Disko-Gäste schwer misshandelt – Bewährungsstrafen für Täter

21. Juni 2023

Im Prozess um zwei brutale Überfälle auf Gäste vor der Diskothek in Neukalen, zu der auch oft Leute aus der Müritz-Region fahren, sind die Urteile gefallen. Wer erwartet hatte, dass die Täter für diese Gewalttaten hinter Gitter müssen, wurde enttäuscht. Das Landgericht Neubrandenburg sprach drei der vier Angeklagten der gefährlichen Körperverletzung schuldig und verhängte kurze Haftstrafen. Diese wurden umgehend zur Bewährung ausgesetzt, wie eine sogenannte Absprache unter den Beteiligten im Vorfeld vorsah. Bewährung gegen Geständnis, hieß das Motto. Der vierte Mann auf der Anklagebank bekam einen Freispruch zweiter Klasse, das heißt, er wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen.  Er bleibt aber im Gefängnis, weil er seit Mai 2022 bereits eine andere Strafe verbüßen muss.  

Das Quartett stammt aus Malchin und Neukalen, ist durch diverse Vorfälle bereits eingehend polizeibekannt und fällt auch im Alltag auf – vor allem durch aufwendige Tätowierungen bis weit ins Gesicht hinein und durch große Ringe in den Ohren, sogenannte Tunnel. Alle Vier schwiegen zu Prozessbeginn, als die Opfer aber einige von ihnen im Prozess wiedererkannten, boten die Verteidiger Geständnisse an. 

Bei dem Vorfall im Oktober 2021 wurden mehrere junge Männer im Alter von 21 bis 23 Jahren unerwartet gleich zweimal Opfer der rabiaten Räuber. Einem von ihnen wurde anlasslos auf dem Fußweg eine Bierflasche auf den Kopf geschlagen, so dass der junge Mann bewusstlos wurde. Danach vermisste er seine Umhängetasche mit Bargeld, Papieren und Schlüsseln.

„Sie waren alkoholisiert und auf Krawall gebürstet“, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Anlass soll damals ein Zutrittsverbot für die stadtbekannte Gang in der Disko gewesen sein. Mit der ersten Gewalttat war es noch nicht genug. Die Attackierten gingen in eine nahe Bushaltestelle, weil einem der Männer schwindelig wurde. Plötzlich waren die vier Angreifer noch einmal da. Diesmal forderten sie von einem zweiten Geschädigten das Handy. Als dieser das ablehnte, flog erst eine Bierflasche in die Scheibe der Haltestelle, dann bekam wieder ein Opfer eine Flasche auf den Kopf. Zwei der Opfer wurden schwer verletzt.

Mit dem erbeuteten Handy gingen die Angreifer weg, und wähnten sich wohl sicher. Schon wenige Wochen später waren sie aber ermittelt. Der Wert der gesamten Beute: Etwa 300 Euro, die nun wieder zurückgezahlt werden sollen.

Das Entsetzen in Neukalen war nach den Attacken groß.

Nun bekam der 28-jährige Haupttäter ein Jahr und elf Monate Freiheitsstrafe, sein ein Jahr jüngerer Kumpel 21 Monate Haft. Beide sollen sich nun über zwei Jahre bewähren.  Ein 33-Jähriger bekam wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe. Er war erst wenige Wochen vorher auf Bewährung freigekommen, somit ein „Bewährungsversager.“ Dieser Mann bekam drei Jahre zur Bewährung.  Weil er inzwischen Vater geworden ist und eine Ausbildung begonnen hat, habe er eine „positive Sozialprognose“, hieß es.

Den Angehörigen der Opfer sind die Bewährungsstrafen deutlich zu milde. Sie erinnerten an die skrupellose Gewalt, mit der die Täter vorgegangen waren. Einem der Geschädigten machen die psychischen Folgen des Überfalls noch heute stark zu schaffen. Er gehe nicht mehr zu solchen Tanzveranstaltungen, weil er sich nicht traut, sagte eine Angehörige. Die Verurteilten und die Staatsanwaltschaft haben nun eine Woche Zeit. Bis dahin muss klar sein, ob sie Revision einlegen oder die Urteile rechtskräftig werden. 


4 Antworten zu “Disko-Gäste schwer misshandelt – Bewährungsstrafen für Täter”

  1. Müritz er T sagt:

    Positive sozialprognose… Wenn ich sowas schon höre

  2. Unglaublich sagt:

    Ein „Bewerumgsversager“ der vor wenigen Wochen auf Bewehrung freikommt begeht direkt wieder eine Straftat, und es geht hier nicht um ein geklautes Kaugummi, und bekommt dafür wieder eine Bewehrungsstrafe? Wo ist da die Logik? Der gehört zu seiner ursprünglichen Strafe weitere 3 Jahre weggesperrt. Ist kein Platz in der JVA? Ist kein Geld da? Da würde ich ja glatt monatlich 1% meines Nettoeinkommens „spenden“ damit die nicht frei rumlaufen können.

  3. Nachdenklicher sagt:

    Tut blos dem Täter nichts! Als junger Mensch von einer Horde Verbrecher bedrängt zu werden ist schlimm. Hilflos, körperlich und zahlenmäßig unterlegen. Dann zu erleben, daß denen für brutalen Raubüberfall fast nichts passiert, ist wohl unbegreiflich. Muss man sich abends bewaffnen und solchen Verbrechern bei Angriff ins Bein schießen? Dann würde man bestimmt 5 oder 6 Jahre in Haft gehen.
    Lieb Vaterland…

  4. MarcOh sagt:

    Hätten die Täter Steuern hinterzogen und so den Staat geschädigt, wären sie wohl nicht so glimpflich davon gekommen! Aber so eine Gewalttat…da kann man nochmal ein Auge zudrücken…! Bei dieser Art Rechtsprechung, brauchen wir uns über nichts mehr wundern!