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Ausbildungsstart mal anders – Rekordzahl an Bewerbungen

4. Oktober 2019

Pflegekräfte stehen ständig im direkten Kontakt mit Menschen und haben ihn als Ganzes im Blick: Körper, Geist und Seele. Sie pflegen, betreuen, unterstützen, behandeln und beraten Menschen. Als Pflegekraft unterstützt man bei medizinischen Dingen, bei der Körperpflege, beim Essen oder beim Anziehen und auch bei der Tagesgestaltung – ein schöner aber auch sehr herausfordernder Beruf.
Im MEDICLIN Müritz-Klinikum haben im September 23 junge Leute ihre Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger sowie 3 Schüler die Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten begonnen.
Durch die sehr gut strukturierte Praxisanleitung, innovative Unterrichtsmethoden und gemeinsame Projekte mit den Berufs- und Regionalschulen verzeichnete das Klinikum in diesem Jahr eine sehr hohe Anzahl an Bewerbungen für die medizinischen Ausbildungsberufe im MediClin Müritz-Klinikum.

„Wir freuen uns sehr, dass wir außergewöhnlich viele Schüler für das Berufsbild des Gesundheits- und Krankenpflegers begeistern konnten. Es sind so viele Bewerbungen eingegangen wie noch nie – ingesamt 83 Bewerbungen für die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger und 23 Bewerbungen für die Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten. Ein echter Rekord. Auf Grund der Qualität und Anzahl der Bewerbungen haben wir uns sogar entschieden, in diesem Jahr mehr Auszubildende einzustellen, als in den vergangenen Jahren“, sagt Pflegedirektor Christian Schuster.
„Zudem sind wir sehr stolz, dass alle Auszubildenden des vergangenen Jahres die Ausbildung im Klinikum Waren erfolgreich, mit einem sehr guten Praxisdurchschnitt, abschließen konnten und die Teams ab 1. September als examinierte Pflegefachkräfte sowie Operationstechnische Assistenten in den stationären und operativer Bereichen verstärken.“, fügt er hinzu.

In Zusammenarbeit mit dem RBB-Müritz wurden auch dieses Jahr wieder zu Beginn des Ausbildungsjahres zwei intensive Einführungstage in die Praxis durchgeführt, um die neuen Auszubildenden auf ihre zukünftige Tätigkeit am Patienten vorzubereiten.

42 Auszubildende des RBB-Müritz – zugehörig der Kliniken Plau, Amsee, Neubrandenburg und Waren – wurden im Konferenzraum des MEDICLIN Müritz-Klinikums durch Christian Schuster, den Pflegedirektor des MEDICLIN Müritz-Klinikums, Jana Schröder vom RBB-Müritz sowie Jeannette Romer, Leiterin der Praxisanleiter und Berufspädagogin für Gesundheitsfachberufe im MEDICLIN Müritz-Klinikum, begrüßt.

Selbsterfahrung als Wegweiser für das spätere eigene Handeln

Die Schüler erlebten an diesen zwei Tagen durch verschiedene Selbsterfahrungstests, wie es ist, wenn man im Alter von anderen Personen abhängig ist.

Überdies wurde den Azubis an diesen Tagen von Ärzten und Pflegeexperten wie Hygieneschwester, Diabetesberaterinnen, dem Kinästhetik-Trainer und den Lehrern viel Praxiswissen vermittelt und die ersten pflegerischen Handgriffe erklärt.

Die Selbsterfahrungstests werden in Kooperation mit dem RBB Müritz bereits seit zwei Jahren durchgeführt. Alle Schüler reflektieren in den Auswertungen, dass diese Erlebnisse für sie besonders prägend in ihrer weiteren Arbeit am Patienten waren.

Zum Beispiel reichten sich die Auszubildenden in einem unterschiedlichem Tempo Essen an und kamen dabei sehr ins Staunen, wie es ist, von der anderen Person im Tempo bei der Kostaufnahme bestimmt zu werden.

In einem weiteren Test erhielten die Schüler Taschentücher und wurden aufgefordert, ihren Speichel 10 Minuten nicht zu schlucken. Jeder Azubi suchte sich dazu eine „ruhige Ecke“ und ließ den Speichel nach vorn gebeugt fließen. Der Speichel, der in 10 Minuten produziert wurde, sorgte für großes Erstaunen. Nicht selbstbestimmend zu handeln und warten, dass endlich jemand kommt und einem hilft und dann noch dieses nassse Gefühl – alle kamen sich sehr hilflos vor. Wenn man von so einer Situation selbst einmal betroffen sein sollte, wünschten sich die Schüler in „umsichtige Hände“ zu gelangen.

Die Schüler putzten sich gegenseitig die Zähne, auch hier wieder die Erfahrung, im Alter oder bei Krankheit abhängig zu sein und nicht autonom bestimmen zu können, war für alle sehr ergreifend.

Ein Gefühl von Angst und Ohnmacht

Sehr wegweisend im weiteren Handeln war eine weitere Übung. Die Azubis legten sich auf den Fußboden, in Pflegebetten sowie auf Jogamatten. Alle wurden aufgefordert 10 Minuten an die Zimmerdecke zu starren, ohne jegliche Kommunikation. Anschließend sollten sie für weitere 10 Minuten die Augen schließen, eine Hand sollte unter das Gesäß gelegt werden. Die Lehrer schlossen ohne Vorankündigung Fenster, knisterten mit Tüten, lagerten geräuschlos Arme und Beine der Azubis um, verstellten die Pflegebetten – das alles immer ohne Vorankündigung. Dies war eine Erfahrung, die ein Gefühl von Angst bei den Schülern auslöste. Alle reflektierten bei diesem Test, dass die Zimmerdecke nach nur 10 Minuten zu kreisen begann. Am schlimmsten war die fehlende Kommunikation. Ein Gefühl der Ohnmacht breitete sich aus.

Diese Tests erfolgen immer auf freiwilliger Basis, bisher haben sich aber immer alle Azubis daran beteiligt. Durch diesen Test erreichen die Pädagogen die Erkenntnis bei den Schülern, dass alle Pflegehandlungen erklärt werden müssen, wie wichtig der Positionswechsel für die Patienten ist und vor allem, welche Bedeutung die richtige Position für Patienten im Bett hat.

Simulationsbrillen und Reanimationsschulung

In diesem Jahr kamen außerdem erstmalig Simulationsbrillen zum Einsatz. Mit den Simulatoren können Menschen ohne Einschränkungen einmal selbst Veränderungen erleben, die durch Alter, Krankheit oder Behinderung verursacht werden.

Dr. Stefan Bergt, Chefarzt der Anästhesiologie und Intensivmedizin, erläuterte anhand von sehr vielen erlebten Praxisbeispielen, wie der Ablauf einer Reanimation erfolgen soll. Im Verlauf erhielt jeder Auszubildende die Möglichkeit, an einem Dummy eine Reanimation zu üben. Kinästhetik-Trainer Andreas Schnell vermittelte viele Handgriffe zum Thema rückengrechte Arbeitsweise am Patienten.

Abgerundet wurde das Ganze durch ein gesundes Frühstück, zubereitet durch die Küche des Klinikums.

Insgesamt konnten die Auszubildenden an diesen beiden Tagen sehr viel Wissen erlangen, das sie in ihrer zukünftigen Tätigkeit am Patienten bestärken soll. In der abschließenden Reflexion der Schüler waren Lehrer, Praxisanleiter und Referenten sehr über das positive Feedback erfreut.

Text: Jeannette Romer, Leiterin der Praxisanleiter und Berufspädagogin für Gesundheitsfachberufe im MEDICLIN Müritz-Klinikum


Eine Antwort zu “Ausbildungsstart mal anders – Rekordzahl an Bewerbungen”

  1. Scharein,Hildburg sagt:

    Ich finde es toll, wie die Schüler in ihren späteren Beruf hineingeführt werden. Ich wünsche allen Schülern alles Gute für ihre Ausbildung.

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