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Kompartmentsyndrom nach einem Unterschenkelbruch – was ist das und wie wird es behandelt?

24. Mai 2020

Das MediClin Müritz-Klinikum versorgt auch in dieser Zeit täglich medizinische Notfälle wie zum Beispiel Unfallfolgen. Eine Therapie eines Bruches, wie sie nicht alle Tage vorkommt, wird derzeit in der Klinik für Chirurgie durchgeführt.
Dietrich Voß stürzte zu Hause sehr unglücklich  und kam anschließend am 9. April. über die Notaufnahme ins Warener Krankenhaus. Dort wurde ein komplizierter Unterschenkelbruch mit Beteiligung des Kniegelenkes am rechten Bein von den Chirurgen diagnostiziert.
Dieser sollte bis zur definitiven Versorgung mit einem sogenannten äußeren Spanner, der den Bruch vorübergehend halten sollte, versorgt werden. Es kam jedoch anders.

Aufgrund der Verschiebung des Bruches entwickelte sich plötzlich ein sogenanntes „Kompartment“ bei dem 67-Jährigen, und es musste sofort gehandelt werden.

Bei einem „Kompartment“ kommt es infolge eines Bruches zu einer übernormalen Druckerhöhung im umgebenden Gewebe, vor allem im Bereich der Muskeln. Der Verletze klagt zunehmend über Gefühlsstörungen der betroffenen Gliedmaße. Unbehandelt führt dieser Zustand zum „Absterben“ des Gewebes und schließlich zum Funktionsverlust. Aus diesem Grund musste Herr Voß unverzüglich operativ versorgt werden.

Neben der Anlage des bereits genannten äußeren Spanners erfolgte zusätzlich eine Entlastung des Unterschenkelgewebes durch Einschnitte. Diesen operativen Eingriff nahm Dr. Mario Wuschek vor. Er ist erfahrener Unfallchirurg und seit Januar dieses Jahres in der Klinik für Chirurgie in Waren tätig. „Um die Muskeln vom Druck zu befreien, haben wir den Unterschenkel längs mit allen dazu gehörigen Schichten  eröffnet. Die OP dauerte eine Stunde inklusive dem Anbringen des äußeren Spanners.

Der Schnitt an der Wade verblieb vorerst offen und wurde von uns mit einer Korsettnaht versorgt. Diese Nahtform machte es möglich, dass sich die beiden Schnittbereiche der Haut und des Gewebes schrittweise wieder annähern konnten, indem man sie stückchenweise zuzieht, sobald die Schwellung nachlässt. Bei der OP hat die Erhaltung der Funktion des Beines die höchste Priorität, nicht das kosmetische Ergebnis“ , erklärt Dr. Wuschek.

Innerhalb der nachfolgenden zwei Wochen erholte sich das unter „Überdruck“ gestandene Gewebe wieder vollständig. Nach dieser Zeit konnte der komplizierte Bruch des Unterschenkels definitiv durch Platten, Schrauben und Knochenersatzmaterial in weiteren operativen Eingriffen durch Dr. Wuschek und seine ärztlichen Kollegen der Orthopädie und Unfallchirurgie versorgt werden. Alle Operationen und zum Schluss auch noch eine Spalthautplastik hat Herr Voß gut überstanden.

Hauttransplantation für schnellen Wundverschluss

Die Spalthautplastik ist eine Form der Hauttransplantation, der man sich bei großen Hautdefekten bedient.  Dabei werden die obersten Hautschichten, z.B. in diesem Fall vom Oberschenkel des Patienten, mit einem speziellen Messer entnommenen. Das Hautstück wird dann auf einer Schablone ausgebreitet und spaltartig eingeschnitten, wodurch es deutlich vergrößert wird. Daraufhin wird die Haut auf den vorbereiteten Defekt verpflanzt und dort festgenäht. Die Haut wächst dann an der Stelle an und es kommt zu einem deutlich schnelleren Wundverschluss als üblich. Die Stelle am Oberschenkel, aus der die Haut entnommen wurde, kann wie eine Schürfwunde weiterbehandelt werden.

Die erfolgreiche Behandlung des Patienten in der Unfallchirurgie war unter anderem möglich durch eine gut funktionierende Teamleistung bestehend aus Schwestern, Physiotherapeuten und Ärzten. Herr Voß konnte am 18. Mai nach einem langen Krankenhausaufenthalt schlussendlich zufrieden und dankbar das Klinikum verlassen.


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