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Zwei Braunbären auf dem Zahnarztstuhl

15. Juni 2014

Zahn4Am Freitag hat der Hamburger Zahnarzt Dr. Marc Loose die beiden Braunbären Balou und Sonja im BÄRENWALD Müritz behandelt. Beide Bären haben sich inzwischen gut von der Narkose erholt und sind bereits wieder auf ihren Streifzügen im BÄRENWALD unterwegs.

Der 13-jährige Balou ist der größte Bär im BÄRENWALD – mit seinen 2,20 Metern bringt er beinahe 280 Kilo auf die Waage. „Balou ließ sich leider nicht in eine tiefe Narkose legen, er war einfach zu aufgeregt. Auch, nachdem ich ihm bereits die doppelte Menge Narkosemittel mit dem Betäubungsgewehr injiziert hatte, hat er weiterhin mit den Lippen gezuckt, mit der Nase gewackelt und die Ohren gedreht. Wir haben uns deshalb aus Sicherheitsgründen entschlossen, Balou nur direkt in seinem Gehege kurz zu untersuchen. Für einen allgemeinen Gesundheitscheck haben wir Blut abgenommen, die Augen untersucht, Herz- und Lunge abgehört und die Zähne fotografisch dokumentiert“, erklärt Tierärztin Johanna Painer vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin.

Beim nächsten Zahnarzttermin Zahn1muss Balou dann mit einem anderen Mittel betäubt werden. „Eine Behandlung ist nötig, denn an Balous oberem rechten Fangzahn ist die Spitze abgebrochen. Er bereitet ihm zwar derzeit keine Schmerzen, sollte aber dennoch beim nächsten Zahnarzttermin gefüllt werden“, berichtet Zahnarzt Dr. Marc Loose. Balou kam im September 2012 gemeinsam mit seinem Vater Siggi aus dem Wildgehege Hellenthal nach Müritz.

Sonja: Karies- und Wurzelbehandlung

Bei der 22-jährigen Sonja verlief die Narkose problemlos. Das mit 150 Kilo Gewicht deutlich leichtere Bärenweibchen fiel nach der Injektion des Betäubungsmittels zügig in Narkose. Sonja kam im Mai 2013 aus dem Tierpark Mönchengladbach gemeinsam mit ihrer Mutter Mary und Schwester Clara ins Bärenschutzzentrum. Sonja hat leider schwere Zahnschäden. Bereits im letzten Jahr musste ihr in einer Not-Operation ein vereiterter Fangzahn gezogen werden. Jetzt wurden zwei weitere kariöse Zähne wurzelbehandelt. „Das Leben in Gefangenschaft hat Spuren an den Zähnen der Tiere hinterlassen. Durch falsche Ernährung mit viel Süßem befanden sich die Gebisse der Bären in schlechtem Zustand“, erklärt Zahnarzt Dr. Marc Loose.

Im BÄRENWALD Müritz werden Sonja und Balou nun endlich bärengerecht gefüttert: Auf dem Speiseplan stehen frisches Gemüse, Obst und Fisch – Süßigkeiten wie zum Beispiel Rosinenbrötchen sind Tabu.

Der Hamburger Zahnarzt Dr. Marc Loose ist einer der wenigen Spezialisten auf dem Gebiet der Wildtierzahnmedizin. Neben seinem Expertenwissen hatte er seine mobile Praxis im Gepäck: Speziell für die Tiere angefertigte Feilen, Bohrer, diverse chirurgische Instrumente und ein mobiles Röntgengerät. Während der Zahn-OP überwachte Tierärztin Johanna Painer vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin streng die Narkose. Sie nahm beiden Tieren auch Blut zur Laboruntersuchung ab und röntge die Bären.

Text und Fotos: VIER PFOTEN

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