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Wie ein Lottogewinn nach einem langen Weg

8. Oktober 2019

Roxana Ritz ist 32 Jahre alt. Ihren Schulabschluss erwarb sie 2004, absolvierte anschließend erfolgreich eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe und war im Anschluss daran im Bereich der Hotelreinigung tätig. Sie fand jedoch nie den notwendigen Einstieg auf dem Arbeitsmarkt in ihrem erlernten Beruf.
Es folgten lange Jahre der Arbeitslosigkeit. Roxana nahm an verschiedenen Integrationsmaßnahmen des Jobcenters MSE-Süd teil, absolvierte Probetage bei Arbeitgebern und war in verschiedenen Arbeitsgelegenheiten – den sogenannten 1 € Jobs – im Bereich der Seniorenbetreuung tätig.
Hier ihre Geschichte. EIne Geschichte über einen langen Weg:

Parallel zu diesen Arbeitsgelegenheiten hatte sie einen Minijob im Reinigungsbereich. Daran schloss sich ein freiwilliges soziales Jahr bei der Caritas in Neubrandenburg an. Sie pendelte bei ihren Beschäftigungen immer zwischen Reinigung und Betreuung – das waren und sind ihre beiden beruflichen Favoriten.

2014 brachte Roxana eine gesunde Tochter zur Welt. Sie war glücklich, aber beruflich wurde es dadurch für sie als alleinerziehende Mutter nicht leichter. Jetzt galt es, Erziehung, Haushalt und Jobsuche in Einklang zu bringen.

Probearbeiten vereinbart

Mit Unterstützung des Jobcenters Mecklenburgische Seenplatte-Süd gelang es ihr, sich trotz gesundheitlicher Einschränkungen, beruflicher Niederlagen und den damit verbundenen finanziellen Einschränkungen auf ihre persönlichen und beruflichen Ziele zu konzentrieren.

Ab September 2018 betreute sie Sebastian Schmidt – Integrationsfachkraft im Jobcenter MSE-Süd – im Rahmen der bewerberorientierten Vermittlung. Gemeinsam wurden Bewerbungsunterlagen erstellt sowie Tipps und Vorbereitungsstrategien für Bewerbungsgespräche besprochen.

Bereits am 8.10.18 erfolgte das erste begleitete Vorstellungsgespräch bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Neubrandenburg für eine Tätigkeit als Reinigungskraft und hauswirtschaftlicher Helfer. Ein zweites Gespräch folgte direkt einen Tag späte beim Städtischen Pflegeheim für eine Tätigkeit als Betreuungskraft.

Da Roxana auf Grund der Kindererziehung nur eingeschränkt arbeiten konnte, gestaltete sich eine Arbeitsaufnahme allerdings schwierig. Nach mehreren Gesprächen mit Frau Altstädt von der AWO, erklärte sich dieser Arbeitgeber bereit, ihr im Bereich der Reinigung von Privathaushalten mit einer Arbeitszeit von 8 und 13 Uhr an den Werktagen entgegenzukommen.

Es wurde noch im Oktober ein 10-tägiges Probearbeiten vereinbart. Roxana bewährte sich während dieser Zeit. Sie war pünktlich, stets anwesend und die übertragenden Aufgaben wurden entsprechend ihrer Möglichkeiten zuverlässig erledigt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Roxana aber noch nicht abschließend entschieden, ob Sie im Bereich der Reinigung tätig werden soll oder doch einen neuen Weg im Bereich Pflege einschlagen sollte.

Langfristige Perspektiven

Zum Abschluss dieser Probearbeitstage gab es ein ausführliches Gespräch zwischen Roxana und der Arbeiterwohlfahrt, und danach waren ihre anfänglichen Zweifel verflogen. Sie hatte sich entschieden und freute sich auf einen beruflichen Einstieg als Reinigungskraft bei der AWO. Frau Altstädt eröffnete ihr außerdem die Chance, sich bei der AWO auch im Bereich Pflege zu erproben.

Im Rahmen einer Beschäftigung auf Probe begann Roxana im November 2018 ihre Tätigkeit als Reinigungshelferin bei der Arbeiterwohlfahrt. Das Jobcenter Mecklenburgische Seenplatte-Süd förderte dieses sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnis für die Dauer von 3 Monaten.

Bereits vor Ablauf dieser Förderung gab es Mitte Januar ein erneutes Treffen zwischen Herrn Schmidt, der Integrationsfachkraft des Jobcenters MSE-Süd und Frau Klose, der Personalleiterin der Arbeiterwohlfahrt. Frau Klose war mit den – während der Beschäftigung auf Probe – gezeigten Leistungen von Roxana unter Berücksichtigung der bestehenden Vermittlungshemmnisse zufrieden.

Herr Schmidt besprach mit Frau Klose die weiteren Unterstützungsmöglichkeiten, die dem Jobcenter durch die Einführung des neuen Teilhabechancengesetzes zum 1.1.2019 zur Verfügung stehen – insbesondere die neue Förderung im Rahmen des §16 i SGB II. Hier kann der Arbeitgeber 5 Jahre lang finanziell unterstützt werden, wenn er langzeitarbeitslosen Menschen eine Chance gibt und ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung anbietet.

Die Arbeiterwohlfahrt wollte Roxana diese Möglichkeit der sozialen Teilhabe geben und sie über lange Zeit an die Beschäftigung heranführen, um ihr so eine langfristige Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Gemeinsam besprach man die Modalitäten, die für eine solche Förderung notwendig waren und Roxana erhielt am 15.02.19 einen unbefristeten Arbeitsvertrag als Reinigungskraft bei der Arbeiterwohlfahrt.

Das Förderprogramm Teilhabe am Arbeitsleben sieht über den gesamten Förderzeitraum eine ganzheitlich beschäftigungsbegleitende Betreuung vor. Diese Betreuung sichert während der gesamten Förderzeit von 5 Jahren das Jobcenter Mecklenburgische Seenplatte-Süd ab – aktuell in Kooperation mit dem Träger Nestor Bildungsinstitut GmbH.

Diese Unterstützung ist nach Aussage von Roxana eine große Hilfe bei den anfänglichen Schwierigkeiten und dem Zurechtfinden im neuen Arbeitsleben.

Inzwischen fühlt sich Roxana Ritz vom Arbeitgeber und den Arbeitskollegen anerkannt, die Arbeit macht ihr Freude. Sie sagt selbst: „Hier habe ich alles. Vom ersten Tag an hatte ich das Gefühl, ich gehöre hierher.“ Anfängliche Ängste und Bedenken vor der neuen Aufgabe sind verflogen und sie berichtet mit einem Lächeln, wie stolz sie ist, endlich einen Arbeitsplatz gefunden und so ein gutes Verhältnis zum Arbeitgeber und den Kollegen zu haben – es ist, wie ein Lottogewinn nach einem langen Weg.


2 Antworten zu “Wie ein Lottogewinn nach einem langen Weg”

  1. East West sagt:

    Tolle Geschichte. Aber hier sieht man mal wieder, das sich die Arbeitgeber in Ihren Arbeitszeiten,immer noch verhalten,wie vor 20-30 Jahren. Und das ist es ja, was wir brauchen,mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt. Und da werden die Arbeitgeber nicht drum herum kommen,sonst wird es weiterhin immer schlechter werden,Abeitskräfte zu finden. Einfach der heutigen Zeit mal anpassen ….

  2. Ein Warener sagt:

    @ East West,

    ich glaube kaum das sich die Arbeitgeber wie vor 20-30 Jahren verhalten. Wenn ich über lege was man in der Gastro verdienen kann ( siehe die Anzeigen Kells Bauernmarkt z.B), ist es schon sehr viel mehr geworden. Auch die Arbeitszeiten sind flexibler geworden( Frühstücksservice)usw. Auch ein Arbeitnehmer hat sich an gewisse Regeln zu halten.
    Ich selber und meine Frau arbeiten in der Gastronomie und Hotelerie in Waren. Auch wir haben einen Sohn der mittlerweile schon 20 ist. Wir haben unser Kind auch groß bekommen. Wir beide arbeiten seit unser Lehre in der Gastronomie und das seit 1998 ohne arbeitslos zu sein und mit Kind. Daher bin ich der Meinung , wer arbeiten will und kann , bekommt auch Arbeit und kann auch Kinder groß ziehen.
    Aber es will ja keiner mehr am Wochenende arbeiten von den jungen Leuten. Daher weht auch der Wind. Und es gibt genug Berufe , wo man am WE oder in Schichten arbeiten muss, daher kann auch etwas mehr Flexibilität vom Arbeitnehmer erwartet werden. Und wenn ich eine Lehre als Restaurantfachfrau anfange, weiß ich vorher , das ich am WE und Abends arbeiten muss.

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