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Bauarbeiten am Bahnhof bald beendet, aber weitere Probleme

24. August 2019

Die Bahn will nach jahrelangem Bauen zwischen Rostock, Berlin und Dresden bald mehr „Gas geben.“ Und das soll auch Reisenden von der Müritz zu Gute kommen. Wie ein Bahnsprecher jetzt mitteilte, arbeiten die Fahrplanexperten gerade daran, ab 15. Dezember das Fernverkehrs-Angebot mit einer neuen IC-Linie Rostock-Berlin-Dresden „sukzessive auszuweiten.“ Das soll im Klartext heißen, dass es zusätzlich zu den Regionalzügen eine weitere Verbindung nach Süden und Norden geben soll, genaues will man auf einer Pressekonferenz im September erläutern. Und auch wenn die umfangreichen Bauarbeiten bald abgeschlossen sind, die Probleme werden nicht weniger. Im Gegenteil: Behinderte haben auf Warens Bahnhof bald ganz schlechte Karten.

Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember sollen die meisten Bauarbeiten der „Großbaustelle“ Waren an der Müritz – immerhin will man insgesamt rund 35 Millonen Euro verbauen – abgeschlossen sein. Davon kann man sich zu großen Teilen bereits überzeugen. So wurde ein behindertengerechter Zugang zu den Bahnsteigen 2/3 gebaut, dessen wellenförmige Dachform schon für erstaunte Gesichter sorgt.

„Das ist für Bahnverhältnisse schon außergewöhnlich“, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert, sonst seien Bahnsteigdächer standardmäßig leicht in V-Form aufgefaltet mit mittlerer Entwässerung – wie zum Beispiel in Neubrandenburg. Fast 80 Meter lang ist die neue „Müritz-Welle“, die man auch von der Teterower Straße aus gut sehen kann, nur innen ist sie noch nicht ganz fertig.

Bis am Bahnhof zum Jahresende alles fertig gebaut ist, können Bahnreisende derzeit schon den schmucken, grauen und ganz neuen langen Bahnsteig 2/3 nutzen – sogar noch auf ganz kurzem Weg über eine bequeme Behelfsbrücke. Blaue große Schilder weisen den Weg, Bahnsteig 1 dient als Weg und ist derzeit nicht als Bahnsteig in Betrieb. Wie das dann ab dem 15.12. laufen soll, dass werde derzeit mit der Stadt Waren abgestimmt, sagte der Bahnsprecher. Eins scheint klar: Der schleifenförmige behindertengerechte Zugang von der Bahnhofsseite aus, den die Stadt Waren an der Müritz für knapp fünf Millionen Euro bauen will, wird bis dahin noch nicht fertig.

„Noch mindestens zwei Jahre wird der Bahnhof nicht barrierefrei sein. Um körperlich beeinträchtigten Menschen zu helfen, bot die DB an, entsprechendes Personal zu stellen. Die Personalkosten in Höhe von 150.000 Euro jährlich sollen allerdings von der Stadt getragen werden. Hierzu wird es weitere Absprachen mit der DB geben“, heißt es dazu aus der Stadtverwaltung auf Nachfrage von „Wir sind Müritzer“.

Reisende dürfen auch auf weitere Überraschungen in Waren gefasst sein – so wie kürzlich, als an einem Tag die 4-Stunden-Parkplätze vor dem Bahnhof komplett gesperrt waren. Ein Bahnmitarbeiter in roter Weste „betreute“ die fragenden Reisenden, einige Taxis nutzten die fehlenden Absperrungen und fuhren gleich mal bis auf den gesperrten Bahnsteig 1 vor. Pendlern, die ihre Wagen morgens abstellen, empfiehlt die Stadt die Parkplätze unter der Herrenseebrücke oder hinter dem Haus ehemals „Radio Friedrich“. Was auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände nach Abzug der Bauarbeiter wird, scheint noch nicht festzustehen. Die Stadt hat keinen Zugriff, das Gelände gehört der Bahn.

Ein weiteres Problem sind fehlende Gepäckaufbewahrungsmöglichkeiten, die alten Schließfächer sind komplett gesperrt. Klebeband weist Reisende auf den schlechten Zustand hin. Laut Bahnauskunft wurden die Fächer in den vergangenen Jahren aber auch nur sehr selten genutzt.


6 Antworten zu “Bauarbeiten am Bahnhof bald beendet, aber weitere Probleme”

  1. Hermann W. sagt:

    Die Ausführung der Stirnbleche an der Welle, zeugt nicht gerade von großem Handwerklichen Geschick. Solche verbeulten Edelstahlbleche, hätte ich früher nicht abgenommen. Aber in Zeiten zerlöcherter Jeans, ist das evtl. auch gewollt.

  2. W sagt:

    Wir können uns freuen, dass wir eine so außergewöhnliche Dachform über der Rampe bekommen haben, die bestens in die Landschaft passt. Die Entwässerung ist natürlich recht aufwändig. Was die Beuligkeit der Stirnbleche betrifft, nun ja, die VOB-Abnahme steht noch aus. Die Bleche anzubauen, war ziemlich fummelig und Neuland für die Dachklempner gewissermaßen. Da darf man erst mal üben ;-) Bei dem Gesamtumfang, den die STRABAG mit beeindruckend perfekter Bautechnologie und vorbildlicher Ordnung auf der Baustelle bewältigt hat, glaube ich nicht, dass sich die Firma darum drückt, Kleinigkeiten nachzubessern. Und wenn nicht, halb so schlimm, finde ich. Wenn das Blech nach Jahren nicht mehr so glänzt, dürfte das kaum noch zu sehen sein. Sogar die Holzbrücke als provisorischer Zugang ist nahezu perfekt gemacht. Da können sich manche Firmen, die etwas Endgültiges schreinern, eine Scheibe abschneiden. Dass die Stadt die Kosten für das Personal wegen dem Zugang für Behinderte übernehmen muss, ist nur logisch. Über die Zuständigkeiten für den Tunnel, der neben der Funktion als Bahnsteigzugang auch die Stadtteile verbindet, wurde bei der Planung lange gestritten und dann wurde es so festgelegt. Die Bahn ist mit ihrem Teil fertig und die Stadt hat, wer hätte was anderes erwartet, noch nicht mal angefangen. Dass auf der Südseite keine etwas teurere Rampe, sondern ein weniger verlässlicher Aufzug eingebaut soll, finde ich ärgerlich. Das Argument, es sei für eine Rampe kein Platz, stimmt einfach nicht. Das warf ich schon bei der Bürgerbeteiligung in der Engelsschule 2012 im Plangenehmigungsverfahren ein. Das wurde, wie hier üblich, einfach übergangen. Warum man das dann stets so kommuniziert und entschieden hat, bleibt mir somit ein Rätsel.

  3. Franz Frantzen sagt:

    Was nützt uns in Waren eine IC Verbindung nach Dresden? Viel wichtiger wäre es, die Verbindung nach Neustrelitz wieder aufzunehmen. So kommt man dann endlich wieder stündlich mit dem RE nach Berlin.

    • Siegfried sagt:

      Der IC nach Dresden fährt ZUSÄTZLICH zu den RE (Regionalexpress – rote Züge) und der IC fährt von Waren über Neustrelitz über Berlin nach Dresden.
      Also alles was sie wollen, wird eingehalten.

    • Simon Simson sagt:

      Der IC wird sicher in Neustrelitz und Berlin halten. Leider wird der Fahrplan zwischen Fern- und Regionalverkehr nicht kundenorientiert abgestimmt. Das ist die Folge der Bahnreform, der Besteller und von Unternehmenszweigen, der Bahn, die Kommunikationsprobleme miteinander haben. Wenn wir Glück haben, liegt zwischen den Fahrzeiten des RE und des IC eine Stunde. Damit hätten wir den Stundentakt quasi zurück. Das ist aber, wie gesagt, reine Glücksache.

  4. Leider wird man im IC nicht das BB Ticket nutzen können.

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