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Feuerwehrfrau aus Leidenschaft: Ein Porträt zum Weltfrauentag

8. März 2019

Zum heutigen Weltfrauentag wird wieder viel debattiert. Dabei stehen die Themen Frauenquote und Gleichberechtigung ganz oben auf der Liste. Isabell Loskant (19) aus Bütow bei Röbel zeigt – es geht auch ganz ohne Debatten. „Anpacken, dabei sein und vor allem helfen“, sagt die 19-jährige Auszubildende.
Vor wenigen Monaten zog Isabell in die Landeshauptstadt Schwerin und begann eine Ausbildung zur Tischlerin. Dabei will sie es aber nicht belassen: „Wenn ich fertig bin, will ich Produktdesign studieren“, sagt sie.
Seit ihrer Kindheit ist Isabell in der Feuerwehr. Eine kleine Wehr am Südzipfel des Landkreises Mecklenburgische-Seenplatte. Hier fühlt sie sich wohl, hier hat sie ihre Freunde, und hier kennt sie jeden. Doch viele junge Menschen wandern ab. Daran hat sich auch in den letzten Jahren nichts geändert. Und so fehlt Isabell auch in ihrer Feuerwehr auf dem Land. Zwar steht Bütow mit 25 Aktiven überdurchschnittlich gut da, trotzdem fehlt sie ihren Kameraden. „Wir müssen um jede Mitgliedschaft, um jeden Einzelnen kämpfen“, sagt Wehrführer Renè Martin.

Die Statistik beweist es: Die Frauenquote in den Feuerwehren ist nach wie vor schlecht. So beträgt der Frauenanteil in den Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland nur rund 8,5 Prozent (Stand 2018). Zu wenig, meint auch René Martin. „Aus Erfahrung der letzten Jahre wissen wir – Frauen haben bei Einsätzen häufig einen anderen Blick auf das Geschehen. Und genau dieser Blick ist auch sehr hilfreich“, meint Martin. In der Bütower Wehr hat sich Isabell in den letzten Jahren immer weiter schulen lassen. Demnächst absolviert sie die Ausbildung zur Atemschutzgeräteträgerin. „Die Funkausbildung habe ich schon“, sagt Isabell stolz.

Isabell ist ein Ausnahmetalent

Die Liebe zur Feuerwehr liegt Isabell wohl im Blut: Ihr Papa ist seit 36 Jahren im aktiven Dienst der Feuerwehr Bütow. Und Marie, ihre elfjährige Schwester, mischt schon seit einigen Jahren in der Jugendfeuerwehr mit. Papa Gerhard Loskant (53) ist natürlich stolz auf seine Tochter. „Isabell ist handwerklich begabt, genau das brauchen wir in der Feuerwehr“, sagt Loskant. Nicht ihr einziges Talent: Bis zum Abitur 2018 spielte Isabell Akkordeon und trat mit ihrem Orchester sogar im Friedrichstadtpalast in Berlin auf. In der Feuerwehr kümmert sie sich bei Veranstaltungen und Wettkämpfen um die Organisation.

Psychische Grenzen: Furchtbare Einsätze und Beschimpfungen

Mit ihren 19 Jahren hat Isabell bereits viel erlebt. Sie war bei Großbränden im Einsatz und half, verletzte Insassen aus völlig zerstörten Unfallwracks zu befreien. „Man funktioniert einfach nur. Ich weiß ja, was zu tun ist. Natürlich ist es manchmal nicht leicht, aber wir reden darüber ja auch in der Feuerwehr“, sagt Isabell selbstbewusst. „Hin und wieder fehlt mir ein bisschen die Wertschätzung. Neulich waren wir bei einem Unfall, und da hat mir ein aufgebrachter Autofahrer vor die Füße gespuckt“, berichtet sie. Auch aus anderen Teilen der Republik werden immer öfter Angriffe auf Rettungskräfte vermeldet. Damit kann sie umgehen, aber auch intern muss sich die junge Fau behaupten: „Manchmal ist es schwieriger, sich gegen die männlichen Kameraden durchzusetzen. Insbesondere gegen ältere“, verrät die Auszubildende.

Viele Feuerwehren im Land haben große Probleme bei der Nachwuchsgewinnung. Am Beispiel von Isabell zeigt sich deutlich, wie wichtig die Schaffung von Perspektiven für junge Leute ist. „Wenn wir Jugendlichen auf dem Dorf eine Zukunft geben, bleiben uns auch die Feuerwehren erhalten“, ist Wehrführer Renè Martin überzeugt.

Quelle: Nonstopnews Müritz


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