Sommerschau: Die Ästhetik von Foto-Akt und Landschaft

11. Juli 2022

Wie verknüpft man Wasser, Landschaft, Maritimes wie Fischernetze und anspruchsvolle Aktfotografie ? Einen Überblick dazu können sich Interessierte in diesem Sommer in Neustrelitz holen. Das Kulturquartier in der Schlossstraße würdigt den Pionier der ostdeutschen Akt- und Landschaftsfotografie Klaus Ender, der 2021 gestorben war.

„Klaus hat uns in 50 Jahren Fotografie rund 200 000 Bilder hinterlassen“, erzählt seine Frau Gabriela, die die Ausstellungen organisiert. Aus diesem Fundus wählte die agile Frau mehrere Komplexe aus, die einmal im Jahr gezeigt werden sollen. In Neustrelitz wurden rund 160 Fotografien gehängt, darunter auch Infrarot-Landschaftsaufnahmen, zumeist aber Akte, die meist untrennbar mit der Ästhetik der Landschaft und dem Umfeld verschmelzen. „Der weibliche Akt ist für mich weit mehr, als ein unbekleideter Körper – er ist die Summe von Schönheit, femininer Ausstrahlung, Selbstbewusstsein, Anmut und Sinnlichkeit“, wird der Foto-Künstler zitiert, der 1939 in Berlin geboren wurde, ein bewegtes Leben führt und Wahl-Rüganer war.

So sind Aufnahmen vor den berühmten Wissower Klinken aus Kreide zu sehen, viele Strandbilder, auch Akte an Sanddünen – und auch an der Müritz war Ender unterwegs, wie seine Frau sagt. Sie habe den Fotografen ebenfalls als Model beim Foto-Shooting kennengelernt.

In Neustrelitz hat die Organisatorin der Ausstellung Maritimes und auch einen Komplex von  erotischen Aufnahmen aus dem Studio neu hinzugefügt. Sie will auch Führungen anbieten, wie zur Eröffnung am 10. Juli. Außerdem soll Anfang August auch ein 45-minütiger Dokumentarfilm gezeigt werden, der gerade fertig geworden ist und an den Fotografen erinnert.

Ender wurde „Wegbereiter der ostdeutschen Aktfotografie“ genannt. Er hatte eigentlich Bäcker gelernt, war nach Rügen gegangen und hatte dort gebacken und in der Freizeit fotografiert.  Ab 1966 wurde er selbstständiger Fotograf. Danach ging er nach Potsdam und organisierte die erste DDR-Aktausstellung 1975, die für viel Aufsehen sorgte. Anfang der achtziger Jahre reiste Ender aus politischen Gründen aus – nach Österreich. Dort wurde er auch ein Buchautor. Noch heute sind Bücher sehr beliebt, in denen Gedichte und Lyrik mit seinen Aufnahmen kombiniert werden, sagte seine Frau.

Nach dem Fall der Mauer zog es Ender wieder in den Nordosten, nach Rügen. Er litt darunter, dass er im Alter das Augenlicht langsam verlor und starb im März 2021 kurz vor seinem 82. Geburtstag.

Die Schau in Neustrelitz ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr zu sehen, und läuft bis zum 18. September. Die Eröffnung mit kostenlosem Eintritt, Führung und einer Tanz-Performance beginnt am 10. Juli um 19. Uhr.


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