Da hat sich offenbar einiges angestaut in Malchow: Kaputte Straßen, unzureichende Investitionen an Schulen, Verkehrschaos in den Sommermonaten, zu wenig Angebote für Kinder- und Jugendliche, fehlende Parkplätze, eine geplante Lachsfarm, die mehr als umstritten ist, und Hotelprojekte, die mit Besorgnis gesehen werden. Und das alles bei anscheinend unzureichender Kommunikation.
Das sind einige der Themen, die während des Nordkurier-Wahlforums am Mittwochabend in der „Werleburg“ zur Sprache kamen – von den drei Kandidaten selbst ins Feld geführt, aber auch von Einwohnern. Rund 180 Inselstädter ließen sich das Aufeinandertreffen der Bürgermeister-Bewerber Michael Meyer, Ramona Stein und René Putzar nicht entgehen und erlebten einen unterhaltsamen und von Chefreporter Ingmar Nehls souverän moderierten Abend, der sogar neue, überraschende Informationen brachte. Denn die Ankündigung des amtierenden Bürgermeisters René Putzar, dass die Insel bereits in diesem Sommer von 10 bis 16 Uhr als Versuch für den Durchgangsverkehr gesperrt werden soll, erstaunte und erschreckte die Besucher zugleich.
Die Malchower können sich bei der Bürgermeisterwahl am 23. April zwischen drei Kandidaten entscheiden, erreicht keiner die erforderliche Mehrheit, gibt’s am 7. Mai eine Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen. Bei der letzten Bürgermeisterwahl vor acht Jahren standen gleich acht Kandidaten auf den Malchower Wahlzetteln, in der Stichwahl konnte sich René Putzar mit nur 34 Stimmen Vorsprung knapp gegen die heutige Landtagsabgeordnete Elke-Annette Schmidt durchsetzen.
Und diese drei Malchower wollen in den kommenden acht Jahren im Rathaus sagen, wo es lang geht:



Thema Straßen

Michael Meyer findet die Abstimmung mit den Stadtwerken durchaus richtig, doch müsse man eine andere Strategie fahren und vielleicht auch mal ein, zwei Jahre lang mehr Geld in die Straßen stecken und in dieser Zeit an anderer Stelle sparen. Derzeit werde fast nur in der Westsiedlung investiert, viele Bürger in anderen Straßen blieben auf der Strecke.
Ramona Stein sieht in einigen Straßen der Stadt sogar die Sicherheit gefährdet. „“Mit Rollstühlen und auch Rollatoren hat man teilweise keine Chance. Einige Löcher sind so groß, dass man nicht weiß, ob die Kinder darin verschwinden, wenn sie da rein springen.“ Sie kritisierte gleichzeitig die gerade sanierte Klosterstraße, die nach wie vor nicht barrierefrei sei, weil man in der Verwaltung nicht auf die Hinweise und Bedenken der Anwohner gehört habe.
Thema Verkehr

Michael Meyer plädiert für mehr Radwege, viele Strecken könnten in Malchow mit dem Rad zurückgelegt werden, doch die Bedingungen müssten stimmen. Dennoch brauche die Inselstadt unbedingt mehr Parkplätze, und auch der „Kleine Stadtverkehr“, den es in Röbel bereits gebe und der auch in Malchow schon länger im Gespräch sei, müsse kommen. Die Sperrung der Insel sieht er eher skeptisch, weil sie auch viele Bedürfnisse der Einwohner berühre, die dadurch erhebliche Einschränkungen in Kauf nehmen müssten.
Ramona Stein kann sich zum einen kleine Elektrobusse vorstellen, die Vorteile für Einwohner in allen Stadtteilen bringen würden. Denn die großen „Müritz rundum“-Busse könnten gar nicht alle Straßen ansteuern, gerade ältere Menschen würden weite Wege zu Bushaltestellen aber nicht schaffen. Sie wünsche sich zum anderen eine andere Taktung der Bahnverbindungen – alle zwei Stunden und im Sommer sogar stündlich.
Thema Tourismus

Amtsinhaber Putzar sieht Malchow nicht überlastet und schon gut aufgestellt – auch was Angebote außerhalb der Saison angehe. Die geplanten Hotels seien keine Riesen-Häuser. Rund 700 Betten würden hinzu kommen und neue Kaufkraft bringen. Gerade Tourismus an der Alten Weberei könnte die Einkaufsstraße beleben. Außerdem würde das Projekt zur Saisonverlängerung beitragen.
Michael Meyer möchte diese Saisonverlängerung auch eher durch Gesundheitstourismus als durch große Hotels erreichen. Am Standort der Alten Weberei könnte er sich Tourismus in Kombination mit Geschäften und Arztpraxen vorstellen.
Thema Probleme
Wo sehen die drei Kandidaten die Probleme der Einwohner? René Putzar eindeutig in fehlenden Wohnungen für Familien, worauf Ramona Stein konterte: „Wir kann es denn sein, dass es bei der WOBAU rund zehn Prozent Leerstand gibt?“ Sie kennt noch ein anderen großes Problem, das an diesem Abend mehrfach zur Sprache kam: Die fehlende Bürgernähe. „Die Menschen möchten gehört, mitgenommen werden.“ Und auch die Situation der Kinder und Jugendlichen hält sie für verbesserungswürdig. „Das Kinder- und Jugendparlament kämpft schon seit Jahren nur um eine überdachte Sitzecke als Treffpunkt.“
Ähnlich die Einschätzung von Michael Meyer. „Unsere Einwohner sollten mehr einbezogen werden, beispielsweise auch in die Stadtgestaltung. Die Kinder und Jugendlichen müssen mehr unterstützt werden. Für die Jugendlichen könnte ich mir eine Art Kulturkneipe sehr gut vorstellen.“ René Putzar erwiderte, dass man das Kinder- und Jugendparlament sehr wohl unterstütze und es auch viele Angebote für Kinder und Jugendliche gebe. Es bestehe in diesem Bereich aber wohl ein Kommunikationsproblem.
Thema Lachsfarm

Michael Meyer erklärte, dass er die Investition zunächst befürwortete, weil er dadurch Chancen für neue Anlagen der Wasser- und Stromversorgung Malchows sah. Inzwischen sei er skeptischer, auch weil der Investor noch Informationen zu seiner Bonität schuldig sei. „Wird die nicht nachgewiesen, sollte die Fläche schnellstmöglich an andere Unternehmen vergeben werden.“
Ramona Stein hat gegen den Bau der Lachsfarm gestimmt. „Wie überall auf der Welt müssen auch wir in Mecklenburg-Vorpommern Wasser sparen. Und hier wird so viel Wasser am Tag verbraucht wie alle Malchower zusammen benötigen. Ich halte die Lachsfarm für dekadent. Wir brauchen nicht jeden Tag Lachs.“
Einschätzung des Wahlforums
Die Malchower hatten mit dem Nordkurier-Forum eine hervorragende Gelegenheit, alle drei Kandidaten, ihre Ansichten und Vorstellungen kennenzulernen. Ein Forum, das von Ingmar Nehls von Anfang an nicht nach Schema F, sondern gut vorbereitet, dennoch locker und unterhaltsam moderiert wurde, so dass trotz der Länge von zweieinhalb Stunden keine Langeweile aufkam. Dabei hatte der Chefreporter die Situation jederzeit im Griff, achtete auf ausgeglichene Redeanteile, zeigte sich schlagfertig und witzig und grätschte elegant dazwischen, wenn Kandidaten zu sehr ausholten oder aus dem Publikum ein persönlicher Schlagabtausch drohte. Eine richtig gute Figur machte dabei auch die erst 22 Jahre alte Volontärin Lisa Gutzat, die aus Malchow stammt und sich vorstellen kann, irgendwann in die Inselstadt zurückzukehren. Vielleicht moderiert sie das Forum zur nächsten Bürgermeister-Wahl dann ja schon alleine.
Am 20. April treffen die drei Kandidaten noch einmal in der „Werleburg“ aufeinander – dann auf Einladung des Kinder- und Jugendparlamentes. Auch dieses Forum ist öffentlich und sicher nicht nur für die jüngere Generation interessant.










Hallo,
Heißt,,Wir -sind- Müritzer,, jetzt Müritzbild oder gar Müritz-CDU?
Ich war auch auf der Veranstaltung und sicherlich hat jeder seine Wahrnehmung.
Die Veranstaltung ist sehr gelungen und großen Dank an den beiden Moderatoren vom Nordkurier.
Sachlich und mit viel Hintergrundwissen wurden einige Probleme sachlich und konstruktiv geklärt.
Ein echter Mehrwert für Malchow.
Was genau kritisieren Sie, Herr Persk? Wenn Sie auch dort waren, werden Sie gehört haben, dass über all diese Themen sachlich diskutiert wurde. Nichts anderes steht in dem Beitrag. Auch die Moderation haben wir ausdrücklich gelobt.
Der Abend verlief sehr offen, alle 3 Kandidaten konnten ihre Vorstellungen für die Stadt gut präsentieren. Die von Frau Stein und Herr Meyer stellten schöne Wünsche dar und beiden waren zuversichtlich, dass sie das notwendige Geld irgendwo im Budget finden würden. Herr Putzar hatte für sämtlich Kritikpunkte einen glaubwürdigen Lösungsvorschlag und weiß auch, welche Pläne in welchem Zeitraum finanzierbar sind. Ein großer Vorteil!
Auch ich konnte dem Artikel nicht die entgegengebrachte Kritik entnehmen.
Der Amtsinhaber hat sicherlich den Vorteil einer achtjährigen Erfahrung, allerdings erinnere ich mich an diverse Fehltritte in dieser Zeit, welche für mich persönlich eine Wiederwahl ausschließen.
Auch kann ich dem innerstädtischen Bild keine erfolgreichen Jahre ansehen.
Es tut mir leid, aber von den drei Städten im ehemaligen Müritz-Kreis hat sich Malchow am wenigsten entwickelt und hat zahlreiche Ecken die alles andere als ansprechend sind.
Das Volksfest mag das älteste der Region sein, aber leider auch das, welches sich Familien kaum noch leisten können.
Ob sich die Infrastruktur einen größeren Zuwachs an Touristen leisten kann bezweifle ich auch.
Wenn ich etwas Praktisches vorschlagen dürfte:
Alle Supermärkte der Inselstadt befinden sich auf einer Seite der Drehbrücke.
Anwohner der umliegenden Gemeinden fahren in den Sommermonaten lieber Umwege zum Einkaufen.
Ein Supermarkt, vielleicht auf Höhe der Sprint-Tankstelle, wäre tatsächlich eine enorme Erleichterung.