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Auto-Kauf von Warens Stadtverwaltung sorgt für Unverständnis

10. Juli 2019

Was braucht der Mitarbeiter einer Stadtverwaltung, der vorwiegend Postdienste und auch einige Hausmeisterarbeiten erledigt, für ein Auto – ein Auto, das fast ausschließlich in der Stadt bewegt wird und das nicht mehr als 10 000 Kilometer im Jahr?
In der Warener Stadtverwaltung muss es dafür ein Kastenwagen (Caddy) sein, der mindestens 100 PS unter der Haube und einen Hubraum von mindestens 1,6 Litern hat. So steht es in der Ausschreibung der Verwaltung für diesen Wagen, und das sorgt bei einigen Stadtvertretern derzeit für Kopfschütteln und Unverständnis.

„Ein Dienstfahrzeug, das im wesentlichen als Stadtauto fungieren soll bedarf keiner Mindestanforderung von 100 PS und einem größeren Motor, das ist schlicht überzogen und unnötig. Jeder private Haushalt wird ein Stadtauto mit einer möglichst kleinen Motorisierung und einem geringen Spritverbrauch anschaffen, um die Kosten insgesamt gering zu halten. Die Stadt Waren least das Auto auch noch, damit es wenigstens richtig teuer wird“, kommentiert Toralf Schnur als Chef der FDP/MUG-Fraktion den Wunsch der Verwaltung.

In Zeiten der Diskussion zum Klimawandel hätte sich die Fraktion gewünscht, dass man hier die Förderung seitens der Bundesregierung bei der Anschaffung berücksichtigt. „Es wäre ein tolles Signal gewesen, wenn wir den Start zur Umstellung der Fahrzeugflotte in der Stadt angeschoben hätten, dies ist nun wieder einmal verschlafen worden. Es ist und bleibt bedauerlich, dass wir es unter dieser Verwaltungsführung  nicht schaffen, schnell auf veränderte Situationen zu reagieren. Hier bedarf es einer deutlichen Veränderung, um nicht stets und ständig den Entwicklungen hinterher zu rennen“, so Toralf Schnur.

„Wir sind Müritzer“ hat in der Stadtverwaltung nachgefragt. Aus dem zuständigen Amt von Amtsleiter Dietmar Henkel heißt es dazu: „Das jetzige Poststellen-Fahrzeug verfügt über einen 1,6 l Hubraum. Die Stadt ist mit der Leistung des Fahrzeugs weitestgehend zufrieden. Im Vergleich zum jetzigen Model wurde ein  mit 17 PS moderat größerer Motor gewählt. Dies ergibt sich aus dem Umstand, dass auch bei einer höheren Zuladung eine angemessene Fahrleistung erreicht werden soll. Bei der Vergabe haben wir uns an dem bisherigen Fahrzeug orientiert.“

Und zu unserer Frage, warum die Stadt bei ihrem Fuhrpark nicht wie andere Kommunen auf alternative Antriebe zurückgreift, gibt es folgende Antwort: “ Alternative Antriebe zeichnen sich in der Regel durch einen erhöhten Anschaffungspreis aus. Entsprechende Haushaltsmittel, um dementsprechend höhere Leasingraten zu bezahlen, wären im vorliegenden Fall wahrscheinlich nicht vorhanden gewesen. Die Erfahrungen in der Stadt mit Erdgasantrieben sind derweil durchwachsen, weshalb diese Antriebsform nicht in Frage kam. Bei alternativen Antrieben wie zum Beispiel Elektromotoren muss auch eine entsprechende Infrastruktur vorgehalten werden, diese ist momentan nicht gegeben.“

Nur mal so als Hinweis: Elektroautos können in Waren am Hafen, am stadteigenen Unternehmen Stadtwerke und am Brauhaus Müritz aufgeladen werden. Auch ein Hausanschllusss dürfte an der Verwaltung nicht das Problem sein.


8 Antworten zu “Auto-Kauf von Warens Stadtverwaltung sorgt für Unverständnis”

  1. Mario sagt:

    Au Backe – das ist wirklich gerade mal von heute auf morgen gedacht. Meiner ganz persönlichen Meinung nach wäre jetzt der richtige Zeitpunkt gewesen, um die Infrastruktur zu schaffen. Wenn das Auto nur in der Stadt bewegt wird, sollte im Normalfall das E-Auto die erste Wahl sein.

  2. Elimar sagt:

    Wenn man was tun will, um die Umweltbelastung nicht unnötig zu belasten, dann muss das Priorität bekommen. Herrn Henkels Argumentation betrachtet dies aber nicht als Wert, den man wie Anschaffungskosten messen kann. So fällt zwangsläufig der Klima- und Naturschutz, wie bei allen Entscheidungen dieser Stadt, hinten runter.

  3. T sagt:

    Meiner Meinung nach macht die Stadt genau das Richtige. Da mit dem Fahrzeug nicht nur Post sondern auch öfters 5 Personen befördert werden müssen und laut Ausschreibung auch Platz für Euro Paletten sein soll, gehe ich davon dass nicht nur Post transportiert werden muss. Bei hoher Zuladung und kleiner Motorisierung steigt der CO2 Ausstoß sowie der Benzinverbrauch stark an. Darüber sollte man vorher nach denken bevor mal solch Aussagen wie Herr Schnur trifft.
    Unteranderem ist sicheres Überholen auf der Landstraße mit einem Hochdachkombi der schon ein hohes Eigengewicht hat mit einem kleinen Motor auch nicht gegeben. Die Anschaffung eines E Autos welches die Bedingungen erfüllt übersteigt weit den Preis der Benzinautos. Das Leasing ist ebenso gut durchdacht. Da in der schnell lebigen Zeit Niemand weiß was mit den Verbrennermotoren passiert, ist durch das Leasing das Risiko auf eine geringe Laufzeit kalkulierbar. Und da es sich um ein Full Service Leasing handelt, wo sämtliche Unkosten wie Wartung Verschleiß und Garantie inklusive sind, sind auch hier die Kosten für die linear Kalkulierbar. Da unkalkulierbare Kosten für Garantie und Wartungskosten entfallen und die meisten Full Service Leasing 0 % Zinsen enthalten, stellt sich für mich die Frage wie Herr Schnur und Wir sind Müritzer zu solch Aussagen kommen ohne den Leasingvertrag zu kennen. Von daher sollte man alle Fakten dazu genau kennen bevor mal solche Aussagen trifft und Unruhe stiftet.

    • Toralf Schnur sagt:

      Bedauerlicherweise enthält die Ausschreibung dieses Modell der Finanzierung nicht. Es wird zwar von Leasing gesprochen, aber eben nicht von dem hier genannten Modell. Sofern dieses Modell tatsächlich gewählt wurde, würde dies ein Verstoß gegen die Ausschreibungskriterien darstellen. Ich gehe davon aus, dass das beschriebene Modell der Finanzierung also nicht gewählt wurde und nehme diesen Hinweis gern entgegen.

      Unabhängig davon bleibe ich bei meiner Auffassung, da die Grundlagen der vorgetragenen Begründung schlicht fehlerhaft sind. Dieses Auto wird nicht regelmäßig von 5 Personen genutzt und fährt ebenso nicht regelmäßig über Landstraßen. Ebenso basiert das zitierte Finanzierungsmodell immer auf einer Annahme, die den Idealfall bei beiden Vertragsparteien voraussetzt. Leasing wird genau dann teuer, wenn etwas passiert. Ich habe hier ein bisschen das Gefühl den Kommentar eines Autoverkäufers zu lesen, wenn ich ehrlich sein soll.

  4. Kein Autoverkäufer sagt:

    Die 100 PS sind gar nicht so das Riesenproblem, aber die 1,6 Liter grenzen sehr viele Fahrzeuge schon im Vorfeld aus.
    Ich hätte die Ausschreibung ab 90 PS und 1,2 Liter gemacht. Dann hat man die sehr schwach motorisierten Fahrzeuge komplett ausgeschlossen, ist aber offen für günstige Angebote in Kaufpreis und Unterhalt.

    Elektro wäre zwar schön, aber dann müsste man am Amtsbrink Ladesäulen aufstellen. Und das wird auch eine Zeit dauern (Planung und Umsetzung), aber man benötigt ja jetzt den neuen PKW.
    Aber ja, für die Zukunft kann man da schon mal die Gedanken kreisen lassen und Angebote für den Aufbau von Ladesäulen einholen. Nutzbar natürlich auch für Touristen und Einwohner.

  5. Meitzner sagt:

    Ich schlage vor, die anachronistische Ausschreibung für ein Hausmeisterauto mit >100 PS aufzuheben und nach sinnvollen Kriterien neu auszuschreiben. Dabei sollten Gefährte wie die Ape von Piaggio eine Chance bekommen. Waren wäre die erste Stadt, in der ein Hausmeister mit dieser nicht seinen Job machen kann. Waren wäre ein Vorreiter im rückständigen Mecpomm, vom coolness faktor mal abgesehen. Zuletzt sah ich eine Ape in Berlin als Eisbude, davor in Halle (Saale) bei einer Gartenbau-Firma, davor Nähe Stuttgart eine knallbunte bei einem Hausmeisterdienst. In Italien heißt, trotz der sehr steilen Straßen, ein Großteil der Kurzstreckennutzfahrzeuge Ape. Es muss also Gründe geben, will man nicht behaupten, die Italiener seien eben blöd. Mit der Ape Calessino Electric Lithium hat Piaggio auch in Richtung Umweltschutz das Richtige zu bieten. Laut Herstellerangabe ist die Reichweite ca. 75 km. Der Akku wird in etwa vier Stunden über einen 230-Volt-Anschluss geladen, also ohne teure Ladesäule! Die Laufleistung soll mit einer Batterie bis zu 60.000 km sein. Das scheint nicht viel, aber im Stadtverkehr würde die Ape mit der ersten Batterie weit über 10 Jahre alt. Das Fahrzeug kostet als Kastenwagen um die 8000 Euro. Würde unsere dieselschwangere Verwaltung nicht auf einem PS-starken Verbrennungsmotor bestehen, sondern praktische Eigenschaften in den Mittelpunkt stellen, würde so ein oder ein ähnliches Fahrzeug die Ausschreibung gewinnen. Dann wäre noch Geld übrig, z.B. für den Mietwagen im Fall, dass der Hausmeister wirklich mal außerorts Personen befördern muss.

  6. K.A. sagt:

    Von gut recherchiertem Journalismus ist Wir sind Müritzer leider weit weg. Einseitig werden Fakten propagiert, die nicht belegt sind. So wird in Waren Meinung gemacht. Will Herr Schnur nicht mal offen legen, wieviele sinnlose Arbeitsstunden er der Stadtverwaltung mit seinen oft jeder vernünftigen Grundlage entbehrenden Anträgen schon beschert hat? Das Geld, was dafür verschleudert wurde, hätte sicher für ein Elektroauto mit Tankstelle gereicht.

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