Mutter nicht verkraftet. Doch als sie Eric kennenlernte und im Sommer 2016 mit in ihn Buchholz ein Zuhause fand, wurde die Welt für sie wieder heller. Aber leider nur kurz. Ihre Oma, zu der sie eine innige Beziehung hat, ist schwer krank, und dann auch noch der Unfall und vor allem die feige Flucht.

Nach wie vor, so die Neubrandenburger Polizeisprecherin Diana Mehlberg, gibt es vom Verursacher keine Spur. Die Ermittler sind auf jeden Hinweis angewiesen. Und die Sprecherin bestätigt auch: Die Zahl der Flucht-Unfälle steigt an der Seenplatte stetig. Von 1440 Delikten im Jahr 2014 auf 1543 im vergangenen Jahr. Viele Fahrer, die einfach so verschwinden, können ermittelt werden. Aber eben nicht alle.

Isabell wünscht sich so sehr, dass irgendjemand den Unfall beobachtet hat und wichtige Hinweise geben kann. Denn sie möchte auch mit diesem Kapitel abschließen, will ihrer Oma zur Seite stehen, mit ihrem Freund Eric einfach ganz normal leben und wieder ohne Angst im Nacken zur Arbeit fahren. Doch dafür braucht sie ein Auto.

Aber vielleicht gibt es ja auch Müritzer, die Isabell helfen wollen.

Foto unten: Isabell und ihr Freund Eric schauen sich immer wieder die Bilder von dem zerstörten Auto an.

 


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