Zwei Patienten mit schwerer Stuhlinkontinenz konnten im MediClin Müritz-Klinikum kürzlich erfolgreich behandelt werden. Unter der Leitung von Oberarzt John Töpfer aus der Klinik für Chirurgie kam dabei ein modernes und zugleich schonendes Verfahren zum Einsatz: die sakrale Neuromodulation (SNM). Nach einer positiven Teststimulation erhielten beide Patienten einen sogenannten sakralen Nervenschrittmacher – mit überzeugendem Ergebnis. Die Betroffenen berichten übereinstimmend von einer spürbaren Verbesserung ihrer Lebensqualität. Zuvor waren sämtliche konservativen, nicht-operativen Therapien ausgeschöpft worden – ohne den gewünschten Erfolg, wie es bei vielen Patientinnen und Patienten mit Inkontinenz der Fall ist.
Wie funktioniert die sakrale Neuromodulation?
Die sakrale Neuromodulation gilt als innovativer Therapieansatz bei Funktionsstörungen des Beckenbodens. Dabei stimuliert ein kleiner, implantierter Schrittmacher gezielt Nerven im Kreuzbeinbereich, die unter anderem für die Kontrolle von Darm und Blase verantwortlich sind.
Kurz erklärt:
Anwendungsgebiete: Stuhlinkontinenz, Harninkontinenz sowie Blasenentleerungsstörungen
Vorteile: minimal-invasiver Eingriff, hohe Erfolgsquote, verlässliche Vorhersage des Therapieerfolgs durch eine vorgeschaltete Teststimulation, Kostenübernahme durch die Krankenkassen
Besonderheit: Erst wenn konservative Behandlungsformen nicht ausreichen, stellt die SNM eine wirksame und nachhaltige Therapiealternative dar
„Ich habe ein Stück Lebensqualität zurückgewonnen“
Einer der behandelten Patienten beschreibt seine Erfahrung eindrücklich: „Ich habe jahrelang unter meiner Erkrankung gelitten und vieles ausprobiert. Erst durch den Eingriff habe ich wieder ein Stück Lebensqualität zurückgewonnen. Ich bin sehr dankbar, dass es diese Möglichkeit hier in Waren gibt.“
Wichtiger Beitrag zur regionalen Versorgung
Oberarzt John Töpfer unterstreicht die Bedeutung des Verfahrens für die Region: „Die Dunkelziffer bei Inkontinenz ist hoch. In Deutschland leiden schätzungsweise fünf Millionen Menschen an einer Stuhlinkontinenz, Frauen deutlich häufiger als Männer. Auch in Mecklenburg-Vorpommern trauen sich viele Betroffene nicht, darüber zu sprechen – obwohl es gute und wirksame Behandlungsmöglichkeiten gibt. Unser Ziel ist es, diese Therapien und insbesondere das SNM-Verfahren, bekannter zu machen und die Menschen zu ermutigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.“
Das Müritz-Klinikum gehört zu den wenigen Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern, die diesen spezialisierten Eingriff anbieten. Nachdem sich andere Anbieter aus der Schrittmacherversorgung zurückgezogen hatten, konnte die Kooperation mit der Firma Medtronic erfolgreich wiederbelebt werden. Mit diesem erfahrenen Hersteller steht dem Klinikum nun wieder ein verlässlicher Partner zur Seite.
Die zuständige Regionalvertreterin aus dem Berliner Umland begleitet die Operationen regelmäßig und unterstützt das Team mit technischer Ausstattung und fachlicher Expertise. Implantiert wird vor allem das InterStim™-X-System, bei dem die Patienten ihren Schrittmacher über ein mitgeliefertes Smartphone inklusive App selbst steuern können. Ein besonderer Vorteil: Das System ist MRT-fähig, sodass keine Einschränkungen bei notwendigen Untersuchungen entstehen.
Der im oberen Gesäßbereich nahezu „versteckt“ implantierte Schrittmacher ermöglicht zudem, körperliche Aktivitäten weitgehend wie gewohnt auszuüben. Die Geräte haben eine Lebensdauer von etwa zehn Jahren und lassen sich bei Bedarf problemlos austauschen.
Ausblick: Weiterer Ausbau des Angebots
Neben Oberarzt Töpfer betreut im Beckenboden-Zentrum des Müritz-Klinikums auch die leitende Oberärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Dr. Nadine Schadow, Patientinnen, die aus gynäkologischer Sicht für eine sakrale Neuromodulation infrage kommen.
Beide Ärztinnen und Ärzte sehen großes Potenzial für die Zukunft: „Wir möchten dieses Verfahren stärker publik machen. Der Bedarf an Aufklärung über Kontinenz- und Blasenentleerungsstörungen, an fachgerechter Diagnostik, individueller Beratung und differenzierten Therapieangeboten reicht weit über unsere Region hinaus. Blasenschwäche und Stuhlinkontinenz sind behandelbar – sprechen Sie uns an.“











