
Und genau das haben die Macher von „Löwenpitch“ erkannt. Sie entwickelten ein Event, um Talente zu finden. Und das geht so: Die Unternehmen – die Löwen – haben zehn Minuten Zeit, den anwesenden Interessenten ihre Firmen schmackhaft zu machen.
In dieser Woche hat „Löwenpitch“ im Warener „JOO“ Station gemacht. Drei Löwen traten an.
„Wir wollen, dass die jungen Leute in Mecklenburg-Vorpommern bleiben. Es ist leichter, sie hier zu behalten als sie zurückzuholen“, so das Anliegen von Robert Gardlowski und seinem Team. Mecklenburg-Vorpommern sei ein tolles Land zum Leben UND zum Arbeiten. Hier gebe es – anders als landläufig behauptet – nicht nur schlecht bezahlte Jobs in unmotivierten Teams, sondern sehr attraktive Arbeitgeber.

Der 46-jährige Firmenchef berichtete zunächst von den Anfängen, als er 1996 mit einem einzigen Kunden – seinem Opa – und einem Auto startete. Heute beschäftigt der Pflegedienst fast 60 Mitarbeiter. Mitarbeiter, die auf Kosten des Arbeitgebers ins Fitnessstudio gehen können, die gemeinsam joggen, die zweimal im Jahr die Kaffeekasse „verspeisen“ und einmal im Jahr auf „Klassenfahrt“ gehen.
Nicht nur Hintern abwischen
„Viele reduzieren unseren Beruf darauf, dass wir alten Menschen nur den Hintern abwischen müssen. Das ist völliger Quatsch. Unser Beruf ist sehr vielfältig und medizinisch gesehen auch äußerst anspruchsvoll“, so Praxisanleiter Joachim Stelter. Und sein Chef Heiko Quiram meinte abschließend: „Wer bei uns anfängt, muss damit rechnen, dass ihm der Beruf nachher Spaß macht.“

Strenge Zeitvorgaben
Regina Müller hatte es in Waren etwas schwerer, denn sie kam nicht aus der Müritz-Region, um Talente zu suchen, sondern aus Neubrandenburg. Die junge Frau ist Praxis-Anleiterin am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in der Viertorestadt und hat zum zweiten Mal beim „Löwenpitch“ mitgemacht. Doch trotz der Routine war auch sie eigenen Angaben zufolge mächtig aufgeregt. „Ihr“ Haus macht einen Jahresumsatz von mehr als 130 Millionen, hat über 40 000 „Gäste“ im Jahr und mehr als 1000 Betten. Und vor allem sehr vielfältige Berufe, die ausgebildet werden. So viele, dass Regina Müller die 10 Minuten Zeit zur Darstellung kaum reichten, um alle aufzuzählen. Doch da ist man beim „Löwenpitch“ streng – nach 8 Minuten gibt’s den ersten Hinweis, dass die Zeit knapp wird, nach zehn Minuten setzt Applaus ein.

Noch Luft nach oben
Übrigens: Während es bei vielen Veranstaltungen ja als unhöflich gilt, aufs Smartphone zu gucken, war das beim „Löwenpitch“ ausdrücklich erwünscht. Denn nach jeder Unternehmens-Vorstellung konnten die Gäste die Protagonisten bewerten. Per Smartphone. Dass das auch funktioniert, ist einem weiteren jungen Start-up-Unternehmen zu verdanken: tweedback.de – erfunden von Studenten der Uni Rostock und inzwischen als Firma buchbar.
Am besten haben sich nach Meinung der Besucher Heiko Quiram und Joachim Stelter verkauft. Sie gewannen in Waren – eine Urkunde und vielleicht auch neue Mitarbeiter. Denn das ist ja schließlich Sinn und Zweck des Events.
Fazit: Ein interessantes Format, für das die Gründer aber offenbar noch intensiver Klinkenputzen müssen. Denn die Zahl der interessierten Firmen hielt sich noch in Grenzen, genauso wie die der Besucher. Es hatten zwar deutlich mehr zugesagt, doch im „JOO“ blieben leider etliche Plätze leer. Aber da geht es den Erfindern dieses Events wie ihren „Gewinner-Löwen“– klein anfangen mit Opa als Kunden und wachsen – durch Qualität, Ausdauer und gutes Mitarbeiter-Klima.
Wir sind gespannt, ob die „Löwen“ Erfolg hatten und nach dem Warener Pitch neue Ausbildungsverträge schreiben können.














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