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Der Arbeitsmarkt im März: Zahl der Arbeitslosen gesunken

1. April 2021

„Die Corona-Pandemie lastet auch ein Jahr nach Beginn des ersten Lockdowns auf dem Arbeitsmarkt in der Seenplatte – auch wenn die Frühjahrsbelebung die Arbeitslosenzahlen im März wieder hat sinken lassen. Derzeit ist die Zahl der Arbeitslosen um über 1.000 höher als vor der Krise. Allerdings sind die Stellenanzeigen wieder auf Vorkrisenniveau. Und das Kurzarbeitergeld trägt entscheidend dazu bei, dass der Arbeitsmarkt den Corona-Maßnahmen relativ gut standhält,“ kommentiert der Vize-Chef der Neubrandenburger Arbeitsagentur, Stephan Bünning, die aktuellen Arbeitslosenzahlen des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte.
Im März waren in der Seenplatte 341 Menschen weniger arbeitslos gemeldet als im Februar. Insgesamt 12.475. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 9,6 Prozent. Im Vergleich zum März des Vorjahres sind es 1.072 Arbeitslose mehr.

Stephan Bünning: „Trotz der Eindämmungsmaßnahmen in der andauernden Covid-19-Pandemie haben die Vorboten der saisonalen Frühjahrsbelebung die Arbeitslosenzahlen im März in der Seenplatte wieder unter die 12.500er Marke sinken lassen. So hat die Zahl der Arbeitsaufnahmen deutlich zugenommen, die Entlassungen abgenommen und die Stellenanzeigen sind auf Vorkrisenniveau.“ Insbesondere trägt das Kurzarbeitergeld dazu bei, „dass der Arbeitsmarkt den Corona-Maßnahmen relativ gut stand hält“, betont Bünning. „Mussten sich zum Anfang dieses Jahres noch 1.300 Männer und Frauen nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes arbeitslos melden, waren es im März mit 658 die Hälfte. Und konnten im Februar 503 Männer und Frauen ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme eines neuen Jobs beenden, waren es in diesem Monat mit 804 fast doppelt so viele“, erklärt Bünning.

Ohne Kurzarbeit läge die Arbeitslosigkeit noch einmal deutlich höher. Im März wurde für 323 Menschen im Landkreis vorsorglich Kurzarbeit angezeigt – 1.904 weniger als im Februar. Nach aktuellen Hochrechnungen befanden sich im Oktober 2020, 2.065 Mitarbeitende aus 437 Unternehmen in Kurzarbeit.

Auswirkungen auf die Langzeitarbeitslosigkeit

Die Langzeitarbeitslosigkeit hat seit 2005 kontinuierlich abgenommen. Die stabile Arbeitsmarktlage der vergangenen Jahre hat die Beschäftigungsaufnahme von Langzeitarbeitslosen begünstigt.

„Der Arbeitsmarkt in der Seenplatte ist keinesfalls immun gegen die Sars-Cov-2-Virus ausgelöste Krise,“ sagt Bünning. Die Corona-Pandemie hat im Frühjahr (April und Mai) 2020 zu einem ungewöhnlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt. Mit etwas zeitlichem Abstand ist auch die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen wieder deutlich gestiegen. Im März 2021 lag die Zahl langzeitarbeitsloser Menschen bei 5.374 und damit fast so hoch wie zuletzt im Juni 2018 (5.404). „Dabei wirken zwei Faktoren besonders: Langzeitarbeitslose, die es ohnehin schwerer auf dem Arbeitsmarkt haben, können ihre Arbeitslosigkeit nicht beenden. Gleichzeitig stellen Betriebe wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage weniger Menschen neu ein: Damit steigt auch das Risiko, dass aus Kurzzeitarbeitslosen Langzeitarbeitslose werden. Die Übertritte in Langzeitarbeitslosigkeit haben sich zuletzt deutlich erhöht.“

Höheres Risiko für gering Qualifizierte

In der aktuellen Krise haben besonders gering qualifizierte Arbeitslose ein erhöhtes Risiko, „dass aus kurzfristigem Jobverlust Langzeitarbeitslosigkeit wird“, weiß der Arbeitsmarktexperte. „Sie wurden als erstes entlassen. Gleichzeitig sind ihre Chancen auf eine Neueinstellung derzeit noch geringer als ohnehin. Dazu kommt, dass die zunehmende Dauer von Arbeitslosigkeit ein Vermittlungshemmnis für sich darstellt.“ Um dies möglichst zu vermeiden, verfolgen Arbeitsagentur und Jobcenter im Landkreis derzeit im Wesentlichen diese Strategien: „Den Übergang von Kurzzeit- zu Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden – durch Vermittlung in eine Beschäftigung oder eine abschlussorientierte Qualifizierung. Gleiches gilt für Personen, die bereits langzeitarbeitslos sind und bei denen eine erfolgreiche abschlussorientierte Weiterbildung sinnvoll und realistisch ist.

ZAHLEN –  DATEN –  FAKTEN zur Langzeitarbeitslosigkeit

  • März 2021: 5.374 Langzeitarbeitslose (+1.103, +26 Prozent gegenüber dem VJM)
  • Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit fällt damit deutlicher aus als bei der Arbeitslosigkeit insgesamt (+9,4 Prozent)
  • vier von zehn (39 Prozent) Langzeitarbeitslosen haben keinen Berufsabschluss
  • 4 Prozent sind unter 25 Jahre
  • 50 Prozent sind 25 bis unter 50 Jahre
  • 46 Prozent der Langzeitarbeitslosen sind 45 Jahre und älter
  • Zu- und Abgänge

In Waren eine Zunahme von 16 Prozent

658 Männer und Frauen mussten sich im März nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes in der Seenplatte neu oder erneut arbeitslos melden. Das sind 82 oder 11 Prozent weniger als im Februar. 61 oder 8 Prozent weniger als im März 2020.

804 Arbeitslose konnten ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt beenden. Das sind 271 oder 25 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Damit übersteigen im März die Arbeitsaufnahmen (804) die Arbeitslosmeldungen aus Beschäftigung (658).

Nach Personengruppen entwickelte sich die Arbeitslosigkeit recht unterschiedlich, allerdings waren bei allen Anstiege gegenüber dem Vorjahresmonat zu verzeichnen. Die Spanne der Veränderungen reicht im März von +4 Prozent bei 50-Jährigen und Älteren bis +23 Prozent bei Ausländern.

Insgesamt 4.238 Personen erhielten im März Arbeitslosengeld, 388 mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im März bei 15.568. Gegenüber März 2020 war dies ein Rückgang von 898 Personen.

Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen ist auf 2.570 Stellen gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat (März 2020) bedeutet dies ein Anstieg von 40. Die Arbeitskraftnachfrage der Unternehmen lässt sich eindeutiger am Zugang an offenen gemeldeten Stellen ablesen: Im Vergleich zum Vormonat ein Rückgang des Stellenzugangs um 7 – zum Vorjahresmonat um 90.

Die größte Nachfrage gab es im März aus den Bereichen: Baugewerbe (345 freie Stellen im Bestand); Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (339), im verarbeitenden Gewerbe (291); Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (265); Gastgewerbe (264) sowie Callcenter und Zeitarbeit (223).

Im Agenturbezirk Neubrandenburg entwickelte sich der Arbeitsmarkt im März relativ einheitlich. In allen Regionen war im Vergleich zum Vorjahresmonat eine Zunahme zu verzeichnen. Vergleichsweise günstig war die Veränderung der Arbeitslosigkeit in Demmin; dort stieg der Bestand an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat um 1 Prozent. Demgegenüber steht die Entwicklung in Waren mit einer Zunahme von 16 Prozent.


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