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Jabeler Bürgermeister-Kandidatin kämpft für Umgehung

21. April 2019

Die Straße durch die Urlauber-Gemeinde Jabel soll saniert und ausgebaut werden. Doch das ist nicht für alle Einwohner ein Grund zur Freude. Im Gegenteil: Die Anlieger befürchten, dass der ohnehin schon starke Verkehr in ihrem Dorf weiter zunimmt, dass Radler den Ort künftig meiden und insbesondere Kinder arg gefährdet sind. Die Lösung des Problems wäre nach Meinung vieler Jabeler eine Ortsumgehung, doch dafür kämpfen sie schon mindestens 20 Jahre erfolglos.
Dabei, so die Befürworter, wäre eine Umgehung entlang der Bahnlinie unkompliziert umsetzbar. Zu den „Kämpfern“ für die Ortsumgehung gehören Ulrich Hahn, 54 Jahre alt und viele Jahre Gemeindevertreter, sowie Heike Sigrun Ott, die viele Müritzer als die Top-Schwimmerin Heike Braun kennen. Sie ist seit acht Jahren Gemeindevertreterin und kandidiert im Mai für den ehrenamtlichen Bürgermeister-Posten in Jabel.

Vor einigen Wochen haben die Befürworter der Ortsumgehung erneut Unterschriften – zum wohl schon fünften oder sechsten Mal – für die neue Straße gesammelt. Und an die jetzigen Gemeindevertreter übergeben. „Das Bürgerreferendum zur Ortsumgehung wurde von den Gemeindevertretern mehrheitlich abgelehnt, nur ich habe dafür gestimmt. Wir empfinden das als Schlag ins Gesicht der betroffenen Bürger, denn der jetzige Zustand gefährdet die Gesundheit und das Wohlbefinden vieler Einwohner“, so Heike Ott.

Die 57-Jährige ist Lehrerin an der Beruflichen Schule, hat aber keine Angst davor, neue Aufgaben als ehrenamtliche Bürgermeisterin in ihrem Dorf zu übernehmen. Und sie hat ein Vorbild. Ein junges Vorbild: „Ich bewundere Enrico Malow in Grabowhöfe. Er ist wirklich unheimlich engagiert und für seine Bürger immer ansprechbar, so möchte ich auch arbeiten“, sagt Heike Ott, die sich mehr Transparenz auf die Fahnen geschrieben hat und seit rund 30 Jahren Mitglied der CDU ist.

Lkw-Fahrer wollen Maut umgehen

Der Ausbau der Straße in Jabel soll rund 1,2 Millionen Euro kosten, für die etwa 700 Einwohner bringe er aber wenig oder gar nichts, meinen die Befürworter der Ortsumgehung. „Der Schwerlastverkehr kommt dann noch besser durch. Er hat ohnehin schon extrem zugenommen, weil man die Maut-Strecken umgehen möchte“, meint Ulrich Hahn, der als parteiloser Kandidat für die CDU in die Gemeindevertretung einziehen möchte.

„Unser Dorfleben findet quasi nicht mehr statt. Gespräche über den Gartenzaun wie früher gibt es einfach nicht mehr. Die Straße teilt unser Dorf“, sorgt sich Heike Ott, die sich in den vergangenen Jahren auch für Tempo 30 in Jabel eingesetzt hat – vergebens. Dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung nötig ist, merkt jeder, der mal für ein paar Minuten an der Straße durch den Ort steht – selbst die 50km/h scheinen etlichen Autofahrern noch zu wenig zu sein.

Die vielen Befürworter der Umgehung können die Haltung der Gemeindevertreter nicht nachvollziehen, haben aber auch eine Vermutung, warum einige der ehrenamtlichen Politiker die Umgehungstrasse ablehnen: „Ein Solarunternehmen möchte seine Anlage erweitern – ausgerechnet da, wo die Umgehung entlang führen würde“, mutmaßt Ulrich Hahn.

Entmutigen lassen sich Heike Ott, ihr Mann Ekkehard, Ulrich Hahn und die vielen anderen Mitstreiter nicht. „Dafür ist die Sache viel zu wichtig.“

Foto oben: Bürgermeister-Kandidatin Heike Sigrun Ott, ihr Mann Ekkehard (links) und Ulrich Hahn.


10 Antworten zu “Jabeler Bürgermeister-Kandidatin kämpft für Umgehung”

  1. Katrin sagt:

    Liebe Frau Ott, ich finde es sehr befremdlich wie Sie unser Dorf „schlecht“ machen. Ein Großteil der Bürger hier befürwortet mittlerweile die Erneuerung der Ortsdurchfahrt, da der Bau einer Umgehungsstraße utopisch ist. Das hat uns das Straßenbauamt mehrfach erläutert.
    Was mich am meisten bei Ihrem Artikel ärgert, ist Ihre Behauptung das Dorfleben fände quasi nicht mehr statt. Entschuldigen Sie , aber wenn man nie im Dorf unterwegs ist und zu keiner Dorffeier kommt, dann kriegt man von unserem tollen Dorfleben auch nix mit.
    Dann vergessen Sie, das das Bürgerbegehren durch die Gemeindevertretung nicht abgelehnt wurde, weil niemand eine Umgehungsstraße möchte. Das Bürgerbegehren war schon formal nicht rechtmäßig.
    Warum sollte der Verkehr noch mehr zunehmen und Radler den Ort meiden? Warum sollten die Kinder noch mehr gefährdet sein?
    Im Gegenteil, die Einfahrt ins Dorf wird durch Verkehrsinseln abgebremst, der Gehweg wird vergrößert, die Beleuchtung erneuert. Und dann soll es für Kinder gefährlicher werden? Ich persönlich bin froh das die Ortsdurchfahrt erneuert und verbessert wird und bereue es mittlerweile für das Begehren unterschrieben zu haben.

  2. Kronhagel sagt:

    So kann man auch Wahlpropaganda machen,aber nur Mutmaßungen sind nicht genug.Die Straße muss so oder so erneuert werden und das ist gut so.

  3. Helmut sagt:

    Entschuldigung, aber wohnt nicht der ehemalige Bürgermeister von Waren auch in Jabel. Fragt mal nach seiner Meinung !!!

  4. Thomas sagt:

    Und wieder Lobgesänge auf CDU-Leute. Langsam wird es ja unangenehm auffällig.

  5. Balou sagt:

    Ortsumgehung und Klimawandel,das sind wohl im Moment so Modetrends.
    Vieleicht mal mit Greta Thunberg versuchen oder Fridays for Ortsumgehung.

  6. Frau Seidel sagt:

    Ich finde das Engagement von Frau Ott super.
    Eine Entlastung der Anwohner durch eine neue Umgehungsstraße für die Ortsdurchfahrt von Jabel wäre sehr gut.
    Ist es nicht allgemein bekannt, dass „glatte und toll ausgebaute“ Straßen immer mehr Verkehr anziehen? Und was ist damit unzweifelhaft verbunden?
    Mehr Lärm und Erschütterungen für die Anwohner,
    immer mehr Luftschadstoffe und klimaschädliches CO2,
    und es entstehen zusätzliche Gefahren für die Sicherheit der Anwohner, besonders für Kinder, Alte und Schwächere wie z.B. auch für die Radfahrer.
    Und genau deshalb stimme ich dem Anliegen von Frau Ott und Herrn Hahn zu, das Gemeindegeld nicht in den Ausbau der vorhandenen Dorfstraße zu stecken.
    Immer mehr Verkehr ist nicht gut für die Anwohner.

  7. Grit sagt:

    Der CO2-Ausstoß sowie die Absonderung von Luftschadstoffen bleibt unverändert, egal, wo die Autos (deren Zahl sich ja duch eine Umgehungsstraße nicht verändert) langfahren. Warum sollten nach Sanierung plötzlich mehr Leute durch Jabel fahren?? Nur weil die Dorfstraße (die jetzt ja auch nicht wirklich hundsmiserabel ist – da kennen wir im Umkreis ganz andere Hoppelwege) erneuert wurde? Seltsame Logik. Man fährt durch den Ort, weil man hier langfahren kann bzw. muss, wenn man sein Ziel erreichen will. Sonst nicht. Ich kenne kaum jemanden, der einfach mal so rumkurvt, um dabei neu ausgebaute Straßen zu testen.

    Wieso eine ausgebaute Dorfstraße mit Radweg zudem das Dorfleben schmälern sollte, erschließt sich auch mir nicht. Und Umweltaktivisten (zu denen sich Frau Ott zählt, wie ich denke) sollten ggf. die berechtigte Frage stellen, inwieweit es aus umweltfreundlicher Sicht besser ist, ein weiteres Stück Erde zuzubetonieren. Die neue Straße würde neben der relativ ruhigen, nur durch die (für uns Anwohner wichtige) Kleinbahn zwischen Malchow und Waren befahrenen Bahnstrecke die Wiesen zwischen dem (Motorbooten nicht zugängigen) Loppiner See und dem anderen Dorfrand belasten. Hier ist viel Wild unterwegs, hier rasten Wildgänse und bei akribischer Suche finden sich ganz sicher auch die ein oder andere seltene Kröte und ein totgeglaubtes Insekt.
    Verständlicherweise haben natürlich gerade die Jabeler mit direkter Lokalisation ihres Grundstücks an der Dorfstraße großes Interesse daran, dass der Verkehr woanders langführt. Aber eine Verkehrsberuhigung (mit Inseln, Regelung der Geschwindigkeit und ggf. auch LKW-Verbot) sollte hier effektiv Abhilfe bringen. Dafür muss nicht noch ein Betonstreifen in die Gegend gezimmert werden.

    Das Dorfleben in Jabel wird durch engagierte Vereine sowie Einzelpersonen gestaltet UND durch respektvollen Umgang mit seinen Nachbarn plus den Begleiterscheinungen Toleranz, Verständnis und offener Kommunikation. Funktioniert aber nicht überall, wie Frau Ott sicher weiß. Eine Umgehungsstraße, unter welcher dann auch die ansässigen Gaststätten leiden, würde daran nichts ändern.

  8. Raoul Bajorat sagt:

    Es ist mir absolut unverständlich, wie man mit Argumenten des Naturschutzes FÜR eine Ortsumgehung plädieren kann. Ortsumgehung bedeutet ja nicht Rückbau der alten Strasse, sondern kilometerweise neuen Asphalt, also mehrere Hektar (selbst bei der Umgehung kleiner Dörfer) kompletter Bodenversiegelung zu Lasten von Wald, Wiese, Feuchtgebieten. Also Lebensraum für Flora und Fauna.

    Gelebter Naturschutz und Lärmschutz heißt: Keine neue Strasse bauen, die bestehende aber tip top in Ordnung zuhaben (glatter Asphalt führt zu weniger Laufgeräusch), keine „Schikanen“ in Form von Schwellen, denn das Abbremsen und anschließende Beschleunigen macht wieder Krach und kostet Energie, erzeugt also extra Abgase. Dafür Tempo 50 strikt durchsetzen mit Kontrollen.

  9. Grit sagt:

    Engagement ist sicher meist eine gute Sache. Aber in diesem Fall??

    Die Jabeler Ortsdurchfahrt ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich katastrophal schlecht, die Staße in gutem Zustand. Da kenne ich wirklich viel schlimmere Hoppelwege im Umkreis. (Im Hinblick auf die Radfahrer und deren Sicherheit muss allerdings wirklich was getan werden.) Inwiefern eine sanierte Dorfstraße mit ausbremsenden Verkehrsinseln mehr Autofahrer zur Fahrt über Jabel animieren sollte, ist mir nicht klar. Seltsame Argumentation, Frau Seidel. Die meisten Menschen fahren eine Strecke, weil sie ein bestimmtes Ziel haben und nicht, weil sie denken „Oh! Wow! Neu ausgebaute Straße, da kauf ich mir glatt ein Auto und fahre mal lang.“ Lediglich Urlauber kurven umher, um sich die Gegend anzusehen. Und im Interesse der ansässigen Gaststätten sollten diese wohl kaum um den Ort herumgeführt werden.

    Auch das Argument hinsichtlich des CO2-Ausstoßes ist aus den oben genannten Gründen irrelevant. Der bleibt gleich, egal wo die Leute langfahren. Um diesen nachhaltig zu senken, müssten wir sämtliche Autos wegrationalisieren und wieder auf Pferde und Rinderkarren umsteigen. Aber da kommt dann aufgrund der pupsenden Kühe wieder die Sache mit dem Methan ins Spiel …

    Wieso eine ausgebaute Dorfstraße mit Radweg das Dorfleben schmälern sollte, erschließt sich mir überdies auch nicht. Und Umweltaktivisten (zu denen sich Frau Ott zählt) sollten ggf. die berechtigte Frage stellen, inwieweit es besser ist, ein weiteres Stück Erde zuzubetonieren. Die neue Straße würde neben der relativ ruhigen, nur durch die (für uns Anwohner wichtige) Kleinbahn zwischen Malchow und Waren befahrenen Bahnstrecke die Wiesen zwischen dem (Motorbooten nicht zugängigen) Loppiner See und dem anderen Dorfrand belasten. Hier ist viel Wild unterwegs, hier rasten Wildgänse und bei akribischer Suche finden sich ganz sicher auch die ein oder andere seltene Kröte und ein totgeglaubtes Insekt.
    Verständlicherweise haben natürlich gerade die Jabeler mit direkter Lokalisation ihres Grundstücks an der Dorfstraße großes Interesse daran, dass der Verkehr woanders langführt. Aber eine Verkehrsberuhigung (mit Inseln, Regelung der Geschwindigkeit und ggf. auch LKW-Verbot) sollte hier effektiv Abhilfe bringen. Dafür muss nicht noch ein Betonstreifen in die Gegend gezimmert werden.

    Das Dorfleben in Jabel wird durch engagierte Vereine sowie Einzelpersonen gestaltet UND durch respektvollen Umgang mit seinen Nachbarn plus den Begleiterscheinungen Toleranz, Verständnis und offener Kommunikation. Funktioniert aber nicht überall, wie Frau Ott sicher weiß. Eine Umgehungsstraße, unter welcher dann auch die ansässigen Gaststätten leiden, würde daran nichts ändern.

  10. Fred Zentner sagt:

    Fred Zentner

    Der Beitrag enthält einige Aussagen, die nicht korrekt sind.
    Lt. § 20 Abs. 5 und §§ 14 bis 18 DVO war das Bürgerbegehren in der Durchführung nicht zulässig. Die Mitglieder der GV haben also nicht gegen ein Bürgerbegehren entschieden, sondern die Art und Weise der Ausführung. Es gab also gar keine andere Wahl. Da haben die Initiatoren leider ihre Hausaufgaben nicht richtig gemacht. Zu den rechtlichen Prüfungen des Amtes und der damit verbundenen Ablehnung eines Bürgerbegehrens erklärte ein Mitglied der Bürgerinitiative am 30.01. auch sein Einverständnis. Nun zu behaupten das die Gemeindevertreter gegen eine Ortsumgehung sind, ist eine Verdrehung von Tatsachen. Alles nachzulesen im Protokoll der Sitzung vom 19.12.2018.
    Weiterhin wird verschwiegen, das neben dem Ausbau der Ortsdurchfahrt auch die marode Straßenentwässerung saniert wird. Von dieser werden vor allem die direkten Anlieger profitieren. Der nächste Starkregen kommt bestimmt.
    Auch die Hauptwasserleitung wird so überprüft und wo notwendig erneuert werden können. Bereits vor drei Jahren war eine Notreparatur notwendig.
    Die Sanierung der Durchfahrt sollte eher als Glücksfall für die Gemeinde Jabel betrachtet werden. Neben der schon lange fälligen Verschönerung des Dorfbildes und der Verbesserung der Verkehrssicherheit werden eben auch andere unaufschiebbare Maßnahmen erledigt. Die Gemeinde trägt nur einen Bruchteil der Kosten.
    Über den neuen Fußgängerüberweg kann man dann auch problemlos zu seinen Nachbarn auf der anderen Straßenseite gelangen und sich überzeugen, das es durchaus ein reges „Dorfleben“ gibt.
    Im übrigen setzten sich die „Freien Wähler“ für den Erhalt und den Ausbau der Südbahn sowie des Radwegenetzes ein.
    Das sind Möglichkeiten die Verkehrsbelastung zu reduzieren und relativ kurzfristig Ergebnisse zu erreichen.
    Ein attraktiver, bedarfsgerechter Nahverkehr ist unabdingbar für unsere touristisch geprägte Region.
    Eine Umgehungsstraße kann ein Dorf auch spalten – siehe Klink.

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