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Große Drogenrazzia an der Müritz beschäftigt Justiz immer noch  

4. Dezember 2021

Mehr als drei Jahre nach einer Großrazzia in Waren, Möllenhagen, Klein Plasten und später in Lübz, Hamburg, Rheinsberg und Gransee – bei denen es um größere Drogengeschäfte ging – wird am Landgericht Neubrandenburg immer noch verhandelt. Angeklagt ist ein ehemaliger Bundeswehrangehöriger  aus Waren. Der Mann war zwar schon vor längerer Zeit zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Beihilfe verurteilt worden, hatte dagegen aber Revision eingelegt. Nun läuft dieser Revisionsprozess.

Im Gegensatz dazu sind die Strafen für die damaligen Haupttäter – zwei 41 und 30 Jahre alte Männer aus Möllenhagen und Waren – in Teilen bereits verbüßt. Der Mann, den sie damals “Imperator” nannten und sein jüngerer “Helfer” wurden 2020 zu drei Jahren und drei Monaten Haft sowie zu zwei Jahren und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Sie hatten  Geständnisse abgelegt und waren wegen Drogenhandels in größerem Stil schuldig gesprochen worden. Wegen der langen U-Haft dürften beide inzwischen wieder auf freiem Fuß sein.

Der 41-Jährige hatte da bereits 22 Monate U-Haft verbüßt. Er hatte in seinem letzten Wort damals im Prozess erklärt, er wolle “ein anderes Leben anfangen.” Sein Bekannter sagte, er wolle wegziehen und ein neues Leben anfangen. Nur der Prozess gegen den Ex-Bundeswehrmann, der zum Führungstrio gerechnet wurde, war abgetrennt worden, jetzt läuft der Revisionsprozess.

Die Bande von der Müritz hatte damals viele Geschäftsverbindungen. Die Polizei war ihnen durch Zufall auf die Spur gekommen, weil im Auto eines Unfalltoten im Sommer 2017 Drogen entdeckt wurden. Danach überwachten die Beamten monatelang Bekannte aus dem Umfeld des Opfers, das ebenfalls von der Müritz kam.

Sie erkannten, dass das Führungsteam über Boten immer wieder größere Mengen Drogen heranschaffen ließ. Einmal 6,6 Kilogramm Marihuana, dann 4 Kilogramm Amphetamine, größere Mengen Kokain und einmal 10 Kilogramm Marihuana. Lager gab es etliche, wie ein Zeuge aus einem Dorf bei Waren erklärte.

Der jetzige Angeklagte soll damals die Kontakte zur “Rheinsberg-Connection” vermittelt haben, heißt es in der Anklage. Der Warener hat auch schon neun Monate U-Haft verbüßt und will mit der Revision erreichen, dass er weniger als zweieinhalb Jahre Haft bekommt. Ob das klappt, soll Mitte Dezember feststehen. Die Staatsanwaltschaft hatte im ersten Prozess sogar mehr als vier Jahre Haft für den Mann verlangt.

Bei Verhandlung vor wenigen Tagen wurden unter anderem Videos von einer Durchsuchung in seiner Wohnung gezeigt: Dort waren mehrere Pistolen, Munition, Messer, eine Unzahl an szenetypischen Drogengeräten, abgezähltes Bargeld, etliche Handys und eine Tüte mit einem Kilogramm Cannabis, das in seinem Carport gefunden wurde, zu sehen. Verteidiger Peter-Michael Diestel wollte allerdings bezweifeln, dass der Angeklagte die grüne Plastiktüte dort versteckt haben soll. Der Carport war für jeden frei zugänglich und sein Mandant hätte sicher ein etwas besseres Versteck gewählt, sagte Diestel.

Der Angeklagte hatte im ersten Prozess eingeräumt,  dass er von den Drogentätigkeiten seines “Generals” gewusst habe. Dessen Wort sei “Gesetz gewesen.”

Der Prozess wird in Kürze fortgesetzt.


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