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Corona frustriert Mieter: Immer mehr Beschwerden

10. Januar 2022

Die Zahl der häuslichen und nachbarschaftlichen Konflikte hat einer Umfrage unter norddeutschen Wohnungsunternehmen zufolge während der Corona-Pandemie zugenommen. So berichten soziale Vermieter von einer höheren Zahl an Mieterbeschwerden. Die Verantwortlichen in den Unternehmen führen diese Entwicklung auf die Corona-Pandemie und das damit „häufigere Zuhausesein“ zurück. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), die unmittelbar vor Weihnachten des vergangenen Jahres durchgeführt wurde. An der Umfrage hatten sich 63 Unternehmen beteiligt.

Den Unternehmen zufolge hat sich die „Qualität der Beschwerden“ verändert. Es sei zunehmend eine „gewisse Grundanspannung“ wahrnehmbar. So meldeten Mieterinnen und Mieter vermehrt kleine Alltagsprobleme und beschwerten sich früher über kleinere Störungen. Lärmbelästigungen spielten inzwischen eine größere Rolle.

„Die Menschen haben genug von Lockdown, Quarantäne und Einschränkungen und fühlen sich frustriert“, sagt VNW-Direktor Andreas Breitner. „Ihnen scheint die Decke auf den Kopf zu fallen. Zu spüren bekommen diese Unzufriedenheit und den Frust oftmals zuallererst die Nachbarn.“

Einige Unternehmen berichten zudem von „zunehmend verhärteten Fronten“ zwischen den Haushalten. Die Pandemie verschärfe bestehende Konflikte, steigere die Unzufriedenheit von Mietern sowie ihre Ungeduld.

Zudem berichten die Unternehmen, dass sie auf Grund der Pandemie vor Ort kaum Schlichtungsgespräche anbieten könnten. Allerdings weisen sie auch darauf hin, dass sie mit einer direkten und sofortigen Ansprache der Konfliktparteien versuchten, den Auseinandersetzungen entgegenzuwirken und die Situation zu entspannen.

„Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Menschen vermehrt unter der Corona-Pandemie leiden und sich das auf ihr privates Umfeld auswirkt“, sagt VNW-Direktor Andreas Breitner. „Das war sicher erwartbar. Zugleich verdeutlichen die Antworten aber, dass die sozialen Vermieter vieles tun, das über das Angebot einer Wohnung hinausreicht. Sie sind da, wenn es ihren Mietern schlecht geht. Die sozialen Vermieter sorgen damit für den sozialen Frieden in den Quartieren.“

Diese Tatsache sollte beim wohnungspolitischen Populismus bedacht werden. „Alle Vermieter gehören nicht in einen Topf“, sagt der VNW-Direktor weiter. „Abgesehen davon, dass die im VNW organisierten Genossenschaften und -gesellschaften bezahlbaren Wohnraum anbieten, sind sie die ersten, die mit sozialen Konflikten konfrontiert werden und dafür Lösungen entwickelt haben.

Bei den sozialen Vermietern stehen die Menschen im Mittelpunkt – gerade, wenn es im Zusammenleben Probleme gibt. Es wird nicht gedroht, sondern versucht, diese Probleme im Gespräch zu lösen. Auch das hat die Umfrage ergeben: die direkte und sofortige Ansprache ist der erfolgversprechendste Weg, Streit aufzulösen.“

Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) vertritt in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein insgesamt 402 Wohnungsgenossenschaften und Wohnungsgesellschaften. In den von ihnen verwalteten 686.000 Wohnungen leben rund 1,5 Millionen Menschen.


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