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Durchsuchungen und Pfändungen bei einstigen AWO-Müritz-Chefs

12. April 2019

Der einstige AWO-Müritz-Chef Peter Oljinyk und der ehemalige Vorstandsvorsitzende Götz-Peter Lohmann haben gestern Besuch bekommen, auf den sie sicher gerne verzichtet hätten: Die Staatsanwaltschaft Schwerin ließ bei ihnen so genannte „bewegliche Sachen“ pfänden, um Vermögen für den AWO-Kreisverband Müritz zu sichern. Das teilte die zuständige Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung mit und erklärt auch sehr ausführlich den Grund für die Durchsuchungen.
Es geht um sehr viel Geld, es geht um Millionen.

Die Staatsanwaltschaft Schwerin führt gegen den 70-jährigen früheren Geschäftsführer ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue in drei besonders schweren Fällen. Dem 76-jährigen ehemaligen Vorsitzenden des Vorstandes des Kreisverbandes, Götz-Peter Lohmann, wird Beihilfe dazu vorgeworfen.

Sie sind verdächtig unter Missachtung der Vereinssatzung des Kreisverbandes Verträge zu Lasten der Gesellschaften der AWO geschlossen zu haben, nach denen Olijnyk unangemessen hohe Vergütungen nebst Tantiemen und Vorsorgeinvestitionen für dessen Altersversorgung erhielt. Insgesamt soll er in einem Zeitraum von 2005 bis 2016 Geldbeträge sowie Ansprüche gegen Dritte in Höhe von 1.223.558,26 Euro erlangt haben.

Es besteht ferner der Verdacht, dass der ehemalige Geschäftsführer den früheren Vorstandsvorsitzenden Götz-Peter Lohmann ebenfalls unter Umgehung tarifvertraglicher und satzungsrechtlicher Vorgaben als Diplom-Psychologe angestellt hat, um sich so auch die Zustimmung für seine Verträge zu sichern. So habe Lohmann in einem Zeitraum vom 01.09.2006 bis 31.12.2015 insgesamt 675.242,54 Euro erhalten, obwohl er den Ermittlungen zu Folge nur unwesentlich für die Gesellschaft tätig geworden war.

Zur Sicherung der staatlichen Ansprüche auf Einziehung des Wertes der Taterträge und der Ansprüche der Geschädigten hat die Staatsanwaltschaft Schwerin die Pfändung von beweglichen Sachen und Forderungen erwirkt und gestern bei Durchsuchungen vollzogen.

Da die Beschuldigten nach dem Ergebnis der Ermittlungen im Verdacht stehen, Vermögen im Wert von 163.286,67 € (Götz-Peter Lohmann) bzw. 23.000,00 € (Peter Oljinyk) an ihre Ehefrauen sowie 10.000 Euro an eine Tochter von Oljinyk „verschoben“ zu haben, hat das Amtsgericht Schwerin auf Antrag der Staatsanwaltschaft auch in deren Vermögen entsprechende Arreste angeordnet.

 


10 Antworten zu “Durchsuchungen und Pfändungen bei einstigen AWO-Müritz-Chefs”

  1. Jusus 456 sagt:

    Die Gerechtigkeit kommt doch noch

    • Rainer sagt:

      Ja, vor allem, weil ihnen die Staatsanwaltschaft genügend Zeit gelassen hat, um noch was beiseite zu bringen. Die ganze Sache geht letztendlich aus wie das Hornberger Schießen.

  2. Reinhard Tönse sagt:

    Ich habe interessehalber an drei Verhand-
    lungen in der Sache vor dem LG Nbg und
    dem OLG HRO teilgenommen. Mir standen
    „die Haare zu Berge“, als ich die Aussagen der geladenen Zeugen vernahm und dann
    noch erleben musste, dass der Hauptzeuge,
    nämlich der ehemalige Vorstandsvorsitzende
    G. P. Lohmann die Aussage verweigerte.
    Ich ahnte schon, dass sich in der An-
    gelegenheit ein „grosser Sumpf unappetit-
    licher Dinge“ auftun würde. Aber der eben
    von mir gelesene Artikel lässt die „unappetit-
    lichen Dinge“ in einem noch größerem Um-
    fang erscheinen. Was müssen den Hand-
    lungen von Olijnyk und Lohmann für eine
    Geldgier zugrunde gelegen haben. Ich hoffe,
    dass der “ Sumpf“ durch weitere Ermittlun-
    gen und gerichtliche Folgeverhandlungen endgültig trocken gelegt wird.

  3. N.Tupeit sagt:

    Wer Unrecht sät wird Sturm ernten und der Sturm ist nun angekommen. Ein hoch auf unsere Demokratie die wohl noch intakt ist. Die Europa Wahl wäre jetzt auch ein Anlass unsere Demokratie zu stärken.

  4. Andreas sagt:

    Lohmann ist ein guter Psychologe, der einigen Menschen wirklich geholfen hat.

    • Simo sagt:

      Ja Herr Andreas, der hat sich selbst und dem Olijnyk sehr gut geholfen, das sind schon zwei. Wenn Sie nu sagen, dass da noch mehr waren… Wundern würde es mich nicht.

  5. Loerbert sagt:

    Die beiden haben das Geld bekommen was den Pflegekräfte zu wenig an Lohn gezahlt wird

    • S. sagt:

      Ja, liebe(r) Frau/Herr Loerbert das ist vollkommen richtig. Darin zeigt sich die ganze Menschenverachtung dieser beiden Personen. Pflegekräfte schuften bis zur totalen Erschöpfung für’n Appel und n’halbes Ei und die nehmen sich so etwas heraus?? Allein die Tatsache, dass so etwas überhaupt MÖGLICH ist, gibt sehr zu denken. Angesichts dessen würde es mich nicht wundern, wenn noch mehr Plegekräfte den Beruf wechseln.

  6. Erich Düwel sagt:

    Arroganz und Überheblichkeit wird nun endlich mal bestraft!

  7. Meitzner sagt:

    Das Prinzip haben die Herren O und L verstanden. Die Art mit Lohnabhängigen umzugehen, ist Grundpfeiler fast jeden Reichtums. Ich nehme Promis aus Sport, Kulturbereich usw. aus, denen Fans Geld freiwillig nachwerfen. Auch Politiker, die sich Diäten selbst festlegen, seien ausgenommen.

    Wer weder Promi ist noch in der Politik mitstrampeln mag, mein Tipp, ungefragt: Gründe oder übernimm einen Verein, der dann kaum mehr ist, als sein Vorstand. Gute Gelegenheit, ohne Besteuerung und Stammkapital finanzielle Dinge zu seinen Gunsten zu gestalten. Um die „Gemeinnützigkeit“ nicht zu gefährden, gründe gleich auch eine gGmbH. Der schustere Einnahmen samt Fördergelder zu. Deine gGmbH gibt dann in deinem Auftrag viel für wichtige Dienstleistungen aus, ohne lästigen Wettbewerb und Nachweispflicht. Sie kauft die Leistungen dann schön teuer bei jemandem ein, zu dem Du Vertrauen hast. Oder sei selbst Dienstleister, auch wenn dies nur darin besteht, Aufträge billiger weiterzureichen. So läuft die Sache. Dabei muss der Kreis, in dem das Geld fließt, unübersichtlich groß sein, am besten durch das möglichst ferne Ausland (z.B. über einen AWO-Kindergarten auf Mallorca wie des Kreisverbandes Schwerin (mittelmäßig) oder top: irgend ein Hilfsprojekt in Indien für Straßenkinder).

    Psychologiekenntisse mögen beim Aufbau des Konstrukts hilfreich sein, Anstand eher nicht. Gefehlt haben O und L wahrscheinlich vor allem ein paar Semester Jura, denn sie haben einen zu kleinen Kreis aufgebaut.
    Handwerklich schlecht gemacht!

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