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Stadtwanderung durch Jahrhunderte mit brandheißen Geschichten

27. Oktober 2019

„Wir sind Müritzer“ und andere Medien hatten es kund getan und viele Wissensdurstige kamen – zum historischen Stadtspaziergang am Samstagabend auf den Platz vor dem Warener Müritzeum. Die Feuerwehr hatte aus Anlass ihres 150-jährigen Bestehens zu einer besonderen Wanderung durch die Altstadt eingeladen und zum Schluss eine tolle Überraschung auf dem Neuen Markt versprochen. Das lockte natürlich zahlreiche Neugierige. Mit einer großen Schar wanderlustiger Menschen hatten die Initiatoren wohl gerechnet, aber ihre Erwartungen wurden deutlich übertroffen. Drei große Gruppen machten sich auf den Marsch durch enge Gassen und über alte Plätze – jeweils geleitet durch einen Stadtführer. Flankiert wurden sie durch junge Frauen aus der Feuerwehr, die mit Fackeln die halbdunklen Lokalitäten erleuchteten und so für romantisches Flair sorgten.

Jürgen Hass als Führer der größten Gruppe hatte sich mit Zylinder und schwarzer Robe kostümiert. Souverän und mit vielen Details aus der Warener Geschichte in seiner Rede lotste er die Spaziergänger oft über holpriges Kopfsteinpflaster. Zunächst zur Georgenkirche, dann durch die Richterstraße und die enge Gasse mit dem volkstümlichen Namen Morsritz zur Strandstraße und zum Hafen. Schließlich ging es durch die Hafenstraße zum Alten Markt und auf der Kirchenstraße zum Neuen Markt.

An jeder Lokalität wusste Jürgen Hass zu berichten, was sich dort einst zugetragen hatte. Neben Auskünften über die Besiedlung und Entwicklung der Stadt setzte er einen Schwerpunkt: die großen Stadtbrände von 1568, 1656, 1671, 1678, 1692, zwei Mal 1694 und 1699. Nach der Feuersbrunst von 1699, so erzählte Jürgen Hass, lagen 146 Häuser und 55 Scheunen in Schutt und Asche. Auch Marienkirche und Georgenkirche waren weitgehend zerstört. Nur zwölf Häuser hatten den Feuersturm überstanden, darunter das Alte Rathaus am Alten Markt, das aus Stein gebaut war.

Als Konsequenz aus der Katastrophe von 1699 wurden beim Neuaufbau der Stadt Strohdächer verboten, eine Ziegelei errichtet und die vorher verwinkelten Straßen begradigt. Außerdem mussten in jedem Haus Eimer, Haken und Leiter vorhanden sein. Zwei Nachtwächter patrouillierten fortan im Dunklen durch die Stadt, um im Falle eines Brandes sofort Alarm zu schlagen.
Am 4. Oktober 1869, so berichtete Jürgen Hass, gründete schließlich der Männerturnverein aus dem Bestand seiner Mitglieder die Freiwillige Feuerwehr. Sie vereinigte sich 1878 mit der später gegründeten städtischen Wehr. Im neugebauten Spritzenhaus am Alten Markt standen bei Gewittern zwölf junge Feuerwehrleute in Bereitschaft. 1922 erhielt Waren die erste Sirene, 1932 wurde das erste Einsatzfahrzeug der Feuerwehr angeschafft.

Nach so vielen Details und Geschichten über die Brandbekämpfung in Waren erlebten die Teilnehmer an der Stadtführung zum Schluss die versprochene Überraschung. Und sie konnten selbst dabei mitwirken. Vor dem historischen Rathaus am Neuen Markt hatte die Feuerwehr eine fiktive Brandlöschung inszeniert, so wie sie Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ähnlich abgelaufen sein könnte. Zuschauer wurden animiert, eine Menschenkette zu bilden und mit Wasser gefüllte Eimer zum Löschen des angenommenen Rathausbrandes weiterzureichen.

Parallel dazu betrieben Feuerwehrleute in weißer Schutzkleidung mit Muskelkraft eine Pumpe, die durch einen Schlauch Wasser zum Brandort strömen ließ. Nicht nur Erwachsene, sondern auch etliche Kinder waren mit Feuereifer bei der Aktion dabei und hatten Spaß. Als Geschenk für die Augen der Zuschauer hatte die Feuerwehr zudem die ehrwürdige Marienkirche mit rotem Scheinwerferlicht angestrahlt.

Mit diesem Höhepunkt fanden die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag der Warener Feuerwehr einen erlebnisreichen Abschluss.

Text und Fotos: Bernd Büchler


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