
„Wir sind Müritzer“ hat zusammen mit einem Immobilien-Experten, der seit mehreren Jahrzehnten im Geschäft ist, den Markt rund um die Müritz analysiert. Und tatsächlich: Die Preise für Bauland oder Alt-Immobilien bewegen sich teilweise jenseits von gut und böse. Auf der anderen Seite gibt es nach wie vor eine hohe Nachfrage. Das könnte sich aber gerade in Anbetracht der momentan stark steigenden Lebenshaltungskosten sehr schnell ändern.
Neben den gestiegenen Preisen für Lebensmittel, Gas, Kraftstoff und Co. machen es auch höhere Bauzinsen für Familien schwerer, sich den Traum vom eigenen Haus zu erfüllen. Der Durchschnittszins für einen Zehn-Jahres-Baukredit stieg von rund 1,0 Prozent auf mehr als 1,6 Prozent. Hinzu kommen deutlich gestiegene Baukosten, Material- und Handwerker-Mangel. Alles also keine guten Voraussetzungen, sich jetzt ein neues oder gebrauchtes Haus zuzulegen. Dennoch steigen die Preise.
Laut einer Analyse der Bundesbank sind die Immobilienpreise in Deutschland um bis zu 40 Prozent überwertet. Im Jahr 2020 hätte die Überbewertung noch bei maximal 30 Prozent gelegen. Der deutsche Spitzenverband der Immobilienwirtschaft bezeichnet das enorme Niveau der Kaufpreise in seinem Gutachten als „sowohl überraschend als auch durchaus beängstigend“. Auch die Europäische Zentralbank und die Bundesbank warnen vor spekulativen Übertreibungen.
1566 Euro pro Quadratmeter Grundstück

Dazu zählt beispielsweise ein Grundstück in der Warener Innenstadt, das als „Seltenheit“ angepriesen wird. Der Verkäufer will für lediglich 316 Quadratmeter Grund und Boden satte 495 000 Euro haben. Das macht sage und schreibe 1566,46 Euro pro Quadratmeter. Dabei befindet das Fleckchen nicht einmal in so genannter 1A-Lage, sondern am Ende der Warener Burgstraße. Wenig attraktiv für geschäftliche Aktivitäten.
Da kann der Verkäufer eines Grundstückes in Rechlin nicht ganz mithalten. Im Nordteil der Gemeinde steht ein 671 Quadratmeter großes Baugrundstück für 474 000 Euro zum Verkauf. Das Areal, das laut Expertise nur zwei Minuten vom Strand entfernt liegt, kostet also schlappe 700 Euro pro Quadratmeter.
Besonders in Waren scheint es nach oben keine Grenze zu geben. In der Müritzstadt werden selbst alte Häuser mit eher mäßigem Standard zu extrem hohen Preisen angeboten. Ganz nach dem Motto „Man kann’s ja mal versuchen, Waren ist schließlich beliebt.“ Doch viele dieser Immobilien scheinen den Verkäufern eben doch nicht aus der Hand gerissen zu werden, sie sind teilweise seit viele Monaten auf dem Markt, hier da wurden auch schon Preise nach unten korrigiert.
„Das werden wir in Zukunft noch viel öfter sehen“, meint unser Immobilienexperte, der in diesem Zusammenhang auch einige Makler kritisiert. „Sie sollten eigentlich einen realistischen Blick auf die Häuser haben und die verkaufswilligen Eigentümer auf den Boden der Tatsachen holen. Doch stattdessen werden die Immobilienbesitzer in ihren unrealistischen Preisvorstellungen sogar noch bestärkt. Da haben einige nur ihre Provision im Blick.“
Der berühmt berüchtigte Müritzblick

Sehr beliebt: der Müritzblick. „Da gibt es wirklich skurrile Sachen. Manchmal ist die Müritz aus dem beworbenen Objekt nur zu sehen, wenn man sich aus einem Dachgeschoss-Fenster sehr weit hinaus lehnt. Und dann erspäht man auch nur ein Zipfelchen der Müritz“, weiß der Immobilien-Kenner. Und wenn ein Inserent schreibt: „Traumgrundstück an der Binnenmüritz“ heißt das noch lange nicht, dass es sich um ein Wassergrundstück handelt. Das 2013 Quadratmeter große Areal liegt in der Fontanestraße und soll ohne alles 950 000 Euro – 472 Euro pro Quadratmeter – in die Kasse spülen.
Doch nicht nur in Waren selbst, zeigen Immobilienpreise nach oben. In Malchow gibt’s beispielsweise gerade ein Einfamilienhaus aus dem Jahr 1988, 158 Quadratmeter Wohnfläche und 1100 Quadratmeter Grundstück für 485 000 Euro. Oder eine zerfallene Villa, die als renovierungsbedürftig bezeichnet wird, aber immerhin am Wasser liegt, für 1,7 Millionen Euro.
Auch auf dem Land kaum noch Schnäppchen

Anders, als manch einer glaubt, ist es auch auf dem Land nicht unbedingt günstiger. Für ein Zweifamilienhaus in Göhren-Lebbin, Baujahr 1900, das ob der Bauart wie eine Baracke aussieht und lediglich über 400 Quadratmeter Grundstück verfügt, sollen 350 000 Euro fließen, für ein altes Bauernhaus in Klein Plasten (3500 Quadratmeter Grundstück), aus dem Jahr 1935, renovierungsbedürftig, aber mit „liebevoll angelegtem Garten“, 299 000 Euro und für ein Einfamilienhaus in Groß Gievitz, Baujahr 1998, 204 Quadratmeter Wohnfläche, 1318 Quadratmeter Grundstück, stolze 525 000 Euro.
Wenig anders die Preise bei Ferienimmobilien. Ein Ferienhaus in Röbel, zehn Jahre alt und in dritter Reihe, soll 379 000 Euro bringen. Wahrscheinlich ist es der angepriesene Müritzblick, der hier mit bezahlt werden muss.
Fazit unseres Experten: „Ich persönlich würde mit dem Kauf einer Gebraucht-Immobilie in der Müritz-Region noch ein bisschen warten. Wir sind kein Ballungsgebiet, auf das es Groß-Investoren abgesehen haben, die Menschen haben weniger Geld in der Tasche, die Zinsen steigen, deshalb wird die Nachfrage sinken und damit gehen auch die Preise runter. Vor allem die vielen unrealistischen.“








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