

Zwar hat Siegfried Piarowski Hilfe von Bekannten, doch nach dem Tod seiner Frau Hanni vor etwa sieben Jahren lebt er alleine in seiner gemütlich eingerichteten Wohnung Am Rosengarten. Er kocht, backt, wäscht und hält den Haushalt in Ordnung. Außerdem gehört nach wie vor Sport zu seinem Alltag. Das beweist er dem Bürgermeister dann gleich mal auf dem Balkon mit ein paar Liegestützen am Geländer. Hanteln und diverse kleinere Sportgeräte finden sich in seiner Wohnung und werden täglich genutzt. „Das muss sein“, sagt der Senior. Schließlich gehörte Sport auch früher zu seinem Leben, unter anderem war er Turner.
Nach dem Krieg zurück nach Waren
Seinen Führerschein hat Siegfried Piarowski erst mit 97 Jahren abgegeben. Seither fährt er mit seinem „Pony“, wie er seinen elektrischen Rollstuhl liebevoll nennt, zum Einkaufen oder durch die Stadt. Nur etwas schneller könnte das Ding sein, meint er augenzwinkernd.

Nach verschiedenen Stationen während des Zweiten Weltkrieges, unter anderem in Frankreich, Wien und Sarajevo, sowie einer schweren Verwundung kehrte der heute 102-Jährige im Juli 1945 wieder nach Waren zurück. Als 22-Jähriger musste er sich dann zunächst um seine kranken Eltern kümmern, arbeitete wieder bei der MEMEFA und lernte bei der Arbeit auch seine große Liebe Hanni kennen. Die MEMEFA ging in die Mecklenburger Buntmetallgießerei (heute Metallgusswerk) über, Siegfried Piarowski wurde zunächst Lehrausbilder, später Ausbildungsleiter und baute schließlich die Berufsschule am heutigen Standort der Förderschule in der Karl-Liebknecht-Straße mit auf. Die leitete er 20 Jahre lang. Zwischendurch absolvierte er mehrere Qualifizierungen und ein Ingenieursstudium. Von 1969 bis zur Rente im Jahr 1988 war der Warener Chef der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung.
Das Ende der Plumpsklos
Aber auch außerhalb seines abwechslungsreichen und erfüllenden Berufslebens hinterließ der rüstige Rentner viele Spuren in Waren. So war er es, der aus der damals unansehnlichen Ecke Gartenstraße/Mozartstraße einen kleinen Park gestalten ließ. Noch heute gibt es dort einen Spielplatz. Als Hausbesitzer in der Ernst-Thälmann-Straße kümmerte er sich auf zum Teil abenteuerlichen Wegen, darum, dass die Westsiedlung – einst als Werkssiedlung der MEMEFA entstanden – hübscher wurde. Noch heute stehen dort Eisenzäune, die Siegfried Piarowski und seine Mitstreiter seinerzeit durch „Beziehungen“ besorgten. Ein richtiges Stück arbeitet, so berichtet er, war die Verlegung von Gas- und Abwasserleitungen in der Westsiedlung, die von den damaligen Bewohnern zumeist in Eigeninitiative erfolgte. Das läutete das Ende der Plumpsklos ein, die bis dahin bei Wind und Wetter außerhalb der Eigenheime genutzt werden mussten.
Ein kurzer Abriss eines sehr bewegten Lebens, in dem Siegfried Piarowski, dreifacher Opa und neunfacher Uropa, immer versucht hat, nach Goethes Zeilen zu handeln: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.








Wow, was für ein beeindruckender, inspirierender Mensch! Von Herzen alles Gute für Sie, Herr Piarowski!
Hut ab vor solch einem Leben und Schaffen!
Wenn ich Geschichtslehrer in Waren wäre, würde ich den Herrn bitte. In meinen Unterricht zu kommen und von seinem Leben zu berichten.
Solch ein Zeitzeuge ist unbezahlbar und die Kinder profitieren von seinem Wissen.
Herzlichen Glückwunsch unbekannter Weise :-)
Schließe mich Rike und Stefan an. Ein sehr beeindruckender Lebenslauf und ja, es gibt/gäbe nichts besseres, als eine Lebensgeschichte/Geschichte an sich persönlich erzählt zu bekommen, da hier nicht nur die historischen Fakten eine Rolle spielen, sondern vor allem Emotionen, persönliches Schicksal, Erlebnisse, Gedanken usw.