Manche Geschichten sind nicht zu Ende, auch wenn es zunächst so aussieht. Und bei einigen gibt’s sogar ein unerwartetes Happy Ende. So in unserem Fischotter-Fall vom vergangenen Freitag. Wie berichtet, wurde in der Helmut-von-Gerlach-Straße ein Fischotter angefahren und verletzt, der Fahrer stoppte nicht. Eine junge Warenerin, die mit ihrer fünfjährigen Tochter unterwegs war, hat nicht weggesehen, sondern kümmerte sich. Das offensichtlich sehr verletzte Tier schleppte sich zu einer Mülltonne und versteckte sich dort. Die Mami suchte zunächst Hilfe in der Tierklinik und rief später die Polizei. Wie berichtet, sind die Beamten davon ausgegangen, dass der Fischotter verstorben ist, doch – er hat offenbar überlebt.
Hier die ganze Geschichte und auch ein Statement von Dr. Holger Nietz von der Tierklinik:
Die junge Warenerin hat, so die Polizei, alle richtig gemacht, von den Beamten gab’s dafür ein Lob. „Am Einsatzort fanden die Beamten einen bewusstlosen, schwerst verletzten Otter vor. Aufgrund dieser Situation vor Ort und ersten Informationen darüber, dass der Otter durch Fachleute sehr wahrscheinlich nur noch erlöst wird, gab es keine Hinweise auf einen möglicherweise anderen Ausgang. Nach dem Einsatz hatte die Polizei keine aktuellen Informationen mehr über den Zustand des Tieres. Umso mehr freuen sich die am Einsatz beteiligten Kollegen natürlich , dass es der Otter offenbar geschafft hat“, so die Polizei auf erneute Nachfrage von „Wir sind Müritzer“.
Das ist passiert: Die Beamten wollten den Stadtförster rufen, konnten ihn jedoch nicht erreichen. Also wandten sie sich an Jobst-Peter Brach, der schon häufiger geholfen hat, wenn Wildtiere in Not waren. Jobst-Peter Brach wollte sich gerade auf den Weg machen, als ein befreundeter Jäger anrief. Der erklärte sich umgehend bereit, in die Gerlachstraße zu fahren. Die Verletzung am Kopf des Fischotters blutete inzwischen nicht mehr, so dass sich der Jäger entschied, das Tier in eine Hundebox zu sperren und zur Feisneck zu fahren. Dort soll er dann frohen Mutes in Richtung Ufer gelaufen sein. Der erfahrene Jäger geht davon aus, dass er überlebt hat.
Schutzgebühr mit Tierschutz vereinbart
In der Kritik stand nach der Veröffentlichung auf „Wir sind Müritzer“ auch die Tierklinik, weil ein Mitarbeiter der jungen Frau am Telefon gesagt haben soll, dass sie das verletzte Tier selbst in die Praxis bringen und eine Schutzgebühr fürs „Erlösen“ zahlen soll.
Wir haben mit dem Chef der Klinik, Dr. Holger Nietz, gesprochen. Er gibt zu, dass der Mitarbeiter sich am Telefon vielleicht nicht so klar ausgedrückt und zu wenig erklärt hat. „Wenn kranke und verletzte Wildtiere gefunden werden, haben wir häufig gar keine Möglichkeit, zu unterstützen. Jetzt im Frühjahr wird es sicherlich wieder sehr viele ‚Nestlinge‘ geben, die von Passanten gefunden werden. Wir können sie nicht aufnehmen, weil wir gar nicht die Voraussetzung haben, sie wochenlang artgerecht zu betreuen“, sagte Holger Nietz. Häufig komme es auch vor, dass Schwäne oder Enten gebracht werden. „Dann passiert Folgendes: Wenn wir die Tiere erlösen müssen, bringen wir sie anschließend zum Verbrennen. Dabei entstehen Kosten. Mit dem Tierschutzverein gibt es eine Vereinbarung, dass wir eine Schutzgebühr von 10 Euro erheben, um wenigstens einen Teil der Kosten aufzufangen“, erklärt der Chef der Tierklinik.
Fischotter-Vorfälle gebe es eigentlich eher selten. In diesem Jahr sei das aufgrund der langen Eisperiode aber anders. Die Tiere würden die Wasserlöcher nicht finden und dann umher irren. Passanten, die auf sie treffen, sollten die Tiere lieber in Ruhe lassen, um sie nicht noch mehr zu verwirren.
Für einen Fischotter, der vor rund zwei Wochen auf dem Schweriner Damm angefahren wurde, gab es leider kein Happy End, er verstarb noch auf der Fahrbahn.











