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Stadt will bei Gastronomen kräftig abkassieren

17. März 2015

Vor den Restaurants der Stadt Waren könnte es künftig lange Warteschlangen geben. Aus einem einfachen Grund: Die Gastronomen sehen sich gezwungen, weniger Tische und Stühle heraus zu stellen. Gezwungen von der Stadt. Denn die langt kräftig zu und will für die Nutzung der Flächen in diesem Jahr deutlich mehr Geld haben als bislang. Den Segen dafür hat die Verwaltung 2014 von den Stadtvertretern bekommen.

Bei der Erhöhung der so genannten Sondernutzungsgebühr handelt es sich keineswegs um Peanuts, auch wenn’s für den Außenstehenden so klingen mag. Laut beschlossener Satzung zahlen die Gastronomen pro Quadratmeter beanspruchter Verkehrsfläche statt bislang 20 Cent am Tag jetzt 25 Cent am Tag. Was wenig klingt, macht pro Saison für einige Gastronomen  mehrere tausend Euro aus. Einfach mal so ein paar tausend Euro mehr, ohne, dass es dafür auch mehr Leistung gibt.
Geldscheine„Dieses Geld muss erst einmal erwirtschaftet werden. Wie haben hier an der Müritz nur wenige Monate, um Geld zu verdienen. Wir werden deshalb wohl wenige Plätze im Außenbereich anbieten“, so ein Gastronom gegenüber „Wir sind Müritzer“. Und er verrät, dass Waren damit eine Spitzenposition einnimmt, denn in vielen Städten drumherum sind die Gebühren um ein Vielfaches niedriger.

Wie eine Nachfrage von „Wir sind Müritzer“ in der Verwaltung ergab, hat die Stadt durch diese Sondernutzungsgebühr im vergangenen Jahr insgesamt rund 62 200 Euro eingenommen. Wie viel mehr es in diesem Jahr werden, kann noch nicht gesagt werden. Erste Schätzungen gehen aber von 75 000 Euro bis 80 000 Euro aus.

Ob die Stadt durch diese Gebührenerhöhung wirklich so viel mehr einnimmt, bleibt abzuwarten. Denn wenn die Gastronomen jetzt weniger Stühle und Tische stellen, machen sie logischer Weise weniger Umsatz. Und das bedeutet dann auch weniger Gewerbesteuer für die Stadtkasse…..
Aber vielleicht kommt ja ein Stadtvertreter noch auf die Idee, dass man Gebührenerhöhungen auch wieder zurückschrauben kann. Ein entsprechender Antrag wäre schnell informiert.


2 Antworten zu “Stadt will bei Gastronomen kräftig abkassieren”

  1. Peter Sohr sagt:

    Urlauber & Gastronomen-freundliche Regelung ?
    Es zeichnen sich Parallelen zur Nutzung von Bussen und Bahnen auf.
    Das Nutzungsverhalten von Bussen und Bahnen regelt sich grundsätzlich nach der Notwendigkeit einer Fahrt und der Verfügbarkeit von alternativ günstigen Verbindungen gegenüber dem privatem Verkehrsmittel. Ist diese Verfügbarkeit und das Kosten/Nutzungsverhältnis nicht in dem Maße vorhanden wie der potentielle Nutzer es auf Grund seiner immer mehr eingeschränkten Zeit erwartet, steigt er auf sein Privatfahrzeug um.
    Ergo fahren weniger Personen mit Bussen und Bahnen. Als Folge werden Fahrpreise erhöht und später sogar Linien weggestrichen. In dessen Folge steigen die Nutzer noch seltener in öffentliche Verkehrsmittel, weil sie mit Eigenlösungen eher und billiger an ihr Ziel kommen. Als Ergebnis werden die Fahrpreise noch teurer weil ja weniger Fahrgäste auch weniger Rentabilität darstellen. Dadurch erhöhen sich nochmalig die Preise und noch mehr Linien werden eingestampft. Mitunter wird dann damit geliebäugelt, unrentable Strecken an Subunternehmer zu verpachten (siehe Bahn). Gibt es dann noch ein paar mal ein Streik der Leute aus dem Verkehrswesen (Straße Luft, Bahn) hinzu, gesellt sich zu den ohnehin kaum akzeptierten Preissteigerungen auch noch der Faktor Unsicherheit hinzu. Wenn dann auf Grund immer mehr ausbleibender Kundschaft (Fahrgäste) weiter zu erwartende höhere Kosten die Fahrkarten von Jahr zu Jahr teurer werden lassen, fährt bald gar keiner mehr. Die Wenigen die übrig bleiben und die unbedingt fahren müssen weil es eben nicht anders geht, zahlen unverschämte Preise. Damit hat dann das Verkehrswesen seine Ernte eingefahren. Sie sind aber nicht ganz allein Schuld, weil eine verfehlte Politik dazu die maroden Grundlagen schuf und Niemand über die Folgen der Entscheidungen intensiv genug nachdachte. Es gab mal Zeiten in denen die Verkehrswege als die Blutadern der Wirtschaft bezeichnet worden sind. Ein Spruch, der bislang kollektiven Gedächtnisverlust bei Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft diagnostiziert.

    Ähnlich verhält es sich bei der jetzigen Gebührenordnung für Gastronomen. Es ist doch klar, das die Gastronomen nicht zaubern können. Stehen nicht mehr Gäste zur Verfügung und erhöhen sich einige Gebühren, wird sich das zwangsläufig auf die Preise oder den angebotenen Plätzen im Außenrevier niederschlagen. Höhere Preise werden zwangsläufig mit dem zunehmenden Ausbleiben potentieller Gäste einhergehen, also kontraproduktiv. Weniger angebotene Plätze im Außenrevier bedeuten zwar weniger Gebühren die abgegeben werden müssen, ziehen aber auch drastischen Umsatzeinbruch und zu erwartende Verschlechterung in der Kundenfrequentierung nach sich. Letztlich reagieren die Gäste auf ihre Art und Weise, sie gehen dahin, wo es eventuell leerer ist und die Chance auf besseren Service zu erwarten ist. Da meine ich nicht unbedingt zum Gastronom um die Ecke, sondern auf Dauer und mit der Zeit werden die Gäste andere Regionen aufsuchen, in denen sie besser behandelt werden. Jeder war in seinem Leben schon einmal Gast und jeder wird mir zustimmen, auch lieber gern draußen sitzen zu wollen und einfach nur mal da Treiben um sich herum zu genießen. Ich möchte deshalb hier für alle Gastronomen eine Lanze brechen und auf die Notwenigkeit einer gepflegten Außengastronomie verweisen. Sie ist nicht nur das Aushängeschild einer Gaststätte, nein sie ist auch das Aushängeschild einer Stadt die auf Urlauber geprägt ist und von sich aus vorgibt ein Urlauberzentrum zu sein in dem sich die Gäste wohlfühlen können und die herzlich willkommen sind. Angesichts der nunmehr eingeführten Gebührenordnung habe ich da so meine Zweifel. Ob diese Einstellung Köder sind um Gäste zu locken und an die Stadt zu binden sei fraglich. Oder ob substanzlos Vorgaben gegenüber den Gastronomen durchgesetzt werden die ebenso kontraproduktiv sind als das sie auch zwangsläufig die mühevoll aufgebaute Loyalität gegenüber der Stadt vergiften. Klar scheint hingegen, weshalb also eine Gebührenordnung angestrebt wird. Da mangels Gelder und vorherrschender Klammheit in den Kassen der Stadt immer mehr nach Geldern geschielt wird die ohne Gegenleistung sind bleibt der Eindruck bestehen, das diejenigen geschröpft werden sollen, die in erster Reihe stehen wenn es um die Gunst und dem Wohlergehen der Gäste geht und bei der die Stadt die Ernte einfährt. Manchmal scheint es deshalb notwendig zu sein, auf alte bekannte aber dennoch offensichtlich vergessene Empfehlungen aus dem Fremdenverkehrsregelung von Waren (Müritz) zu verweisen. Schon damals wusste man zum Beispiel in den 10 Geboten für den Warener Fremdenverkehr zu berichten:

    Zitat:
    “ . . . Der Fremde rechnet heutzutage sehr scharf, …….. und rechnet ab.

    weiter heisst es

    . . . . .Trage dazu bei, . . . .Kulturwerte zu schützen und dem Fremden den Aufenthalt in Waren so angenehm wie möglich zu gestalten.“

    DAS sollten wir im Auge behalten und nicht diejenigen schröpfen, die die Stadt Waren (Müritz) von Berufswegen als Gäste empfangen.
    Zur Stadt vielleicht deshalb noch ein Spruch:

    „Beiß nicht in die Hand, die dich füttert.“

    Soweit dazu

  2. Charly sagt:

    Kaufmännisches Verhalten geht eindeutig anders. Die Stadt müßte natürlich daran interessiert sein, ein möglichst hohes Gewerbesteueraufkommen zu erzielen … wie gesagt müßte! Und das kommt mit absoluter Sicherheit nicht mit der nun beschlossenen (eigentlich unterm Strich für die Stadtkasse lächerlichen) Erhöhung der „Freiluftabgabe“ für die Sommergastronomie. Die daraus zwangsläufig folgende Erhöhung der sowieso schon vergleichsweise hohen Gastronomiepreise in Waren, wird insbesondere verärgerte Touristen produzieren. Insbesondere sie werden das als Abzocke negativ registrieren und als ärgerliche Urlaubserfahrung verbuchen. Ein paar Nachhilfestunden in die Grungregeln der Betriebswirtschaft könnten vielleicht helfen.
    Ihr Charly