
Rund 75 Beschäftigte des MediClin Müritz-Klinikums sind gestern einem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di gefolgt und haben ihre Arbeit für einen Warnstreik niedergelegt. Hintergrund sind laut Angaben der Gewerkschaft bislang gescheiterte Gespräche mit der Geschäftsführung der Klinik zu Tarifverhandlungen für die nicht-ärztlichen Beschäftigten. „Vor über vier Monaten forderte ver.di die Geschäftsführung des Müritz-Klinikums zu Tarifverhandlungen für die nicht-ärztlichen Beschäftigten auf. Seitdem fanden drei Sondierungsgespräche statt, die jedoch zu keinem Ergebnis führten“, heißt es von der Gewerkschaft.
Im Müritz-Klinikum war die Versorgung der Patienten dennoch gesichert, wie der Ärztliche Direktor des Hauses, Dr. Stefan Bergt, gegenüber „Wir sind Müritzer“ bestätigte.
„Die Zwei-Klassen-Gesellschaft mit tarifierten Ärzten und den nicht-ärztlichen Beschäftigten ohne Tarifvertrag soll vonseiten des MediClin-Konzerns zementiert werden. Die Löhne der nicht-ärztlichen Belegschaft sind bisher unterhalb vergleichbarer Tariferhöhungen gestiegen, sodass die Beschäftigten mit einem Reallohnverlust konfrontiert sind. Neben geringeren Löhnen sind ferner branchenübliche Zusatzurlaube oder Zulagen für Schichtarbeitende am Müritz-Klinikum nicht existent,“ erklärt Gewerkschaftssekretär Friedrich Gottschewski.
Seit der Privatisierung des ehemaligen Kreiskrankenhauses im Jahr 2002 an den MediClin-Konzern gebe es für die nicht-ärztliche Belegschaft keinen Tarifvertrag mehr. Das ärztliche Personal des Müritz-Klinikums hingegen falle seit Juli 2025 unter einen konzernweiten Tarifvertrag der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. Aber auch diesen Anschluss mussten sich die Ärzte durch einen Streik im Winter 2025 erkämpfen.
„Während die Geschäftsführung Sondierungsgespräche in die Länge zog, sich keinen Millimeter auf uns zubewegte, haben wir etliche Zugeständnisse gemacht und sind weit über unsere Schmerzgrenzen hinaus gegangen. Wir haben alles versucht hat, um mit dem Arbeitgeber hier in einen vernünftigen Dialog zwischen zwei Sozialpartnern zu treten. Leider war die Geschäftsführung dazu nicht bereit. Die Streiks sind eine Folge der desaströsen Blockadehaltung vonseiten der Geschäftsführung,“ so Gottschewski weiter.
Heimische Politiker vor Ort
Trotz des Ausfalls von vielen Mitarbeiter am gestrigen Tag waren die Patienten laut Dr. Stefan Bergt gut versorgt. „Die stationären Patienten werden versorgt, die Notfallversorgung ist sichergestellt, der OP läuft – zwar eingeschränkt, aber wichtige und dringende Punkte werden heute operiert – Ambulanzen sind – wenn auch eingeschränkt – verfügbar. Die Notfallversorgung der Bevölkerung ist sichergestellt, die Notaufnahme arbeitet, der Rettungsdienst kann uns anfahren“, so der ärztliche Direktor gestern Vormittag gegenüber „Wir sind Müritzer“.
Die Streikenden haben sich gestern im „JOO!“ getroffen. Er später zeigten sie sich vor dem Haus und den Kameras. Dabei suchten auch die SPD-Landtagsabgeordnete Nadine Julitz und die Stadtvertreterin Sylvia Hänsel (Linke) das Gespräch. Die Linke hatte vor einiger Zeit bereits einen Antrag in die Stadtvertretung eingebracht, der sich mit der Sicherung des Klinikums in Waren beschäftigte.
Nadine Julitz ließ extra Termine in Schwerin „sausen“, um den Streikenden zur Seite zu stehen: „Gute Löhne bedeuten auch Wertschätzung. Die Beschäftigten des MediClin Waren setzen sich mit ihrem Streik für bessere Bedingungen ein – und zeigen damit ihre Verbundenheit zum Standort und zu den Patienten. Wir brauchen dieses Krankenhaus, deshalb hoffe ich auf schnelle Gespräche und eine Einigung.“







