Stadtvertreter „jonglieren“ mit Millionen

20. Februar 2014

So sollen die neuen Häuser angeordnet werden.

Die Grundschule auf dem Papenberg wird erweitert, ein Jugendtreff daneben neu gebaut, das Jugendzentrum „JOO“ soll an der Mozartstraße wachsen, und das Kaufhaus Stolz nach Meinung der meisten Stadtvertreter nicht gebaut werden. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der gestrigen Stadtvertretersitzung in Waren kurz zusammengefasst. Und: Auch das ist natürlich bedeutend: Die Müritzstadt hat einen ausgeglichenen Haushalt und kann auch in diesem Jahr wieder investieren.

Aber der Reihe nach: Nachdem die Volksvertreter mehrere Monate über die Erweiterung der Grundschule auf dem Papenberg diskutiert haben, brachte der letzte Entwurf der Planer von der ign Waren den Durchbruch. Die haben einen kleinen Anbau an die Schule, ein Extra-Gebäude für den Hort sowie einen massiven Jugendtreff-Bau vorgeschlagen. Ohne weitere Diskussionen segneten Warens Stadtvertreter dieses rund 3,8 Millionen teure Projekt gestern Abend ab.

Standortfrage

Deutlich mehr Diskussionen gab’s wie erwartet zum Jugendzentrum „JOO“. Sowohl die Linkspartei als auch die FDP konnten sich nämlich nicht mit dem Standort an der Mozartstraße anfreunden und schlugen stattdessen den kaum genutzten Caravanstellplatz neben den Parkflächen am Amtsbrink vor. Der war schon einmal im Gespräch, wurde aber aufgrund der Neubauplanungen „Rosengarten“ fallengelassen.
Rüdiger Prehn von den Linken begründete den anderen Standort unter anderem damit, dass man die Anwohner der Mozartstraße nicht noch mehr belasten wolle und hoffte zum anderen auf mehr Synergie-Effekte mit dem Müritzeum, wenn das „JOO“ dichter ans Naturerlebniszentrum rückt.
Auch FDP-Fraktionschef Toralf Schnur wollte den Anwohnern der Mozartstraße, die schon genug leiden müssten, nicht noch mehr zumuten. Doch eine knappe Mehrheit der Stadtvertreter entschied sich gegen den Antrag, vielleicht auch, weil Bürgermeister Norbert Möller (SPD) zuvor um verbindliche Beschlüsse gebeten hat und ein neuer Standort wie der des Caravanstellplatzes weitere Verzögerungen mit sich gebracht hätte.
Ebenfalls beschlossen: Die Stadt startet jetzt ein so genanntes Interessenbekundungsverfahren, in dem es um die „inhaltliche Ausrichtung“ des Zentrums geht. Heißt also, was die Kinder und Jugendlichen nach der Fertigstellung im Haus finden, steht heute noch in den Sternen. Fest steht aber schon: Es wird keine Disko. Veranstaltungen mit mehr als 200 Personen sind dort nicht drin.

Schon drei Gutachten

Noch viel knapper Stolz1wurde es bei der Entscheidung, in der es um das Kaufhaus Stolz ging. Die Fraktionen CDU, FDP sowie die MUG-Vertreter Ingo Warnke und André Knippenberg hatten sich für den Bau des Kaufhauses neben dem Lidl-Markt in der Strelitzer Straße stark gemacht. Ob gebaut werden darf oder nicht soll in Kürze das Verwaltungsgericht in Greifswald festlegen. Während ein vom Kreis beauftragter Gutachter vor zwei Jahren zu dem Ergebnis kam, dass „Stolz“ sich schädlich auf die Innenstadt Warens auswirken würde, sieht das ein Gutachter, den das Gericht bestellt hat, weniger dramatisch. Diesem Gutachten sollten sich die Stadtvertreter nun anschließen. 12 wollten es, 12 nicht und 3 Politiker enthielten sich. Damit wird es jetzt keine positive Stellungnahme an das Gericht geben. Was aber nicht heißt, dass das Kaufhaus nicht gebaut werden darf. Denn wie die Richter urteilen, kann heute niemand sagen.

Was die „schädlichen Auswirkungen“ auf die Innenstadt angeht, ist die Stadtvertretung regelrecht zweigeteilt. Eine Hälfte ist davon überzeugt, dass so ein Kaufhaus sogar Vorteile bringt, die andere fürchtet um die Kleinteiligkeit der City. „Die CDU ist für das Kaufhaus, aber nicht, weil wir gegen die Innenstadt sind, sondern weil wir glauben, dass sie davon sogar profitiert“, meinte beispielsweise René Drühl (CDU).
Roland Preibisch von der SPD hält dagegen: „Es gibt inzwischen drei Gutachten und alle sind in der Kernaussage gleich: Es wird Umsatzverluste für die Innenstadthändler geben. Nur in der Höhe sind sich die Experten nicht einig.“
Toralf Schnur (FDP) versuchte es diplomatisch: „Wir sollten nicht Stolz verhindern, sondern den Innenstadthändlern helfen, beispielsweise für Parkplätze sorgen“, meinte er. Das scheint auch in der Verwaltung ein Thema zu sein. Denn Bürgermeister Möller verkündete, dass gegenwärtig über ein Parkdeck in der Mecklenburger Straße gesprochen wird.

Mit einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Greifswald zur Baugenehmigung für das Kaufhaus Stolz wird noch im ersten Halbjahr 2014 gerechnet.

Die neuen Häuser aus der Luft betrachtet.

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